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| 13:16 Uhr

Vorsitzende der Forster Schiedsstelle im Porträt
Wenn Nachbars Hecke zu hoch ist

 Gabriele Rümmler ist Vorsitzende der Schiedsstelle Forst – und schlichtet vor allem Nachbarschaftsstreits.
Gabriele Rümmler ist Vorsitzende der Schiedsstelle Forst – und schlichtet vor allem Nachbarschaftsstreits. FOTO: LR / Steffi Ludwig
Forst. Bevor Konflikte zwischen Streithähnen endgültig eskalieren, können Schiedspersonen bei der Problemlösung helfen. Gabriele Rümmler, Vorsitzende der Schiedsstelle Forst, erklärt wie sie beim Zoff am Gartenzaun vermittelt. Von Steffi Ludwig

Da ist Nachbars Hecke, die wahlweise zu hoch oder zu niedrig ist oder durch den Zaun wächst. Oder der Sichtschutzzaun, der ohne zu fragen aufgestellt wurde. Wenn dann auch noch drei Blätter vom Baum des Nachbarn auf das eigene Grundstück fallen, herrscht Alarmstufe Rot. Die eh schon verhärteten Fronten werden noch härter, nicht mal ein Gruß kommt mehr über die Lippen. „Sie glauben gar nicht, was ich schon alles gehört habe“, sagt Gabriele Rümmler.

Moderation zwischen Streithähnen

Die 67-Jährige ist seit Mai Vorsitzende der Schiedsstelle Forst und schlichtet gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Carolin Erler (33) Streit – vor allen Dingen unter Nachbarn. Dabei wird kein Urteil gefällt, die Schlichter moderieren und ordnen nur das Gespräch der Streithähne.

Es sind mehr als 90 Prozent der Schlichtungen, die sich mit Nachbarschaftsstreit befassen, hat Gabriele Rümmler festgestellt. Bereits von 2014 an war sie stellvertretende Schiedsperson in Forst und bei etwa zehn Schlichtungen pro Jahr dabei. Und fast immer hat sie am Ende erlebt: Die vorher unnahbaren Nachbarn haben wieder miteinander geredet und konnten ihre Probleme lösen. „Es ist toll, wenn sich beide Parteien einig sind“, so Gabriele Rümmler. „Wenn sie sagen: ,Du kannst gern auf mein Grundstück’ oder ‚Ich komm dir helfen’ – sowas schien am Anfang völlig unmöglich.“

Konflikte schaukeln sich hoch

Am Anfang ist, wenn sich eine der verstrittenen Parteien bei der Schiedsperson meldet (siehe Kasten) und in einem Gespräch die Sachlage erörtert. „Oft waren es vorher gute Nachbarn, dann ist jedoch irgend etwas passiert, und das Ganze potenziert sich bei jeder Kleinigkeit, bis es dann knallt. Oder es spielen schon jahrelange Familienkonflikte hinein. Wir hören zu, lassen reden und ordnen das Gesagte“, erklärt Gabriele Rümmler. „Dann fassen wir das Anliegen und das Ziel einer Schlichtung in ein Formular und senden das auch der Gegenseite zu mit der Einladung zum Schlichtungsgespräch.“ Und auch wenn es erstaunlich erscheint: „Zu 99 Prozent kommt die Gegenseite zum Gespräch, kann auch einen Anwalt mitbringen. Wir haben jedoch das Haus- und Weisungsrecht“, so die Forsterin.

Strenge Regeln beim Gespräch

Beim Gespräch herrschen dann strenge Regeln: ausreden lassen und keine bösen Worte verwenden. „Wir achten auf die Tonlage, und dass jeder die gleiche Redezeit bekommt.“ Die Lösung komme dann aus den Parteien heraus und werde konkret verhandelt: bis zu diesem Datum muss die Hecke verschnitten sein, auf diese Art und Weise soll künftig die Zufahrt übers Grundstück geregelt werden. Manche Schlichtung finde auch direkt vor Ort statt, um sich die Verwinkelung des Grundstücks oder den Wuchs der Hecke genau anzusehen. Sie als Schiedsperson befasse sich dann auch eingehend mit dem Thema, lese Baupläne oder lerne, was ein Widerlager oder ein Hammerkopfgrundstück ist. Manche Partei sei zwar etwas stur, aber letztendlich sei meist der Wunsch zu spüren, dass beide Seiten Frieden haben wollen.

Schulungen für die Schlichter

Damit die Schiedspersonen fit in der Gesetzlichkeit und im Umgang mit den Streithähnen sind, gibt es regelmäßige Schulungen. Gerade in Gesprächsführung oder Psychologie gebe es viele hilfreiche Tipps oder Rollenspiele, um auch den cholerischen Nachbarn irgendwie einzufangen, berichtet Gabriele Rümmler, die zudem als Hilfsschöffe am Amtsgericht Cottbus, Außenstelle Guben, arbeitet. In ihrer Berufslaufbahn war die Forsterin Laborleiterin an der Ingenieurschule für Textiltechnik und später am Oberstufenzentrum in Cottbus und war 2012 in den vorzeitigen Ruhestand gegangen. Nun wolle sie als Rentnerin etwas Sinnvolles tun, das auch hilfreich für die Stadt sei, sagt sie.

Und das ist es allemal: „Wenn sich zwei verfeindete Nachbarn wieder anschauen und sich Guten Tag sagen können – das ist auch für uns der schönste Lohn.“