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| 02:34 Uhr

Forster Bahn verzeiht keine Fehler

Der beste deutsche Steherfahrer Stefan Schäfer (M.) wird am Sonntag mit der deutschen Nationalmannschaft auf der Forster Radrennbahn fahren. Frank Schneider (l.) und Marcel Möbus vom PSV Forst organisieren das Länderrennen.
Der beste deutsche Steherfahrer Stefan Schäfer (M.) wird am Sonntag mit der deutschen Nationalmannschaft auf der Forster Radrennbahn fahren. Frank Schneider (l.) und Marcel Möbus vom PSV Forst organisieren das Länderrennen. FOTO: kkz
Forst. Die Radrennbahn in Forst kennt Stefan Schäfer ganz genau. Hier begann der vierfache deutsche Meister und aktuell bester deutscher Steherfahrer mit zehn Jahren beim Polizeisportverein (PSV) Forst mit dem Radsport. Katrin Kunipatz

An diesem Sonntag beim Europa-Kriterium wird er auf dem Betonoval in der Rosenstadt sein zehntes Steher-Rennen bestreiten. Bei Geschwindigkeiten von über 80 Kilometern pro Stunde ist höchste Konzentration nötig. "Die Bahn fährt sich schwer, sie verzeiht keine Fehler", erklärt Stefan Schäfer. "Die Kurven sind nicht so steil, und man erhält vor der Geraden weniger Schwung beim Bergabfahren."

Und doch freut sich der Lokalmatador auf das Rennen in Forst. "Der Zustrom und die Begeisterung der Zuschauer sind hier besonders groß", so der 31-Jährige. Ein Steherrennen auf der Heimatstrecke motiviert und verpflichtet zugleich. "Das Stadion verlangt den Sieg, und ich bin bereit, den nächsten Gegner noch zu überholen."

Deshalb trainiert Stefan Schäfer auch in dieser Woche wieder intensiv. In den Sommermonaten vergeht zudem kaum ein Wochenende ohne Radrennen. Gerade war der gebürtige Forster bei den deutschen Meisterschaften in Nürnberg, am Sonntag fährt er in Forst, danach folgen Rennen in London und Erfurt. Nebenbei schreibt er die Abschlussarbeit für die Polizeischule. Anfang August muss er sie abgeben und danach verteidigen. Ende September soll das Studium beendet sein. Stefan Schäfer wäre dann Polizeikommissar.

Statt drei Jahre hat er in der Sportfördergruppe der Polizei fünf Jahre Zeit für das Studium. Zusätzlich kann er für sportliche Wettkämpfe Freistellungen beantragen. Bei drei Tagen Unterricht pro Woche und gestreckten Praktika gab es trotzdem viele Tage, an denen er um fünf mit dem Zug nach Potsdam fuhr und abends gegen acht mit dem Rad zurückkam - die tägliche Trainingseinheit bereits in den Beinen.

"Gelungen ist dies durch viele Kompromisse", sagt Freundin Jana Jäckel. Über Termine werde spontan entschieden. Weiterhin versucht sie, mit der gemeinsamen jetzt zweieinhalbjährigen Tochter bei vielen Rennen dabei zu sein. In Forst ist es einfach. In anderen Fällen mit viel Anstrengung verbunden. Stefan Schäfer berichtet von einer achttägigen Tour zu vier Rennen, auf der sie 2000 Kilometer zurückgelegt haben. Aber für die Mühen bekomme man viel zurück. Als Radsportler auf Bahn oder Straße sei er schon in fast 40 Ländern gewesen. Und damit der Radsport nicht langweilig wird, hat der Cottbuser eine neue Herausforderung angenommen. In seiner zweiten Saison nimmt er jetzt an Fixie-Rennen in der ganzen Welt teil. Mit einem Bahnrad ohne Bremse geht es dabei auf einen Straßenkurs.

Die Anstrengung im Sport kompensiert der Rennradfahrer im täglichen Leben. "Ich lebe gern stressfrei und lasse deshalb den Alltag langsam angehen", gesteht Stefan Schäfer, der Mitglied des Cottbuser Rennklubs Endspurt 1909 ist. Mit Blick zu seiner Freundin ergänzt er schmunzelnd: "Du würdest sagen, ich könnte noch produktiver sein." Aber 100 Prozent seien eben nicht immer und überall möglich.

Zum Thema:
Am Sonntag, 16. Juli, ab 14 Uhr treten auf der Radrennbahn in Forst Nationalmannschaften der Steher aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz gegeneinander an. Beim Steher-Sichtungsrennen über 40 Kilometer wählt Bundestrainer Mario Vonhof unter der deutschen Steherelite Teilnehmer für die Europameisterschaft in Berlin aus. Im Rahmenprogramm hat der PSV Forst ein Kinderprogramm mit Ulf, dem Spielmann, organisiert. Am Ende des Renntages können die Kinder mit ihrem Rad einige Runden auf der Rennbahn drehen.