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Forst
Forst will „Fahrradwache“ wieder aktivieren.

Udo Fritzmann von F&K Bauelemente zeigt anschaulich,..wie Einbrecher binnen weniger Sekunden ein Fenster öffnen können.
Udo Fritzmann von F&K Bauelemente zeigt anschaulich,..wie Einbrecher binnen weniger Sekunden ein Fenster öffnen können. FOTO: Margit Jahn
Forst. Ein jeder Autofahrer der sein Auto mal teuer bezahlt hat, verschließt es ordnungsgemäß, wenn er es abends parkt. Wie aber seht es um die Sicherheit in den eigenen vier  Wänden? Von Margit Jahn

Ein jeder Autofahrer der sein Auto mal teuer bezahlt hat, verschließt es ordnungsgemäß, wenn er es abends parkt. Wie aber seht es um die Sicherheit in den eigenen vier  Wänden? Ein wichtiges Thema nicht nur für Forst, wie die Experten der Prävention der Polizei wissen. „Sicherheit und Eigentum betrifft uns alle“, so der stellvertretende Bürgermeister Jens Handreck. Am Samstagvormittag initiierte der Präventionsrat der Stadt mit der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße und weiteren Partnern einen aufklärenden Vormittag im „Forster Hof“.

Anwesend mit einem Stand und diversem Informationsmaterial war die Polizeiinspektion selbst, die Bundespolizei, die Bauelemente- und Fensterfirma Udo Fritzmann, die Forster Stadtbibliothek und die Suchtberatung Forst. Besucher konnten ihre Fahrräder codieren lassen. Vertreter der Gartensparten waren vor Ort und die Sucht- und Drogenkoordinatorin Fanny Blatt.

Sehr anschaulich demonstrierte die Bundespolizei auf der großen Bühne die raffinierten Tricks der Taschendiebe. Die Zuschauer bekamen Hinweise, wie sie sich am Geldautomaten verhalten oder wie sie ihre Tasche optimal tragen. Beliebte Masche der Diebe sei, Passanten nach dem Weg zu fragen. Auch der „Antanz-Trick“, bei dem die Leute körperlich berührt und somit irritiert werden, funktioniere leider immer wieder gut.

Kati Prajs, die Präventionsbeauftragte der Polizeiinspektion, erklärte die Aktion „STOP Nacht“. Sie sei im Jahr 2012 von polnischen Kollegen gekommen und ist ein Angebot an Fahrzeughalter, die ihr Fahrzeug überwiegend am Tag benutzen. Sie können den zertifizierten Aufkleber in Form einer Vignette an die rechte unteren Ecke der Heckscheibe anbringen. Der Polizei signalisiert sie bei entsprechender Leuchtkraft im Dunkeln eine zeitliche Fahrgewohnheit. Nach 22 Uhr sei dann vorbeugend mit entsprechenden Kontrollen zu rechnen. Sitzt dann ein Dieb hinter Steuer, kann die Polizei sofort handeln. Im Schwerpunktgebiet Frankfurt/Oder und Cottbus war diese Aktion auf deutscher Seite gestartet – Forst hat sie nun übernommen.

Eindrucksvoll demonstrierte Udo Fritzmann von der Firma F & K Bauelemente seine Sicherheitsglasfenster mit und ohne Pilzkopfverriegelung. „Der Beschlag ist wichtig“, erklärte er. Aushebelung ist die bevorzugte und schnellste Variante bei Einbrüchen. Es dauert, laut Polizeistatistik und Vorführung nur wenige Sekunden, mit einem einfachen Schraubenzieher ein ungesichertes Fenster zu öffnen. „Wenn Sie ein Fenster anklappen, können Sie es ebenso breit offenstehen lassen“, erklärt Fritzmann. Er verblüffte seine Zuschauer. „Sie werden sich in Zukunft überlegen, ob Sie das Fenster angeklappt lassen, wenn Sie nur mal schnell einkaufen gehen wollen“, versprach er.

Kati Prajs: „Ich bin begeistert von der Stadt Forst, wie sie sich zu diesem Thema eingebracht hat.“ Die Stadt finanziert die Sachausgaben für die Aktion, die Polizei setzt die Inhalte personell und inhaltlich um. Auch ihr 90-minütiger Film-Vortrag wird von den Forstern gut angenommen. Als besonderes Angebot gibt es vom Netzwerk „Zuhause sicher“ einen besonderen Einbruchschutz und Brandschutz. In drei Schritten gelangen INteressierte zu einer Präventionsplakette, die von Versicherungen mit einem Bonus belohnt werden. Nach einer polizeilichen Beratung vor Ort geht es an die handwerkliche Umsetzung. Rauchmelder werden installiert, das Notfalltelefon steht am Bett und gut sichtbar ist die Hausnummer und daneben die Plakette angebracht.

Schwierig haben es die Gartenbesitzer. „Lauben sind schwer zu sichern“, weiß Kati Prajs. Ab dem Herbst seien die Gärten unbewohnt, es mangele oft an ausreichendem Licht. Viele Investitionen für einen optimalen Schutz wären nötig. Hier bewähre sich Nachbarschaftshilfe.

Bücher wie „Vor Einbruch schützen“, „Wehr dich“ oder „Stop. Mit mir nicht“ hatten die Mitarbeiter der Stadtbiblitothek mitgebracht – sie können ausgeliehen werden. Und gute Nachrichten hatte auch Vize-Bürgermeister Handreck noch: Eventuell im nächsten Jahr werde  die „Fahrradwache“ wieder aktiviert. Hier soll eine Präsenz der Streife zu Fuß und Rad für zusätzliche Sicherheit auf den Straßen in Forst sorgen. Weil das Thema Kriminalität und Diebstahl im Zusammenhang mit der Beschaffungskriminalität und Drogensucht steht, hat die Stadt Forst es als sehr wichtig angesehen, eine Drogen-und Suchtpräventionsstelle einzurichten. Sie läuft unter der Leitung von Fanny Blatt seit dem 1. Juli 2017.

Wiederholt wird eine solche Veranstaltung noch einmal am 20. November um 10 Uhr im Stadthaus Cottbus, Erich Kästner Platz 1 – für alle, die sie in Forst verpasst haben.