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Imker
Forster Imker setzen sich für blühendes Grün in der Stadt ein

Joachim Voigt (2.v.r.) hat einen Nachweis für die Blaue Holzbiene im Land Brandenburg gefunden.
Joachim Voigt (2.v.r.) hat einen Nachweis für die Blaue Holzbiene im Land Brandenburg gefunden. FOTO: Angela Hanschke
Forst. Vereinsmitglieder verweisen auf einen schlechten Honigertrag im vergangenen Jahr. Frost, Regen und Varoamilbe haben den Bienen zugesetzt. Von Angela Hanschke

Knapp 30 Freizeitimker gehören dem „Imkerverein Forst an. Er ist mit 166 Jahren der älteste Verein seiner Art in der Niederlausitz. Hoch ist mit nahezu 60 Jahren auch der Altersdurchschnitt seiner Mitglieder aus Forst, den umliegenden Dörfern, aus Spremberg, Cottbus und Tschernitz. Der 89-jährige Achim Jentsch aus Forst ist der Nestor des Vereins und Thomas Bischoff (40) aus Spremberg der Jüngste. „Im vergangenen Jahr konnten wir fünf Neulinge aufnehmen“, berichtet der Vereinsvorsitzende Andreas Kählig.

Noch vor einem Jahrzehnt war der Verein eine reine Männerdomäne. Inzwischen haben Liana und Erika Kärgel sowie Heike Döbbertin und Heidrun Hanniske das Imkern für sich entdeckt. Auch zwei der insgesamt drei Probe-Imker sind Frauen.

Unerfreulicher ist jedoch die Bilanz, die die Imker am Mittwochabend während ihrer ersten Mitgliederversammlung im neuen Jahr zogen. „Der Honigertrag des Vorjahres war sehr schlecht, denn bei der Blüte von Obstbäumen, Robinie und Linde gab es durch den Frost einen Totalausfall. Das regenreiche Jahr sorgte für eine weitere Schwächung der Bienen. Die gefürchtete Varoamilbe hatte dann leichtes Spiel“, fasste Andreas Kählig zusammen, der während der Wintermonate auch persönlich etliche Völker verloren hat.

Doch viele Faktoren, die zum weltweiten Rückgang der Biene geführt haben, sind von Menschen verursacht. Das berüchtigte, für Bienen angeblich unschädliche Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, das innerhalb der EU noch für weitere fünf Jahre eingesetzt werden darf, vernichtet deren Futtergrundlage. Die Immen bringen zuvor den Honig der sterbenden Pflanzen in ihren Stock und lagern damit das Glyphosat im Honig ab. Auch die massenhafte Verwendung von Neonicotinoiden, die von Landwirten als Pflanzenschutzmittel auf den Feldern versprüht werden, wird von den Imkern in Forst kritisiert. Ein Nervengift, das bei Bienen zum vollständigen Verlust der Orientierung führt. „Sie finden nicht wieder heim und verhungern“, so der Vereinsvorsitzende.

„Insektenhotels und daneben wird der Rasen auf vier Millimeter getrimmt“, beschreibt Liana Kärgel eine immer noch verbreitete Praxis von Kleingärtnern. Dann wachse „nur noch biologisch völlig sinnloses Zeug“, das den Insekten keine Nahrung biete.

„Subventionen für den massenhaften Anbau von Mais und Raps setzen falsche Anreize für die Landwirte“, kritisieren die Imker die zunehmende Arten-Verarmung. So könne in der Region mangels Buchweizenanbau auch kein Buchweizenhonig mehr gewonnen werden.

Vor zwei Jahren habe der Imkerverein der Stadt Forst einen vom Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf erstellten Jahres-Blühplan zur Verfügung gestellt bekommen und zeitgleich hatten erfahrene Imker ihre Mitarbeit als sachkundige Bürger bei Bauplanungen angeboten. Kann die Stadt auf solche Kompetenz verzichten? „Nach dem Umbau am Lindenplatz wurden Silberlinden gepflanzt, die gar keinen Nektar liefern“, beklagt Kurt Pigolla. Linden würden ungern von Planern berücksichtigt. Weil der heruntertropfende Honigtau den Autolack verschmutze? Auch der geplante Bau einer Verkehrsinsel in der Cottbuser Straße und das damit verbundene Fällen von etlichen Linden erfüllen die Imker mit Sorge. Sie sind erklärte Umweltschützer.

Nicht nur ihre Honigbienen, sondern auch deren wilde Verwandte liegen ihnen am Herzen. Erfreut betrachteten sie deshalb einen Zufallsfund, den Imker Joachim Voigt in Potsdam machte. Die „Blaue Holzbiene“, die größte heimische Wildbienenart, die nur in wärmeren Gegenden Deutschlands vorkommt, hatte mit ihren kräftigen Kauwerkzeugen ihre Brutröhre ins trockene Holz eines gefällten Apfelbaumes genagt. Eine Besonderheit in unserer Region.

Auch in Zukunft wollen die Vereinsmitglieder fachlich auf dem Laufenden bleiben und deshalb künftig wieder ihre gefragten Fortbildungsvorträge mit hochkarätigen Referenten auch für andere Vereine anbieten.

Ihren monatlichen Treff halten die Vereinsfreunde immer am dritten Mittwoch jeden Monats um 19 Uhr in der Gaststätte „Rennbahn“ ab. Am 21. Februar findet die Jahreshauptversammlung statt. Interessierte Bürger, aber auch nicht organisierte Imker seien herzlich willkommen, lädt der Verein ein. Rat finden sie immer.