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| 14:36 Uhr

Feuerwehr
Engel in Blau ziehen Bilanz

Günther Graßmann aus Bohrau erhält die Treuemedaille für 75 Jahre. Stadtwehrführer Andreas Britze beglückwünschte dem Jubilar. Der gesamte Saal stand für ihn auf.
Günther Graßmann aus Bohrau erhält die Treuemedaille für 75 Jahre. Stadtwehrführer Andreas Britze beglückwünschte dem Jubilar. Der gesamte Saal stand für ihn auf. FOTO: Margit Jahn
Forst. Forster Feuerwehr musste im Vorjahr 231-mal ausrücken. 58 Brände wurden gelöscht.

Die unsichtbaren freiwilligen Helfer, die in jeder Sekunde bereit sind, Mensch und Tier aus Notsituationen zu retten, haben sich am Freitagabend zünftig in ihren schmucken blauen Uniformen zu ihrer alljährlichen Jahreshauptversammlung getroffen. „Deine Stadt – Deine Heimat – Deine Feuerwehr“ lautet das Motto der 230-köpfigen Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Forst. Insgesamt mit Kinder-, Jugend-, Ehren- und Altersabteilung haben sich 510 Menschen diesem für Stadt und Land wichtigen Hobby verschrieben.

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die nach und nach gegründeten Freiwilligen Feuerwehren meist mit aktiven Sportlern besetzt, weil die Bedienung der muskelbetriebenen Spritzen anstrengend war und eine besondere Fitness erforderte. Wenn sich auch die Technik heute grundlegend geändert hat, müssen die Helfer dennoch fit sein. Wettkampfsport ist Ehrensache.

Die Bilanz von 2017 in Forst und den elf Ortsteilen zog Stadtwehrführer Andreas Britze: 231 Gesamteinsätze, davon 58 Brandeinsätze, 51-mal Vollalarm, 2088 Einsatzstunden. Die Hilfeleistungseinsätze haben sich mit 173 im Vergleich zu 2016 fast verdoppelt. Zu Sturmschädeneinsätzen, Türnotöffnungen und Verkehrsunfällen rückten die Kameraden am meisten aus.

Die Sturmeinsätze machen den freiwilligen Helfern aber auch die meisten Sorgen. 2016 waren es nur zehn Einsätze, im vergangenen Jahr schon 68. Physisch und psychisch kamen die Kamerden oft an die Grenzen des Machbaren. Stellt sich die Frage, ob diese Beräumung noch Aufgabe der Feuerwehr ist.

Die Sirene in der Hochstraße ist die einzige, die die Stadt im Katastrophenalarm hat. Auch „darüber sollte man nachdenken“, sagt der Stadtwehrführer. Nachwuchs wird dringend gesucht, beispielsweise auch ein Führer für das Hubbrettfahrzeug, das derzeit nur von vier Kameraden bedient werden kann.

Ines Kling berichtete stolz von den Höhepunkten mit ihren „Feuerwehrwichteln“. Sehr emotional ging es zu, als sie offiziell ihre eigene Tochter Pauline, die bislang ebenfalls in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv war, verabschieden musste. Nach dem Abitur wird diese nach England gehen. Dominik Kern und Leon Müller berichteten von den Aktivitäten der Jugendfeuerwehr. Tim Rietschel bekam die Auszeichnung als „Helfer von Morgen“. Alea Kühn und Luca Plettig wurden in die Jugendfeuerwehr aufgenommen.

Der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Spree-Neiße, Robert Buder, sprach von Kameradschaft, Teamgeist und Toleranz und zollte den Kameraden Dank und Anerkennung, aber auch den Familien für ihr Verständnis. Er forderte auf, „weiter für die Tätigkeit in der Frewilligen Feuerwehr zu werben“.

Bernd Frommelt wurde zum „Ehrenbrandmeister“ ernannt. Weitere Ziele sind eine moderne Infrastruktur sowie moderne Ausbildungen. Kreisbrandmeister Wolfhard Kätzmer sagte eindringlich trotz der in Deutschland ein Jahr bestehenden Rauchmeldepflicht: „Rauchmelder verhindern keinen Brand.“ Auch er lobte die Einsatzbereitschaft, „die angeboren ist“.

Landrat Harald Altekrüger, der selbst seit dem 16. Lebensjahr der Freiwilligen Feuerwehr angehört, freute sich,  „dass so viele junge Leute heute hier sind“. Er würdigte das Ehrenamt und dankte anschließend für den hohen Einsatz und das Engagement der Kameraden.

Diverse Auszeichnungen und Beförderungen folgten. Robert Buder wurde  beispielsweise zum Hauptbrandmeister befördert. Der ganze Saal stand für Günther Graßmann aus Bohrau auf, der als Hauptbrandinspektor für 75 Jahre „Treue Dienste“ geehrt wurde. Gesellig klang der Abend aus.