ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:24 Uhr

Forst trauerte um seinen Schlossherrn

Etwa 500 Einwohner zählte im 17. Jahrhundert die Stadt Forst, die um ihren Schloss- und Schutzherrn Ferdinand I. von Bieberstein trauerten. Er starb am 5. April 1629 und wurde in einem mit feinen Malereien verzierten Zinnsarg, der mit Tragringen und Löwenköpfen aus Messing versehen war, einige Wochen später in der Gruft unter der Taufkapelle der Stadtkirche beigesetzt. Von Gerd Kundisch

In jener Zeit wütete der Dreißigjährige Krieg und die Auswirkungen für die Bevölkerung waren mehr als fatal. Drei Jahre zuvor lagerte Wallenstein mit 40 000 Mann in unserer Gegend, hinterließ Pest und Chaos, und ein Brand hatte fast die ganze Stadt vernichtet.
Die Überlebenden waren in die nächstgelegenen Orte geflüchtet. Erst 1627 kehrten viele Flüchtlinge zurück und bauten „mit Leihen und Borgen“ ihr Häuslein wieder auf.
Die Kirche mit dem Gruftgewölbe lag ebenfalls in Trümmern und musste erst in mühsamer Arbeit wieder aufgebaut werden.
„Seine Bestattung in der Familiengruft mitten in der Kirche erfolgte am 29. Mai 1629 mit ausgezeichnetem Pomp“ , schrieb Superintendent Schneider in seiner Chronik. Der Schule mit Rektor und Cantor folgten die Pfarrer aus den Herrschaften Forst und Pförten.
Den Sarg begleiteten Adlige mit Ferdinands goldenen Sporen, dem Schwert, Schild, Helm und der Wappenfahne. Das Wappenpferd, mit den Biebersteinschen Wappen und englischem schwarzen Tuch behängt, führten Kaspar v. Berge und Christoph von Ramin.

Edelleute trugen den Sarg
Sechzehn Edelleute, unter anderem aus Preschen, Jethe, Dubrau, Zelz, Forst, Weißagk, Tzschacksdorf, Groß Kölzig und Gosda trugen den zinnernen Sarg, neben denen 14 Bürger mit Stutzen und 16 bemäntelte Personen mit brennenden Fackeln schritten.
„Hinter der hohen Leiche folgte der Küraß (Brustharnisch) auf einem geschmückten Rosse, welchen des seligen Herrn Leibdiener an hatte“ , so ist zu lesen in Schneiders Chronik.
Hinter der Trauerfahne und Trauerpferd schritten der Hofrichter Friedrich v. Oppel und der Biebersteinsche Hauptmann Günther v. Löben zu Sommerfeld. Voller Trauer folgten die beiden Söhne Ferdinand und Joachim Ernst. Erst nach dem kurfürstlichen Abgesandten, dem Landvogt, zwei Brüdern „der freiherrlichen Witwe Frau Eva“ , dem Verweser des Markgrafentums Niederlausitz, den Abgesandten der Stadt Guben, dem Biebersteinschen Kanzler, Hofdirektor, Leibmedikus und noch vielen anderen von Adel, aber auch vom Forster Rat und der Bürgerschaft, wurde Ferdinands Witwe Eva, die Fräuleins Anna, Sophie und Elisabeth v. Bieberstein und weitere Damen geführt.
„In der Stadtkirche hielt der damalige Superintendent Lademann die Parentation, dann wurde der Sarg in der Familiengruft mitten in der Kirche beigesetzt“ , schreibt Schneider abschließend. In der Beilage zum Forster Tageblatt heißt es 1929: „Er steht heute unter der Taufkapelle zwischen den Särgen seiner beiden Gemahlinnen Margarethe v. B., die schon im Alter von 18 Jahren 1616 gestorben war, und Eva, geb. Schenkin von Landsberg, gest. 1657.“

Die Gravur
Mit dem Stichel wurde auf dem Sargdeckel eingraviert: „Hier ruht der wohlgeborene Herr, Herr Ferdinand I., Freiherr von Bieberstein, Herr auf Forst und Pförten, Römisch Kayserlicher Majestät Rat und Churfürstlicher Durchlaucht zu Sachsen verordneter Landrichter der Niederlausitz. Geboren zu Forst d. 15. Oktober 1586, hinterließ zween junge Herren, Herren Ferdinand und Herren Joachim Ernst, die er mit der Wohlgeborenen Frauen, Frauen Eva, geb. Freyin Schenkin, Frauen von Landsberg, nunmehr hinterlassene Wittwe, gezeuget. War redlich und aufrichtig in seinem Christenthum, beständig, herzhaft und großen Verstandes, getreu dem Vaterlande, höflich im Leben und selig im Sterben, so geschehen in wahrer Erkenntniß und Bekenntniß seines Erlösers und Seligmachers Jesu, d. 5. April 1629.“