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Motorradfahrer-Tradition
Gas geben mit Gottes Segen

Zum Bikergottesdienst in der St. Nikolaikirche in Forst kamen auch in diesem Jahr zahlreiche Motorradfahrer aus der gesamten Region. Alle wollten sich den Segen Gottes sichern und ihre Kontakte pflegen.
Zum Bikergottesdienst in der St. Nikolaikirche in Forst kamen auch in diesem Jahr zahlreiche Motorradfahrer aus der gesamten Region. Alle wollten sich den Segen Gottes sichern und ihre Kontakte pflegen. FOTO: Margit Jahn
Forst . Forster Biker versammelten sich zum traditionellem Anlassgottesdienst in der St. Nikolaikirche.

Wenn es in Forst knattert und pufft, ist es wieder so weit. Man sah sie nicht, konnte sie aber schon den ganzen Morgen hören, die Biker. Ostermontag lud Pfarrer Christoph Lange zum traditionellen Anlassgottesdienst in die Forster St. Nikolaikirche ein. War bis gestern noch Winter mit eiskalten Winden, hatte Petrus am Montag ein Einsehen und schickte die Sonne herbei. „Auskoppeln“ war das diesige Thema. Ab 13 Uhr füllte sich der Platz um die Kirche. Man genoss die Sonnenstrahlen, hatte Zeit eingeplant, um mit anderen Weggefährten vorab ein Pläuschchen machen zu können. Manchmal treffen sich die Biker nur in Forst wieder. 

Steffen Noack und Sohn Patrick aus Cottbus sind  zum achten Mal dabei. Die beiden wollen einen gemütlichen Nachmittag erleben und Sohn Patrick sagt mit einem Lächeln: „Wir sind wegen der leckerem Kuchen und Schmalzstullen hier.“ Welch Lob an die fleißigen Helfer im Hintergrund. Mutter Simone genießt derweil den Männerfreien Tag in Cottbus. Bikerfahrer sind ja auch ein etwas eigenwilliges Völkchen. Mit ihrem richtigen Namen haben sie es nicht so gern, da muss der Spitzname herhalten. „Henne“ aus Cottbus ist das erste Mal dabei. Sein Freund „Wolle“ hingegen ist schon alter Hase. „Ich war schon bei den Bikergottesdiensten in Eisenhüttenstadt dabei, mit denen Pfarrer Lange damals dort begann“, erzählt er. Die beiden sind „wegen der Veranstaltung dabei, man trifft mal wieder alte Bekannte“. Der jungfräuliche „Henne“ will sich vom Geschehen überraschen lassen. Klein Jamno ist ein bikerfreundliches Örtchen. Bis auf elf Motorradfahrer zählt „Heimi“ auf. Er selbst ist  das zehnte Mal in Forst dabei. Er freut sich besonders, das alle Freunde, die extra aus Cottbus, Jänschwalde und Maust kommen, anschließend zu ihm zum Kaffee fahren werden.

Nicht nur um die Kirche kann man sie an ihren dicken Leder Outfits erkennen, auch das nahegelegene Kaffee „Fumfahr“ ist seit langem beliebter Treffpunkt. Und weil die Sonne scheint, sitzen die hartgesottenen mit dicken Decken eingehüllt vor dem Kaffee und genießen einen kleinen warmen Imbiss.

Roland Scheffer aus Klein Loitz sowie Ralf Bork aus Groß Düben freuen sich auf die Saisoneröffnung. Sie haben ein Saisonkennzeichen und seit 1. April dürfen sie die kleine große Freiheit auf ihren kultigen Maschinen wieder genießen. „Mit Gottes Segen fährt es sich besser“, sagt Ralf Bork bevor sie zum Gottesdienst in die Kirche gehen.

„Gestern rutschte mir fast das Herz in die Hose, bei dem eiskalten Wetter“, begrüßte Pfarrer die Bikergemeinde. Heike Korittke überbrachte Grußworte der Stadt und Superintendentin Ulrike Menzel sagte, „mich begeistern die leuchtenden Augen, wenn die Leute vom Motorradfahren erzählen“. Sie freute sich darüber, „dass Ihnen die Gemeinschaft so wichtig ist“ und sie heute alle versammelt sind.

Während in der Kirche das Lied „Fahr unter der Gnade, fahr mit Gottes Segen“ angestimmt wurde, gibt es auch traurige Momente in einem Bikerleben. Ein Novum und einzigartig in Ostdeutschland ist seit zwei Jahren die Möglichkeit, einer würdevollen Motorradbestattung der Firma „Bartsch und Pfeiffer“ aus Groß Kölzig . Direkt neben dem Eingang war das Motorrad mit eigens gebautem Beiwagen ausgestellt. Hier wird der Sarg oder die Urne unter Kunststoffglas des Beiwagens überführt. Dion Pfeiffer, selbst aktiver Bikerfahrer hat diese Idee zu dem inzwischen gut angefragten Angebot gehabt. Die Ausstellung vor der Kirche mutet schon ein wenig makaber an, aber Dion Pfeiffer möchte auch etwas „mahnend“ in den Gottesdienst integrieren. Dieses Gefährt solle ein wenig im Kopf der Biker bleiben, wenn mal wieder der Adrenalinstoß zu groß wird oder die Umstände einfach widrig sind.

Saskia Stahn, seit einem Jahr als Trauerrednerin unterwegs, wird dies Gefährt in Zukunft bedienen. Selbst aktiv als Bikerin sagt sie: „Ich muss mit dem Motorrad noch etwas üben, ist ja etwas anderes als mit dem normalen Motorrad.“ Verbleibt zu hoffen, dass sie diesem Job nicht zu häufig nicht zu häufig nachgehen muss. 

„Möge die Straße uns zusammenführen und der Wind in deinem Rücken sein“ klang es erneut aus allen Kehlen der versammelten Gesellschaft in der Kirche. Unter dem Schutz des Polizeikorsos setzten sich die knatternden Zweiräder dann an vielen winkenden Zuschauern an den Straßenrändern zum Ausflug in Bewegung.

(Margit Jahn)