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| 12:34 Uhr

Trockenheit und die Folgen
Forst wartet auf Regen: ein paar Tropfen reichen nicht

 Die anhaltende Trockenheit macht in Forst auch den Landwirten ganz schön zu schaffen.
Die anhaltende Trockenheit macht in Forst auch den Landwirten ganz schön zu schaffen. FOTO: Sven Hering
Forst. Die anhaltende Trockenheit macht vor allem Land- und Teichwirten mächtig zu schaffen. Die kurzen Gewitter am Mittwochabend haben die Situation nicht wirklich entspannt. Landwirt Bernd Starick hat in dieser Woche eine interessante Entdeckung gemacht. Von Sven Hering

„Ich muss sehen, dass ich irgendwie über die Runden komme.“ Christoph Junghanns, Teichwirt in Eulo, beklagt ein Deja-Vu. Bereits vor einem Jahr machte ihm das Wetter mächtig zu schaffen. Rund 170 000 Euro Schaden hat ihm dort die anhaltende Trockenheit beschert. „Das wirft unseren Familienbetrieb um drei Jahre zurück“, sagte er. Ausgetrocknet lagen viele Teiche da – nur 15 bis 20 Prozent des normalen Wasserstandes waren geblieben.

Ähnlich dramatisch ist bei ihm in diesen Tagen die Situation. „Ich versuche noch ein bisschen was zu pumpen“, erklärt er. Die Fütterung der Fische habe er eingestellt. Die Teiche würden über zu wenig Sauerstoff verfügen. Diesen bräuchten die Fische aber zur Verdauung. Sie wachsen deshalb nicht mehr, haben aber wenigstens eine Chance zu überleben.

Teiche notabgefischt

Seinen Kollegen Armin Kittner, Teichwirt in Groß Schacksdorf, plagen ähnliche Sorgen. „Die ersten Teiche sind notabgefischt“, erklärte er in dieser Woche. Für Kittner sind vor allem die warmen Tage mit Bewölkung ein Problem. Wegen der hohen Wassertemperaturen gibt es in den Teichen zurzeit viele Algen. Scheint ausreichend Sonne, produzieren Algen und Wasserpflanzen Sauerstoff. Sobald der Himmel aber bedeckt ist, kippt das ganze System. Jetzt wird mehr Sauerstoff verbraucht als produziert.

Kittner wünscht sich Regen. Zehn, 15 Milliliter würden zwar nicht viel helfen. Doch der Teichwirt ist genügsam geworden. „Früher hätte man gesagt, was, nur 15 Millimeter Regen – heute würde man sich freuen, dass es überhaupt geregnet hat.“

Der Forster Hobbymeteorologe Heido Briesemann kann die gefühlte Wahrnehmung durch Fakten stützen. Die im Monat Juli insgesamt gemessenen 39,5 Liter je Quadratmeter fielen an nur sieben Tagen, den Rest des Monats blieb es trocken. Somit war auch der zweite Sommermonat 2019 viel zu niederschlagsarm.

Die Probleme besätigt Kai-Uwe Ruch von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Spree-Neiße. Gräben seien trockengelegt, die größeren Flüsse führten deutlich weniger Wasser. Die Spree sowieso, aber auch die Lausitzer Neiße, was sich an den Pegelständen in Klein Bademeusel ablesen lässt. Zwischen 40 und 50 Zentimeter betrug dort der Wasserstand in dieser Woche. Der August-Mittelwert wird mit 78 Zentimetern angegeben. Es geht allerdings noch deutlich weniger. Der Tiefstwert liegt bei 26 Zentimetern – erreicht im März 1996. Ähnlich sieht es beim Durchfluss aus. Rund fünf Kubikmeter pro Sekunden wurden am Donnerstag gemessen. 17 Kubikmeter sind der Mittelwert für den August, Ende August 1976 waren es mal lediglich 3,70 Kubikmeter. „So etwas wie jetzt hat es also immer mal wieder gegeben“, betont Ruch. Gefühlt allerdings würden sich die trockenen Perioden häufen. „Die Auswirkungen auf die Vegetation sind derzeit deutlich sichtbar“, ergänzt der Experte. Noch könne sich das Ökosystem aber regenerieren.

Interessante Entdeckung

Bernd Starick, Vorstand der Bauern AG Neißetal, berichtet von einem interessanten Erkundung, die er und seine Mitarbeiter vor ein paar Tagen vorgenommen haben. „Die Luzerne ist ja eine der bedeutendsten Futterpflanzen“, erklärt er. Das hängt mit dem hohen Eiweißgehalt zusammen, aber auch mit der großen Toleranz gegenüber der Trockenheit. So hole sich die Pflanze das benötigte Wasser bis aus drei Meter Tiefe. „Wir wollten es jetzt einmal genau wissen, wie es im Boden aussieht“, verrät Starick. Bis in 2,20 Meter Tiefe hätte der Bagger gegraben. „Wir haben dort noch Wurzeln der Pflanze entdeckt – aber der Boden war komplett trocken“, so Starick. Und so hofft der Landwirt, dass mal wieder ein paar Liter Regen fallen. „Wir sind ja da schon inzwischen mit wenig zufrieden.“

 Bernd Starick, Vorstand der Bauern AG Neißetal, hier bei der Sommertour auf Gut Neu Sacro, ist der Trockenheit mal auf den Grund gegangen.
Bernd Starick, Vorstand der Bauern AG Neißetal, hier bei der Sommertour auf Gut Neu Sacro, ist der Trockenheit mal auf den Grund gegangen. FOTO: LR / Steffi Ludwig

Als es vor ein paar Wochen aus vielen Wasserhähnen in den Forster Haushalten nur noch tröpfelte, vermuteten Betroffene einen Zusammenhang mit dem trockenen Sommer. Doch Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Gäbler konnte Entwarnung geben. Eine Panne der neuen Pumpenanlage hatte für den kurzzeitigen Engpass gesorgt. Das Trinkwasser für die Stadt Forst werde hingegen aus 35 bis 60 Metern Tiefe gewonnen. Dort seien ausreichend Reserven vorhanden.

Gegen ein paar Tage Regen, am besten einen schönen, ausgedehnten Landregen, hätte aber sicher auch Wolfgang Gäbler nichts auszusetzen. Kurze, wenn auch sehr heftige, Gewitterduschen wie am Mittwoch helfen hingegen kaum. „Der trockene Boden kann eine große Menge Wasser nicht aufnehmen, das wird dann einfach weggeleitet“, sagt Kai-Uwe Ruch und animiert zu einem Experiment: Ein Eimer Wasser, mit einem Schlag auf ausgetrocknetem Untergrund ausgekippt, würde diesen Zustand gut simulieren. „Da versickert nichts, das fließt alles weg.“