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"Forst und das Essen sind cool”

Austauschschüler Grant Church (l.) aus den USA mit Familie Gäbler in deren Garten im Forster Ortsteil Noßdorf. Sohn Jakob ist derzeit in Washington.
Austauschschüler Grant Church (l.) aus den USA mit Familie Gäbler in deren Garten im Forster Ortsteil Noßdorf. Sohn Jakob ist derzeit in Washington. FOTO: St. Ludwig
Forst. Es war sozusagen ein "Ringtausch", den die Forster Familie Gäbler in den vergangenen zehn Monaten vollführt hat. Denn während Sohn Jakob (16) nach Washington ging, zog dafür der 19-jährige Grant Church aus dem amerikanischen Bundesstaat Utah bei den Gäblers ein. Steffi Ludwig

Dass sie nun Gastfamilie sind, ist für sie eine Premiere: "Wir hatten nur nach einer Austauschorganisation für Jakob gesucht, sind da auf Partnership International gestoßen und auf die Möglichkeit, einen amerikanischen Schüler aufzunehmen", berichtet Rebekka Gäbler (39). "Und wir dachten uns: Ehe Jakobs Zimmer leer steht. . ."

Aus mehreren Bewerbern entschied sich die Familie für Grant - und ist somit weiterhin neunköpfig. Denn zur Familie gehören neben Vater Markus (39) auch noch Elias (15), Emma (11), Paulina (8), die Zwillinge Matilda und Levin (5) sowie Jannes (3). Besonders mit Elias habe sich Grant gut verstanden, und mit Gastvater Markus viel über die USA gesprochen - denn Markus Gäbler war als Jugendlicher ein Jahr im US-Bundesstaat Oregon. "Er kann perfektes Englisch", schmunzelt Grant. "Aber wir haben eigentlich nur Deutsch gesprochen."

Denn das war eines der Anliegen, warum sich der 19-Jährige für einen Aufenthalt in Deutschland entschieden hatte: "Ich wollte die Sprache lernen und mehr über die Kultur erfahren." Da er zudem Arabisch studiere, sei ihm Deutschland wegen der vielen Flüchtlinge empfohlen worden. Über das Parlamentarische Patenschafts-Programm bekam er ein Vollstipendium und gehört mit Danielle aus Arizona, die auch in Forst lebt, und einem weiteren US-Schüler im Havelland zu den drei der 50 Austauschschüler, die in Brandenburg wohnen.

"Grant konnte von Anfang an recht gut Deutsch - das hat mir geholfen, da ich selbst wenig Englisch kann", gibt Rebekka Gäbler zu. Der 19-Jährige hatte in seiner Heimat bereits drei Jahre Deutschunterricht und auch die Highschool abgeschlossen. Im Forster Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium kam er in eine 11. Klasse. "Anfangs war der Unterricht für mich schwierig", berichtet Grant. Aber bald war das kein Problem mehr. Er entdeckte Forst vor allem mit dem Fahrrad, lernte syrische Flüchtlinge kennen, sprach mit ihnen Arabisch.

"Forst ist cool", meint er. So ein großer Unterschied zu seiner Heimatstadt South Jordan, die 60 000 Einwohner habe, sei es gar nicht. Hier sei jedoch alles ruhiger - und geschichtsträchtiger: Forst sei über 750 Jahre alt, die Städte in den USA viel jünger.

Vermissen werde er jedoch, wenn es am Dienstag wieder zurück in die USA geht, das deutsche Essen. "Vor allem Schokolade und Milchprodukte haben hier eine höhere Qualität - und Döner gibt es bei uns gar nicht", bedauert er. Aber auch die Gastfamilie, die Freunde und die Nachbarn in Forst werde er vermissen. Nach nur zwei Monaten in der Heimat will Grant Church, der Mormone ist, für zwei Jahre als Missionar nach Taiwan gehen und Chinesisch lernen. Danach will er Arabisch studieren - und inklusive dem in Forst gelernten Deutsch dann gut gerüstet sein für einen Job, der mit Sprachen zu tun hat.

Für Familie Gäbler heißt es nach dem Abschied Willkommen: Denn in den nächsten zwei Wochen ist auch Jakob zurück aus den USA.

Zum Thema:
Das Parlamentarische Patenschafts-Programm als Stipendienprogramm des Deutschen Bundestages und des US-Congresses besteht seit 1983. 360 deutsche und 350 amerikanische Schüler werden jährlich ausgewählt. Dafür sucht der Verein Partnership International auch in der Lausitz Gastfamilien (Kontakt: 0221 9139733, E-Mail: office@partnership.de).Auch die Schüleraustauschorganisation AFS Interkulturelle Begegnungen sucht Gastfamilien in Spree-Neiße und Umgebung (Kontakt unter Telefon: 040 39922290 oder E-Mail: gastfamilie@afs.de).