ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:00 Uhr

Standortsuche für das Forster Stadtarchiv
Im luftleeren Raum

 Akten bis zur Decke und zusätzlich aufgestellte Pappkartons zum Aufbewahren: Das Forster Stadtarchiv ist auf sämtliche verfügbare Räume auf drei Ebenen, verbunden lediglich über steile Treppen, im Alten Rathaus aufgeteilt. Im Bild Stadtarchivar Jan Klußmann.
Akten bis zur Decke und zusätzlich aufgestellte Pappkartons zum Aufbewahren: Das Forster Stadtarchiv ist auf sämtliche verfügbare Räume auf drei Ebenen, verbunden lediglich über steile Treppen, im Alten Rathaus aufgeteilt. Im Bild Stadtarchivar Jan Klußmann. FOTO: Ludwig / Steffi Ludwig
Forst. Forst tut sich bei der Suche nach einem geeigneten Standort für das Stadtarchiv weiter schwer. Von Sven Hering

Der Hilferuf aus dem Forster Stadtarchiv ist zwei Jahre alt. Eine Lösung aber noch immer nicht in Sicht. „Die Kapazitätsgrenze für die Einlagerung von Archivalien ist seit Jahren erschöpft“, hatte Stadtarchivar Jan Klußmann im April 2017 vor dem Kultur- und Bildungsausschuss der Stadt erklärt. „Wir brauchen dringend eine neue Lösung.“ Sowohl für das historische Archiv der Stadt als auch für das Verwaltungsarchiv seien die Zustände in dem Gebäude in der Promenade 9 nicht mehr tragbar.

Im Bauausschuss sind am Donnerstagabend nun zwei mögliche Auswege aus dem Dilemma vorgestellt worden. Variante eins: Das Stadtarchiv wird ausgelagert, die Räume in der Promenade 9 werden anschließend so hergerichtet, dass dort die städtische Bauabteilung, die derzeit noch in der Cottbuser Straße 10 untergebracht ist, einziehen kann. Geschätzte Sanierungskosten: rund 1,4 Millionen Euro. Noch nicht berücksichtigt sind dabei die Kosten für die Einmietung des Archivs in ein anderes Gebäude.

Variante zwei: Die Bauabteilung zieht aus der Cottbuser Straße  in das Alte Rathaus ein. Das Archiv kann dennoch vor Ort verbleiben – und zwar in einem Anbau am Gebäude Promenade 9, in dem neben den neuen Archivräumen auch zusätzliche Büroräume und ein Aufzug entstehen. Kosten: rund 3,5 Millionen Euro.

Neu waren die beiden Vorschläge nicht. Bereits Ende des Jahres hatte Bürgermeisterin Simone Taubenek (parteilos) das Ergebnis einer von der Stadt in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie den Stadtverordneten vorgestellt.

Die Bauausschuss-Mitglieder taten sich dennoch schwer, eine gemeinsame Linie zu finden. Hans-Jörg Auerswald (SPD) erklärte: „Mit dem Anbau habe ich meine Bauchschschmerzen.“ Die Stadt könne nicht mit dem Geld um sich schmeißen, wenn es eine preisgünstigere Variante gebe. Günter Herzberg (Forster Freunde der Demokratie) sagte: „Ich befürchte, dass sich die Kosten noch verdoppeln.“ Angesichts zahlreicher anderer Vorhaben in der Stadt betonte er: „Da vergehen noch mindestens 15 Jahre, ehe wir ein solches Projekt angehen können.“

Interessiert verfolgte Thomas Engwicht als Gast die Diskussion. Der Chef des gleichnamigen Forster Gärtnerbetriebs hat in der Elsässer Straße ein altes Fabrikgebäude umgebaut. Dort hat sich der Landkreis mit seinem Archiv eingemietet. Für die Akten der Stadt könnte der Unternehmer noch ein benachbartes Objekt ertüchtigen. Gut 700 000 Euro für einen Zeitraum von 20 Jahren stehen als mögliche Miete im Raum. Bestätigen wollte die Verwaltung diese Zahl am Donnerstag nicht, allerdings steht dieser Betrag in einer Beschlussvorlage für das Stadtparlament aus dem Jahr 2017.

Bürgermeisterin Simone Taubenek (parteilos) kann sich mit einer Auslagerung der städtischen Archivstücke wenig anfreunden. Persönliche Dinge, die ihr wichtig seien, habe sie schließlich im Privaten auch bei sich zu Hause, erklärte sie. Wichtige Rathaus-Dokumente sollten deshalb auch in der Verwaltung verbleiben. Die Innenstadt-Lage ist für die Rathaus-Mitarbeiter ein weiteres Argumente für den Verbleib des Archivs am (dann erweiterten) Standort

Die Fraktionen wollen sich nun noch einmal mit dem Thema beschäftigen. Am Ende werden die Stadtverordneten gefragt sein.

Für Archive gibt es übrigens eine DIN-Norm mit Empfehlungen. Demnach sollte die Raumtemperatur die Obergrenze von 21 Grad Celsius nicht überschreiten. Die Luftfeuchte sollte zwischen 30 und 55 Prozent liegen. In Forst ist man – so eine Erkenntnis der Debatte – von diesen Werten derzeit weit entfernt. Günter Herzberg beschrieb das vorherrschende Klima am Donnerstagabend so: „Wir befinden uns im luftleeren Raum.“