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| 14:00 Uhr

Nach jahrelangen Diskussionen
Grünes Licht für grüne Mitte in Forst

So soll die Forster Innenstadt bald aussehen. Das Stadtparlament stimmte am Freitag für den Seerosenteich.
So soll die Forster Innenstadt bald aussehen. Das Stadtparlament stimmte am Freitag für den Seerosenteich. FOTO: SINAI Landschaftsarchitekten in
Forst. Das Stadtparlament votiert für den Seerosenteich. Harsche Kritik kommt von den Linken, die Wohnungen favorisiert. Von Daniel Schauff

„Ich kenne keine Stadt, die sich ihrer Innenstadt beraubt“, sagt Ingo Paeschke (Linke). Er macht sehr deutlich, was er und seine Fraktion von der Grünen Mitte für Forst halten. Für die Entwicklung der Stadt seien die Pläne rund um einen Seerosenteich „katastrophal“. Paeschke betont: Eine Wohnbebauung wäre möglich. Davon sei er überzeugt.

Jens-Holger Wußmann (CDU) ist anderer Meinung. „Eine Bebauung funktioniert nicht.“ Wußmann lässt wenig Zweifel daran, dass er mit Seerosenteich, Wasserspielplatz und Park auf der Fläche hinter der Stadtkirche auch nur wenig glücklich ist. Wenn dort aber überhaupt etwas passieren solle, dann eben die Gestaltung zur Grünen Mitte, sagt der Fraktionsvorsitzende.  Seine Fraktion stimme – wenn auch nicht besonders überzeugt – für die erste Variante, die die Stadtverordneten am Freitag auf den Tisch bekommen – ihr Herzstück ist der Seerosenteich.

Paeschke verweist auf die intensiven Pflegekosten, von denen, so der Fraktionschef der Linken, könne man nach ein paar Jahren schon die ersehnte Wohnbebauung finanzieren. Wer Malxe und Neiße von der Tür habe, fahre nicht an einen Teich in der Stadtmitte. „Ohne innerstädtische Bebauung um den Markt kriegen wir keine vernünftige Innenstadt hin“, sagt er, verweist auf die Vorschläge seiner Fraktion aus den vergangenen Jahren, wie dort Wohnungen entstehen könnten. Paeschke packt das Beispiel Senftenberg aus – dort funktioniere das Konzept innerstädtische Bebauung schließlich auch. Man müsse es nur wollen.

Das Abstimmungsergebnis beeinflusst seine Kritik am Freitag nicht. 15 Stadtverordnete votieren für den Seerosenteich, sechs sagen Nein, drei Enthaltungen gibt es. Der Vorschlag, auf der Freifläche Geschichtsgärten anzulegen, kommt gar nicht erst zur Beschlussfassung. Die Verwaltung zieht die Beschlussvorlage zurück, nachdem der Seerosenteich die meisten Ja-Stimmen im Stadtparlament gesammelt hat.

Mit dem Beschluss der Stadtverordneten endet nun ein fünf Jahre langer Diskussionmarathon um die Freifläche in der Forster Innenstadt. Einst standen dort Häuser, wurden abgerissen, ein Argument der Seerosenteich-Befürworter, es künftig nicht noch einmal mit Wohnbebauung zu versuchen. Sorge darum, dass der Teich im Zentrum künftig nur ein Ort für Herumlungernde und Trinker werden könnte, hatte den Gegnern des Innenstadt-Gewässers Rückenwind verschafft.

2012 gab es den Siegerentwurf aus einem Gestaltungswettbewerb – in seinem Mittelpunkt stand der Teich. 2015, nach der Wahl Philipp Wesemanns zum Bürgermeister in Forst, stoppten die Stadtverordneten die Planungen.

Zwei Bürgerbefragungen brachten kaum brauchbare Ergebnisse. 2016 war der Seerosenteich so gut wie vom Tisch, es sollten Wohnungen entstehen. Nur die Investoren fehlten – trotz bundesweiter Ausschreibung. Erhoffte Fördermittel flossen nicht, weil das Infrastruktur-Ministerium nicht mit den Änderungen in der Forster Innenstadt mitgehen wollte. Und er war wieder da, der Seerosenteich.

Im nächsten Schritt soll die Verwaltung die Zielplanung aus dem Realisierungswettbewerb mit dem Landesamt für Bauen und Verkehr und dem Ministerium abstimmen, so dass in Zukunft die Forster nach dem Einkauf und dem Kirchenbesuch noch eine Runde durch den Park drehen oder eine Weile am Teich verbringen können – sofern die Diskussionen in der Forster Stadtpolitik nicht noch einmal wieder aufleben.