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Forster bewahrt Fahrradgeschichte

Peter Schulz mit historischen Rädern in seiner ehemaligen Werkstatt.
Peter Schulz mit historischen Rädern in seiner ehemaligen Werkstatt. FOTO: slu
Forst. In diesem Frühjahr feiert das Fahrrad seinen 200. Geburtstag. "Es war im Jahr 1817, als Karl Friedrich Freiherr von Drais seine erste Runde auf einer selbst entworfenen Laufmaschine in Mannheim drehte", berichtet der Forster Peter Schulz. Steffi Ludwig

Der 73-Jährige, der bis 2008 die älteste Forster Fahrradwerkstatt mit Geschäft leitete, hat in seinem Haus noch viele historische Zeitungen aufbewahrt. Schon sein Großvater Paul Schulz, der die Fahrradwerkstatt 1907 gegründet hatte, und sein Vater Georg, der die Werkstatt dann übernommen hatte, hatten alte Zeitungen gesammelt.

Und so lagern in seinem Haus - schon leicht vergilbt, aber dennoch gut lesbar - viele Ausgaben der Bundeszeitung, der amtlichen Zeitschrift des Bundes Deutscher Radfahrer. In einer Ausgabe vom 9. Dezember 1926 ist ein großer Artikel über den 75. Todestag des "Vaters des Fahrrads" Karl Friedrich Freiherr von Drais vermerkt. "Mit der Draisine, dem hölzernen Laufrad, erzielte er eine Geschwindigkeit von 15 Kilometern pro Stunde", so Peter Schulz. "Am 31. Januar 1818 meldete von Drais seine Erfindung als Patent an. Es war eine Revolution in der Fortbewegung." Die Laufmaschine sei ein pfiffiges Individualverkehrsmittel gewesen: ein hölzernes Leichtgewicht von 22 Kilogramm aus Stellmacherhand. Sie hatte Messingbuchsen in den Radnaben zur Reibungsminderung und bereits eine Handbremse. Die Fuhrwerke hätten damals meist noch von den Pferden gebremst werden müssen.

Karl Friedrich Drais' Geburtstag jährte sich am 29. April zum 225. Mal. Seine erste längere Fahrradtour hat er am 12. Juni 1817 absolviert - auf dem Vorläufer des heutigen Fahrrades.

In einer der historischen Radzeitungen von 1930 ist auf einer Seite über die Jugendpflege im Bund Deutscher Radfahrer auch Cottbus erwähnt: Für den 10. August 1930 ist dort ein "gauoffenes Jugend-Zeitfahren" angekündigt. Als Start der 30 Kilometer langen Tour ist die Muskauer Chaussee in Cottbus vermerkt. Ausführliche Beschreibungen der Tour seien bei Karl Tschichholz, Kaltenborner Straße 129 in Guben, erhältlich, steht in der Ausschreibung.

"Das sind schon tolle Erinnerungen an alte Zeiten", freut sich Peter Schulz über die Zeitungs-Raritäten. Er habe sich schon immer dafür interessiert - fuhr er doch früher selber begeistert Rad, auch Rennen auf regionaler Ebene.

Als junger Mann hatte er das Radgeschäft vom Vater übernommen. Antike Fahrräder - ein Hochrad von vor 1900 und ein altes Minirädchen hatte er im vergangenen Jahr ausgestellt, als die geführte Spree-Neiße-Radtour des Monats auch an seinem Geschäft Halt machte.

Seit 23 Jahren repariert und wartet Peter Schulz zudem die Steher-Maschinen des Polizeisportvereins (PSV) 1893 Forst. Mindestens einmal pro Woche ist er dafür im Rad- und Reitstadion, damit die Maschinen fit sind für das erste Rennen zum Großen Pfingstpreis der Steher am 4. Juni. Bereits am 3. Juni findet der 7. Forster Derny-Cup statt.

Weitere Termine des PSV im Forster Rad- und Reitstadion in diesem Jahr sind das Europa-Kriterium der Steher am 16. Juli und das Sattelfest - die Kombination von Reit- und Springturnier und Großem Herbstpreis der Steher - vom 15. bis 17. September. Am 8. Oktober wird abgeradelt.