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| 11:54 Uhr

Forst
Mut zum kräftigen Schnitt

Uta Smolny demonstrierte den Teilnehmern, wie Rosenstämmchen im Frühjahr geschnitten werden müssen, damit sie später prachtvoll blühen.
Uta Smolny demonstrierte den Teilnehmern, wie Rosenstämmchen im Frühjahr geschnitten werden müssen, damit sie später prachtvoll blühen. FOTO: Margit Jahn
Forst. Beim Forster Rosenseminar üben die Teilnehmer, wie die Stämmchen gekürzt werden. Von Margit Jahn

 Rosenfreunde oder „Laubenpieper“ sind Frühaufsteher. Interessiert folgten am Samstag die Teilnehmer des Rosenseminars bereits um 9 Uhr den Ausführungen des Parkmanagers Stefan Palm, der mit einem umfangreichen theoretischen, dabei sehr gut bebilderten Seminar in die Gaststätte „Rosenflair“ eingeladen hatte. Rosenschnitt war das Hauptthema, pünktlich zum Frühlingsanfang in zehn Tagen.

Bevor es an die Scheren und nach draußen an Ort und Stelle ging, bekamen die Teilnehmer eine Einführung zu den Wuchsformen, den Grundregeln des Rosenschnittes, Schnittarten, Schnitt nach Rosenklassen, aber auch Tipps zum richtigen Werkzeug vermittelt. Dies war offenbar der richtige Ansatz, denn Birgit Rademacher, eigens aus Kolkwitz angereist, war voll des Lobes über den Vortrag. „Es war gut fachlich und ging auch gleich zur Sache.“ Besonders gut fand sie, dass die Teilnehmer die Ausführungen an der Leinwand auch in Papierform mit nach Hause nehmen konnten. Als „sehr gut vorbereitet“ lobte sie das Seminar. Sie war in Forst das erste Mal dabei, weil sie „jahrelang mit Rosen kein Glück“ hatte und erst seit ein paar Jahren wieder welche hat.

Auch Adelheid Singer und Wolfgang Franke aus Forst mit 40-jähriger Kleingartenerfahrung waren das erste Mal dabei und wollten neue Erkenntnisse mit nach Hause nehmen. „Heute haben wir wieder was gelernt“, so ihr gemeinsames Fazit. Ute und Michael Lampe wollten erfahren, warum ihre Rosen im letzten Jahr so viele Blätter verloren hatten.

Der erste Rosenschnitt im privaten Bereich sollte erfolgen, wenn die Forsythien blühen, so der Tipp von Stefan Palm. Im Rosengarten selbst kann man sich an diesen Tipp leider nicht halten, da zu viele der prachtvollen Rosen auf den befreienden Schnitt warten, sodass bereits in diesen Tagen mit den ersten Arbeiten begonnen wird. Auch dann kann man erst sagen, welche Schäden der strenge Frost der letzten Zeit hinterlassen hat. „Auf alle Fälle war er nicht gut“, sagt der Parkmanager etwas sorgenvoll.

„Je stärker der Rückschnitt, desto stärker der Neuaustrieb“, lautet eine der goldenen Regeln. Aber genau diese erfordert viel Mut. Mut, den nicht alle Anwesenden sofort hatten. Weitere Regeln lauten: „Hohe Knospen treiben stärker“, „Schwach bleibt schwach“, „Aus Gabeln werden Besen“, „Überm Auge, leicht schräg nach hinten schneiden“, „ins gesunde Holz zurückschneiden“ und „auf außen liegende Augen schneiden“. Was sich in der Theorie ganz logisch anhört, ist in der Praxis doch nicht so einfach umsetzbar.

Uta Smolny vom Forster Betriebsamt, die für die erkrankte Teamleiterin Maja Avermann einsprang, demonstrierte im Hochstammgarten den ersten Schnitt. Blankes Entsetzen folgte bei den Zuschauern, denn von den zuvor noch reichlich vorhandenen Zweigen blieb fast nichts übrig. Smolny, die in akrobatischer Manier um die Pflanze agierte, um sich vor den spitzen Dornen zu schützen, blieb rigoros.

Anschließend konnten sich die Teilnehmer an zwei weiteren Hochstammrosen erproben. Wieder blieben Rosenstöcke mit manchmal nur drei Ästen übrig. „Man muss Mut haben zum Schneiden“, lautet das Resümee von Elke Tischer, die eine der beiden Hochstammrosen „bearbeitete“. Sie hatte sich bereits im vergangenen Jahr zum Seminar angemeldet, da es damals aber bereits ausgebucht war, nutzte sie jetzt die Chance dabei zu sein. Als „sehr professionell aufgebaut“ empfand sie das Seminar, wie sie sagt. Sie fühle sich bestärkt, jetzt tapferer zur Schere zu greifen. Das große Beet mit dem „Forster Rosentraum“, einer Edelrose, war die nächste Herausforderung für die Teilnehmer. Bestärkt, mutiger zu schneiden, wären hier fast die wichtigsten und kräftigsten Äste entfernt worden.

Uta Smolny warf noch die Frage in die Runde, sich zu überlegen,  „was will man“: eine kräftige Blüte oder viel Grün. Als ob diese Frage so einfach zu beantworten wäre. Zumindest haben alle Teilnehmer jetzt auch zu Hause die Gelegenheit, in die Unterlagen des Parkseminars zu schauen, um die richtigen Antworten zu finden.