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| 18:12 Uhr

Staatsanwaltschaft wirft Schulleiter Körperverletzung vor
Forster Eltern wehren sich gegen Schläge im Unterricht

Angst vom dem Unterricht – wenn Lehrer im Klassenzimmer gegenüber Schülern die Kontrolle verlieren und Gewalt anwenden, kann das für  Heranwachsende sehr schwerwiegende Folgen haben.
Angst vom dem Unterricht – wenn Lehrer im Klassenzimmer gegenüber Schülern die Kontrolle verlieren und Gewalt anwenden, kann das für  Heranwachsende sehr schwerwiegende Folgen haben. FOTO: dpa / Bodo Schackow
Cottbus. Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Cottbus wirft Schulleiter in Forst Körperverletzung an Kindern vor. Der Betroffene widerspricht und stellt Selbstanzeige. Von Christian Taubert

Schläge auf den Hinterkopf scheinen zum gängigen Umgang eines Schulleiters in  Forst (Spree-Neiße) mit seinen Schülern gehört zu haben. Aber auch ein Tritt ins Gesäß, das Ziehen am Ohr und eine heftige Backpfeife sollen zu den „Erziehungsmethoden“ des  Leiters einer Grundschule gehören. Die Kinder klagten infolge dessen über Kopfschmerzen, Rötungen der Wange, ein Hämatom am Auge. Dagegen haben sich Eltern der betroffenen Schüler zur Wehr gesetzt und Anzeige erstattet.

Die Staatsanwaltschaft Cottbus legt dem beschuldigten Daniel B. bisher 20 derartige Übergriffe zur Last, die sich in den Jahren 2015 bis 2017 zugetragen haben sollen. Die Anklageschrift mit dem Vorwurf, während des Unterrichts Körperverletzung an Kindern begangen zu haben, liegt seit Mitte Mai 2018 beim Amtsgericht Cottbus vor.

Der Schulleiter widerspricht den Darstellungen. Seine Verteidigung wollte sich auf Nachfrage zum gegenwärtigen Zeitpunkt des Verfahrens nichts äußern. Wie das Potsdamer Bildungsministerium auf RUNDSCHAU-Anfrage erklärt, erhoben zunächst einige Eltern Anzeige gegen den Schulleiter. Daraufhin erstattete der Angeschuldigte 2017 Selbstanzeige zur Aufklärung der nach seinen Angaben „haltlosen und unwahren Vorwürfe“ sowie außerdem Anzeige wegen Verleumdung. Einige Eltern, so Ministeriumssprecher Ralph Kotsch, nahmen infolgedessen ihre Kinder von der Schule.

Elternbeschwerden und gravierende Vorwürfe gegen den Schulleiter waren dem Bildungsministerium im Jahr 2017 bekannt geworden. Unter Einbeziehung der Schulaufsicht wurden Prüfungen eingeleitet. Nach Einschätzung des Ministeriums habe sich der Sachverhalt „sehr komplex und widersprüchlich“ dargestellt. Es hätten sich widersprechende Aussagen gegenübergestanden.

Wie es in der Antwort des Ministeriums weiter heißt, sei durch das zuständige Schulamt festgestellt worden, dass mit der Thematik in der Schule konstruktiv umgegangen wurde. Es habe sowohl Gespräche mit den Schulelternsprechern als auch eine Gesamtelternversammlung zur Auseinandersetzung mit den Vorwürfen gegeben.

Eltern-Lehrer-Befragungen zum Schulklima hätten insgesamt eine gute Gesamtstimmung widergespiegelt. Im Hinblick auf die Gewaltvorwürfe wurde angegeben, aufmerksam und ausreichend sensibilisiert zu sein. Vor dem Hintergrund der unklaren Sachlage und des als konstruktiv bewerteten Umgangs an der Schule mit den Vorwürfen wurde eingeschätzt, dass das Wohl der Schülerinnen und Schüler dieser Forster Grundschule nicht gefährdet sei.

Der Direktor des Amtsgerichtes Cottbus Michael Höhr, Sprecher des Gerichtes, bestätigt gegenüber der RUNDSCHAU die Anklage gegen einen Schulleiter aus Südbrandenburg wegen Körperverletzung in 20 Fällen. Die Handlungen sollen zulasten von sieben  Schülern begangen worden sein. Der Sachverhalt der Anklageschrift, die dem Ministerium zur Kenntnis übermittelt wurde und „mit der die Staatsanwaltschaft offensichtlich einen hinreichenden Tatverdacht bejaht“, hat das Ministerium nun zum Anlass genommen, weitere vertiefte Prüfungen einzuleiten.

Das entsprechende Verfahren, so Ministeriumssprecher Kotsch, sei noch nicht abgeschlossen, „so dass Aussagen zu konkreten Konsequenzen für den Schulbetrieb nicht benannt werden können“. Bisher konnte jedoch festgestellt werden, dass auch mit diesen neuen Prüfungen an der Schule offen umgegangen werde und die Einbeziehung der schulischen Gremien vorgesehen sei.

Während die Eltern mit Ungeduld auf die Eröffnung der Hauptverhandlung in der angezeigten Jugendstrafsache warten, erläutert Amtsgerichtsdirektor Michael Höhr, dass die Anklage zunächst Mitte Juni an den Angeklagten gegangen sei. Infolgedessen hätten sich nacheinander zwei  Wahlverteidiger für den Angeschuldigten gemeldet, denen die Anklageschrift zugestellt und  Akteneinsicht gewährt worden seien.

Aufgrund der hohen Belastung innerhalb der Strafabteilungen und der Urlaubszeit habe sich dies bis etwa Mitte August 2018 hingezogen. Der Gerichtsdirektor fügt hinzu, dass sich inzwischen nacheinander drei  Nebenklägervertreter mit Zulassungsanträgen und Akteneinsichtsgesuchen bei Gericht gemeldet hatten. Diese würden derzeit „abgearbeitet“. Der Gerichtssprecher erklärt, dass die betreffende Abteilung bereits seit einiger Zeit für das laufende Kalenderjahr „austerminiert“ sei (alle verfügbaren Hauptverhandlungstermine sind bereits vergeben).

Zudem dürfte es nach seiner Einschätzung mit einigen Schwierigkeiten verbunden sein, einen Termin beziehungsweise mehrere Termine mit mindestens fünf RechtsanwältInnen, dem Jugendamt und den zahlreichen ZeugInnen abzustimmen. Deshalb gehe er davon aus, dass eine Hauptverhandlung frühestens im 1. Quartal 2019 stattfinden wird.