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| 16:39 Uhr

Ausklang des Telemann-Sommers in Zary
Bieberstein-Wappen in Zary entdeckt

Johann von Bieberstein, in dessen Rolle wieder Aimo Bartel geschlüpft war, nahm mit seinem Gefolge auch auf der Telemannbank Platz.
Johann von Bieberstein, in dessen Rolle wieder Aimo Bartel geschlüpft war, nahm mit seinem Gefolge auch auf der Telemannbank Platz. FOTO: Angela Hanschke
Zary/Forst. Forster Delegation mischt sich beim Telemann-Sommer unter die „blaublütige“ Prominenz. Von Angela Hanschke

Seit 2014 wird in Forst jährlich das opulente Johannesgaudium rund um die Standesherren derer von Bieberstein ausgerichtet. Auch der einstige Kreissitz Sorau (Zary) besinnt sich auf sein historisches Erbe und feiert Georg Philipp Telemann, der dort zwischen 1704 und 1709 als Kapellmeister am Hof Erdmann II. von Promnitz wirkte. Bereits im vergangenen Jahr wurde dort zu Ehren seines 250. Todestages ein ganzer „Sommer mit Telemann“ ausgerichtet. In der 2018er-Auflage war ihm der gesamte Juli gewidmet.

Hochkarätige Musiker und musikalischer Nachwuchs brachten bei den sonntäglichen Konzerten die Stadt zum Klingen. Höfische Kleidung und Tanz standen insbesondere bei der Abschlussveranstaltung im Fokus. Mit dabei war auf Einladung der Stadt Zary das Forster Kulturprojekt „Monumentum Historica – Geschichte in der Niederlausitz“ mit Aimo Bartel als ersten Forster Statthalter Johann von Bieberstein an der Spitze. Begleitet wurde et unter anderen von seinen Eltern Hedwig und Friedrich von Bieberstein, dargestellt von Christina und Uwe Andersson, seinem Filius Wenzel, in dessen Rolle Roland Flemming aus Jämlitz schlüpfte, und weiteren 40 Mitreisenden.

Der polnische König und Bauherr Erdmann von Promnitz im vertraulichen Gespräch.
Der polnische König und Bauherr Erdmann von Promnitz im vertraulichen Gespräch. FOTO: Angela Hanschke

Bei ihrem Rundgang durch das Stadtzentrum schlug den historisch gewandeten „Blaublütern“ große Aufmerksamkeit entgegen. Unzählige Male wurden sie mit Fotowünschen bestürmt, ließen sich auf der Telemannbank mit der Bronzeskulptur des Meisters nieder, besuchten das Stadtmuseum, posierten vor dem Rathaus mit dem Familienwappen sowie vor dem ehemaligen alten Postamt mit dem schmiedeeisernen Relief der vierspännigen Postkutsche, die einst täglich zwischen Dresden und Warschau verkehrte. Einen Tag lang wurde Zary wieder zur barocken Residenzstadt. Prächtig gewandete Höflinge, Adlige mit gepuderten Perücken – verkörpert von Geschichtsfreunden aus Zary, Poznan (Posen) und Warschau – kreuzten den Weg. Ehrensache, dass auch der polnische Wirtschaftsdezernent Ireneusz Brzezinski, der die Forster offiziell im Hof des Promnitzschlosses begrüßte, standesgemäß in die Rolle des Sigismund von Promnitz schlüpfte.

Am späten Nachmittag hatte die Spannung den Höhepunkt erreicht. Immer wieder vom Herold und mit Fanfarenstößen angekündigt, rollte die mit Schimmeln bespannte Kalesche vor. Darin saßen der sächsische Kurfürst Friedrich August I., genannt August der Starke, der ab 1697 als August II. die polnische Königskrone trug, dessen Familie und Gastgeber Erdmann von Promnitz. Entlang ging es an vielen Hundert Zuschauern – darunter Krönchen tragende Kindern, die seinen Weg fähnchenschwenkend und mit Vivat-Rufen bis zur Bühne begleiteten. Eine Zeitreise, die lebhaft an den Glanz vor 300 Jahren erinnerte, als der Monarch am 1. Juni des Jahres 1718 auf der Reise nach Warschau hier einen dreistündigen Halt einlegte, um das damals im Bau befindliche Palais zu besichtigen.

Dieses Fest soll in Zary eine feste Tradition werden, so Ireneusz Brzezinski, der den deutschen Besuchern noch einen kurzen Rundgang durch das Promnitzschloss ermöglichte. Zum Entzücken der Biebersteiner, die am Durchgang zum Biebersteinschloss ihr Wappen entdeckten. „Im kommenden Juli“, kündigte der polnische Wirtschaftsdezernent an, wird August II. erneut in Zary vorfahren. Dann im Gep'ck mit einer Truhe, gut gefüllt mit Reichstalern, um den Schlossbau des „lieben Promnitz“ zu unterstützen“.