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| 15:48 Uhr

Ankündigung
Forster Eisläuferin als Choreografin

Die Forster Choreografin Yvonne Schulz in der Eishalle des Berliner TSC e.V..
Die Forster Choreografin Yvonne Schulz in der Eishalle des Berliner TSC e.V.. FOTO: Angela Hanschke
Forst. Yvonne Schulz ist bei der Aufführung des Films „Die Anfängerin“ im Forster Hof dabei. Von Angela Hanschke

Wir leben immer länger. Doch auch immer länger, ohne uns den „Luxus“ des Träumens zu gönnen? Für viele Sportbegeisterte ist das Eiskunstlaufen geradezu traumhaft – die schönste aller Sportarten. Eine Symbiose aus Glamour und hartem Knochenjob in eiskalten Trainingshallen, zwischen Kunst und Athletik. Zum Träumen verführt auch das scheinbar schwerelose Gleiten übers Eis, verbunden mit getanzten Emotionen.

Dieser Faszination ist auch die Filmemacherin Alexandra Sell erlegen. Sechs Jahre lang hat sie um ihr Filmprojekt über die Welt des Eiskunstlaufens gekämpft. Der aufsehenerregende, stiftungsgeförderte Film „Die Anfängerin“, für den sie Regie führte und das Drehbuch schrieb, ist am 18. Januar in den Kinos gestartet.

Der CKS Vital GmbH, die den Forster Hof betreibt, ist gemeinsam mit dem Veranstaltungshaus „Forster Hof“ und dem Freundeskreis des Hauses gelungen, eine Sonderaufführung in Forst am 24. März zu buchen. Ein echter Coup – denn nach der Aufführung kann das Gespräch mit der Eiskunstlaufweltmeisterin des Jahres 1974 Christine Stüber-Errath, der Regisseurin, der Choreografin und mit Schauspiellegende Annekathrin Bürger gesucht werden.

Letztere schlüpfte im Film in die Rolle der gefühlskalten Irene Hanschke. Eine sehr problematische Mutter-Tochterbeziehung herrscht zwischen ihr und ihrer Filmtochter Annebärbel Buschhaus, dargestellt von Ulrike Krumbiegel. Eine unsichere, vom Leben enttäuschte Frau, die sich sehr spät, als beinahe 60-Jährige, von dieser herrischen Übermutter löst. Erst als sie von ihrem Ehemann verlassen wird, besinnt sie sich auf ihren Mädchentraum, einmal Eisprinzessin zu sein.

Forst liegt fernab aller Eislaufhochburgen. Dennoch gehört zum Filmteam auch eine echte Einwohnerin der Neißestadt. Die gebürtige Forsterin Yvonne Schulz wuchs im damaligen Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) auf, trainierte dort bei Annerose Beier und gewann gemeinsam mit Sven Authorsen im Jahre 1994 den Deutschen Vizemeistertitel beim Eistanzen.

Für „Die Anfängerin“ schrieb sie die Choreografie und trainierte mit Ulrike Krumbiegel. „Dem Film ging eine unglaublich umfangreiche Recherche der Regisseurin in Eislaufhallen voraus“, sagte sie. „Bereits während des Castings war mir klar“, so Yvonne Schulz, „dass es mit Ulrike Krumbiegel eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit geben würde. Sie ist ein Naturtalent und lief in ihrer Kindheit, so wie viele Gleichaltrige in der DDR, auf Kufen über Pfützen“. Die Technik der Abstöße, der Vorwärtsübersetzung und den Dreier – all dies brachte sie daher bereits mit.

Fast täglich arbeiteten beide ab dem 2. Januar 2016 gemeinsam auf dem Eis des Berliner Sportforums an der 1,2 Minuten langen Kür und am filmreifen Sturz. Bis zu den Dreharbeiten während des Osterfestes. In dieser Zeitspanne lernte die 52-jährige Hauptdarstellerin bei ihr nicht nur den „Flieger“ und den Ausfall­schritt – den „Fechter“, sondern auch das Pirouettendrehen.

Gab es Trainings-Probleme mit diesem späten „Neuling“? Ein klares „Nein!“ „Hätte mehr Zeit zur Verfügung gestanden, hätte Ulrike Krumbiegel sicher auch die Pirouette auf einem Fuß und den Dreiersprung gelernt“, lautete das Urteil der Choreografin, für die das Choreografieren „ein schöner Ausgleich zum Alltagsleben“ ist.

Dennoch sagt sie: „Es ist kein reiner Eislauffilm. Viele werden sich mit der Rolle der Annebärbel identifizieren können“. Nur vier Tage, an denen teilweise bis Mitternacht gearbeitet wurde, standen für den Dreh während des Osterfestes 2016 zur Verfügung. Mehr als 120 Statisten – Kinder und Eislauffans – säumten die Bande.

Ein besonderes Erlebnis war für sie auch die Kür von Christine Stüber-Errath. Die spielte im Film sich selbst und stellte sich nach 20-jähriger Pause auf die Kufen, um einmal wöchentlich mit der einstigen Weltklasse-Paarläuferin Heidemarie Walther-Steiner zu trainieren. Schnell habe sich wieder das Gefühl eingestellt, „dass das Gleiten übers Eis etwas mit Schweben zu tun hat“, sagte sie kürzlich im Forster Pavillon Genuss & Kunst als Gast bei Lutz Hoff. „Es ist nie zu spät für einen Neuanfang!“, betonte die ehemalige Spitzensportlerin.