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Forster gegen die Sucht stärken

Fanny Blatt mit einer Rauschbrille in ihrem Büro im Rathaus. Mit dem Kinder- und Jugendbeirat will sie den "Rasenden Alkoporter" herausbringen.
Fanny Blatt mit einer Rauschbrille in ihrem Büro im Rathaus. Mit dem Kinder- und Jugendbeirat will sie den "Rasenden Alkoporter" herausbringen. FOTO: Ludwig
Forst. Es ist eine komplett neue Stelle, die in Sachsen und Brandenburg ihresgleichen sucht. Und Fanny Blatt kniet sich voll hinein: Die 33-Jährige ist seit 1. Juli bei der Stadt Forst als Sachbearbeiterin Sucht- und Drogenprävention/Gesundheitsförderung tätig. Steffi Ludwig

Voller Enthusiasmus hatte sie sich in die berufliche Herausforderung gestürzt und sich auf die etwas sperrig klingende Stelle beworben, die wegen des alarmierenden Anstiegs der Rauschgiftdelikte in Forst kurzfristig von der Stadt geschaffen worden war.


Und darum geht es: Fanny Blatt soll nicht die Arbeit von Beratungsstellen übernehmen, sondern ein möglichst großes Netzwerk in der Stadt für die Sucht- und Drogenprävention knüpfen. Ziel ist es, möglichst vielen Einwohnern von Forst möglichst viel "positive Gesundheit" zu vermitteln. Das bedeutet, gerade Kinder widerstandsfähig zu machen gegen Stress und negative Einflüsse, um sie so vor einem späteren Drogenmissbrauch zu bewahren. Aber auch Jugendliche und junge Erwachsene, Erwachsene und Senioren will Fanny Blatt mit ganz unterschiedlichen Aktionen erreichen.

Erfahrungen im Suchtbereich bringt die 33-Jährige, die in Bad Muskau lebt, reichlich mit. Sie habe das Interesse für das Thema bereits mit der Muttermilch aufgesogen, da auch ihre Mutter in dem Bereich arbeitete, berichtete sie im jüngsten Ausschuss für Kultur, Bildung und Soziales. Fanny Blatt absolvierte eine therapeutische Ausbildung mit vielen Weiterbildungen, arbeitete fünf Jahre in einer geschlossenen Einrichtung, in der ältere Menschen mit den verschiedenen Abhängigkeiten leben. Danach wechselte sie in den Jugendbereich bei einem gemeinnützigen Träger, baute ein Netzwerk im Landkreis Görlitz auf und leitete mehrere Selbsthilfegruppen mit Süchtigen. "Sucht ist eine Krankheit, das wollte ich immer vermitteln", so die zweifache Mutter. "Und Sucht hat immer eine Geschichte, irgendwo hat es im Leben an etwas gefehlt."

Seit dem 1. Juli hat Fanny Blatt in Forst bereits eine Vielzahl an Einrichtungen von der Kita bis zum Ämtern oder dem Krankenhaus besucht - und war durchaus positiv überrascht: Denn beispielsweise die Präventionsprogramme an den Schulen wie "Papilio" gebe es in Sachsen nicht, auch die vielen Beratungsangebote wie beispielsweise vom Tannenhof lobte sie. Sie sah aber auch einen erheblichen Handlungsbedarf, den ihr gerade Erzieherinnen und Lehrerinnen deutlich machten: angefangen bei ungesunder Ernährung bis hin zum Verdacht auf Drogenkonsum bei den Kindern. Zudem gebe es wenig Kooperation unter den sozialen Einrichtungen.

Deshalb hat sie viele Ideen, einige sind bereits greifbar: Für das Netzwerk hat sie bereits einen Großteil der Einrichtungen von Schulen bis zum Gesundheitsamt im Boot, weitere besucht sie gerade. Im vierten Quartal soll es das erste Netzwerktreffen geben, das dann konkrete Projekte anschiebt.

Bereits im Oktober soll der "Rasende Alkoporter" starten: ein vierseitiger Newsletter, entwickelt mit dem Forster Kinder- und Jugendbeirat, dessen Mitglieder die Seiten dann auch füllen werden. "Mit Themen über Drogen oder Hilfesysteme, aber auch Freizeitaktivitäten", kündigt Fanny Blatt an. Für den "Alkoporter", der an Schulen verteilt und an vielen Stellen ausgelegt werden soll, hat sie die Förderung durch eine Stiftung erreicht.

Ende des Jahres will sie einen Freizeitkalender für 2018 erstellen.

Gerade in Planung sei ein Projekt, bei dem gesunde Brotbüchsen für Kita-Kinder gepackt werden sollen - Senioren sollen hier als Paten fungieren.

Für die kurze Zeit, die sie im Amt sei, habe Fanny Blatt schon einiges erreicht, lobte Stadtverordnete Doris Dreßler (Linke). Die Stelle ist auf fünf Jahre befristet.

Zum Thema:
Fanny Blatt ist im Forster Rathaus in der Lindenstraße im Fachbereich Bildung und Soziales unter Telefon 03562 989333 oder per Mail unter f.blatt@forst-lausitz.de zu erreichen.