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Forster fordern Fakten zum Brand

Etwa 50 Forster trafen sich Donnerstagabend an der Stadtkirche. Aufgerufen dazu hatte Johann Staudinger vom BUND.
Etwa 50 Forster trafen sich Donnerstagabend an der Stadtkirche. Aufgerufen dazu hatte Johann Staudinger vom BUND. FOTO: kkz
Forst. Rund 50 Forster haben sich Donnerstagabend vor der Stadtkirche versammelt. Gut erinnern sich alle an den Qualm, der am Wochenende vom Brand in der polnischen Recyclingfirma bei Brozek nach Forst zog. Katrin Kunipatz

Johann Staudinger vom BUND Cottbus fordert: "Es muss endlich Messungen zu den Schadstoffen geben und die Bevölkerung darüber informiert werden." Beifall aus der Runde. Ärgerlich finden viele, dass kein Vertreter der Stadt oder des Landkreises erschienen ist.

Der Landkreis hatte Donnerstagsvormittag zu einem Pressegespräch geladen und dabei angekündigt, ab sofort wöchentlich Informationen zum Brand herauszugeben. Grundlage dafür soll der enge Informationsaustausch mit den polnischen Behörden sein. Juliusz Dudziak, stellvertretender Gemeindevorsteher aus Brody, war bei der Pressekonferenz dabei und erläuterte, was seit dem Ausbruch des Brandes unternommen wurde. Noch am ersten Tag - als die Feuerwehr den Brand löschte - begann die Umweltschutzbehörde der Woiwodschaft Lebus mit einem Messfahrzeug in den umliegenden Ortschaften eine mögliche Luftverschmutzung zu messen. Auf dem Gelände der Recyclingfirma wurde eine dauerhafte Messstation eingerichtet, die rund um die Uhr die Luftsituation erfasst. Ein Krisenstab veranlasste Untersuchungen der Luft, des Wassers und des Bodens, die bis heute durchgeführt werden. Kontrolliert wurden außerdem das Wasser der Neiße, das Grundwasser und die Brunnen der Bewohner. "Die Behörde für Umweltschutz versichert, dass keine gefährlichen Verunreinigungen vorhanden sind", so Dudziak. Grundlage dieser Einschätzung seien europäische Grenzwerte. Allerdings räumt er auch ein, dass man nicht genau weiß, was alles auf dem Areal gelagert wurde, das der Unternehmer 2008 übernommen hat. Überwiegend handele es sich um Plastik zum Aufbereiten, aber zu etwa zehn Prozent der dort gelagerten Stoffe gebe es keine verbindlichen Angaben.

Der Landkreis Spree-Neiße veranlasste Mittwoch - getrieben von den Befürchtungen Forster Bürger - über den Tag verteilt drei Messfahrten mit dem ABC-Erkunder der Freiwilligen Feuerwehr Forst. "Wir haben dabei keine Verunreinigungen der Luft festgestellt", sagte Wolfhard Kätzmer, Sachgebietsleiter Brand- und Katastrophenschutz beim Landkreis Spree-Neiße. Jedoch roch es zu diesem Zeitpunkt nicht, schränkte er ein. Die Messungen sollen weiter stattfinden - aber nur, wenn Qualm aufsteigt, um die ehrenamtlichen Kräfte zu schonen. Das Umweltschutzamt Lebus wird auch weiterhin Schadstoffmessungen vornehmen - aber nur auf dem Gelände der Firma.

Wie lange das Problem besteht, vermag keiner einzuschätzen. Juliusz Dudziak berichtete, dass der Brandherd gelöscht ist, aber unter der Oberfläche hohe Temperaturen herrschen und sich der Kunststoff wieder entzünden kann. "Der Eigentümer ist angewiesen, das Material zu verteilen und die glühenden Stellen zu behandeln." Außerdem sei der Betreiber angewiesen, alle verbrannten Reste auf eine Deponie zu bringen.

Spree-Neiße-Kreisbrandmeister Wolfhard Kätzmer versicherte, dass dies ein übliches Vorgehen ist. Jürgen Hartz, Sachgebietsleiter der Unteren Wasserbehörde beteuerte, dass es wichtig sei, direkt am Brandort Analysen durchzuführen; dort sei die Schadstoffkonzentration am höchsten und könnten die Substanzen am besten erfasst werden.

"Wir werden alles tun, um die Situation zu beherrschen und dafür sorgen, dass es sich nicht wiederholen kann", sagte Juliusz Dudziak, der sich ausdrücklich bei der deutschen Bevölkerung entschuldigt. Worte, die die Demonstranten nicht hören konnten. Sie verabredeten sich auch für die nächsten Abende. Die Forderung: "Das Feuer muss gelöscht werden!"

Zum Thema:
Der Landkreis Spree-Neiße wird wöchentlich einen Bericht aus der polnischen Gemeinde Brody zum aktuellen Verlauf des Brandes erhalten. Verschlechtert sich die Situation, wird sofort informiert. Nachzulesen ist alles auf der Internetseite des Landkreises www.lkspn.deDie Gemeinde Brody veröffentlicht auf ihrer eigenen Internetseite unter dem Stichpunkt Aktuelles die Messwerte der Schadstoffuntersuchungen - allerdings natürlich in polnischer Sprache. www.bip.brody.pl