| 06:04 Uhr

Einzelhandel
Händler wollen Initiative ergreifen

Seit dem vergangenen Jahr ist die Spremberger Straße in Forst gesperrt. Auf der Cottbuser soll 2018 gebaut werden.
Seit dem vergangenen Jahr ist die Spremberger Straße in Forst gesperrt. Auf der Cottbuser soll 2018 gebaut werden. FOTO: Katrin Kunipatz
Forst. Wie eine Baustelle zu einem positiven Wir-Gefühl führt, erfuhr der Forster Gewerbeverein. Von Katrin Kunipatz

Mit ziemlicher Sicherheit wird die Cottbuser Straße in Forst im kommenden Jahr zur Baustelle. Vor allem zwischen Berliner und Bahnhofstraße müssen sich die Anlieger auf eine mehrmonatige Vollsperrung einstellen. Gerade für Einzelhändler könnte dies schnell zur Existenzbedrohung werden, formuliert Andreas Wolff, Vorsitzender des Gewerbevereins Forst.

Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus hat der Verein deshalb einen Themenabend organisiert. Gekommen sind außer den Vereinsmitgliedern keine weiteren betroffenen Händler. Darüber ist Katrin Berger, Inhaberin der gleichnamigen Buchhandlung, enttäuscht. Ihr Mann hat den Vortrag über den erfolgreichen Umgang mit innerstädtischen Baustellen vor einigen Jahren in Cottbus gehört. Sie habe deshalb dvorgeschlagen, die IHK nach Forst einzuladen.

Katrin Erb, Standortberaterin bei der IHK Cottbus, erläutert worauf es ankommt. Am aller wichtigsten sei es, positiv an die Baustelle heranzugehen, so Erb. „Zwar bringt eine Baustelle Schmutz, Lärm und weitere Einschränkungen mit sich, aber danach wird es schöner für alle“, sagt sie. Dieses Denken könne man an die Kunden weitergeben.

Unterstützung bekommt sie von Marion Goyn, Geschäftsführerin der Wohn- und Baugesellschaft Calau (WBC): „Bitte hören Sie auf, über die Baustelle schlecht zu reden.“ Goyn weiß, wovon sie spricht. Vor sechs Jahren verwandelte sich die Fußgängerzone in der Calauer Innenstadt zur Baustelle. Da 15 der 20 Geschäfte der WBC gehörten, übernahm das Wohnungsunternehmen die Initiative.

Mit monatlichen Aktionen gelang es, die Calauer und auch Touristen trotz Baustelle in die Geschäfte zu locken. Es gab Verkostungen, Baustellenführungen, Gutschein-Aktionen, Beratungen und Rabattangeboten. Hinzu kamen Flyer, Veröffentlichungen auf den Internetseiten der Unternehmen. „Letztlich stärkte die Baustelle das Gemeinschaftsgefühl der Händler“, sagt Marion Goyn.

Insgesamt 13 ­175 ­Euro habe das gesamte Baustellenmarketing während der einjährigen Bauzeit gekostet. Bezahlt haben es WBC und Stadt Calau. Außerdem gab es bei der WBC engagierte Mitarbeiter, die jeden Händler ansprachen. „Entscheidend war, dass sich alle gemeinsam vermarktet haben. Allein wären die Aktionen verpufft“, so die WBC-Geschäftsführerin.

„Wenn der Gewerbeverein etwas organisiert, werde sich die FWG beteiligen“, sagt Uwe Engelmann, Geschäftsführer der Forster Wohnungsbaugesellschaft (FWG). Er sieht jedoch keine Möglichkeit, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, wie es das Calauer Wohnungsunternehmen getan hat. Die Situation in Forst sei eine völlig andere als in Calau.

Skeptisch äußert sich Jens Dobbert, Chef der Apotheke in der Cottbuser Straße. Ihm fehlen im Moment vor allem Informationen zum Ablauf der Baumaßnahme. Er hoffe auf weitere Informationen von der Stadt. Die anwesende Leiterin der Stadtentwicklung Angelika Geisler äußerte sich dazu nicht. Dobbert bezweifelt außerdem, dass alle Gewerbetreibenden auf der Cottbuser Straße mitziehen werden.

Katrin Berger jedenfalls will das Problem Baustelle angehen. „Wir waren schon mal betroffen“, sagt sie. „Mit viel Engagement haben wir damals kaum Einbußen gehabt.“ Gemeinsam mit ihrem Mann habe sie bereits Aktionen überlegt. Letztlich liege es an den Händlern, etwas zu tun.

Und genau an diesem Punkt kommt der Gewerbeverein ins Spiel. Noch am Mittwochabend habe man einiges abgestimmt, erklärt Andreas Wolff. Als Erstes wolle man mit der Stadt und dem Landesamt erörtern, welches Budget für Marketingmaßnahmen möglicherweise noch in die Ausschreibung eingebunden werden kann. Bei der nächsten Vorstandssitzung Mitte November sollen Kommunikationsstrukturen aufgebaut werden, um die betroffenen Händler und Unternehmen zu erreichen.

Diana Podlesch, Mitglied im Gewerbeverein, findet es unglaublich, was in Calau geleistet wurde. „Wir müssen unsere Interessen bündeln, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen“, sagt sie. Vor allem müsse sich der Gewerbeverein solidarisch zeigen, schließlich liege es im Interesse aller, die Innenstadt belebt zu erhalten.