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| 16:42 Uhr

Bilanz nach dem jüngsten Stromausfall
Forst sorgt sich vor einem Blackout

 Auf dem Gelände der Recyclinganlage bei Jänschwalde brannten im April 500 Tonnen Gewerbeabfall. Im Hintergrund ist die Stromleitung zu sehen.
Auf dem Gelände der Recyclinganlage bei Jänschwalde brannten im April 500 Tonnen Gewerbeabfall. Im Hintergrund ist die Stromleitung zu sehen. FOTO: dpa / Michael Helbig
Forst. Nach dem Feuer auf einem Recyclinghof bei Jänschwalde vor wenigen Wochen musste der Strom für die Stadt Forst für mehrere Stunden gekappt werden. In der Forster Stadtverordnetenversammlung ist der Zwischenfall jetzt ausgewertet worden. Das Ergebnis: Die größte Schwachstelle existiert weiterhin. Von Sven Hering

Noch einmal glimpflich davon gekommen – so kann der jüngste Stromausfall in der Stadt Forst bewertet werden. Zwar musste ein Großteil der Stadt Mitte April mehrere Stunden ohne Strom, Licht und Heizung auskommen. Doch am Ende blieb der Blackout – ausgelöst durch ein Feuer auf dem Gelände eines Recyclingunternehmens bei Jänschwalde – ohne gravierenden Folgen.

In der Forster Stadtverordnetenversammlung ist der Stromausfall jetzt ausgewertet worden. Ein kritischer Punkt bestehe weiter – das war eine Kernaussage von Thomas Winkler von der Netzgesellschaft Berlin Brandenburg.

Schwachstelle besteht weiterhin

Winkler meint damit die Hauptstromleitung, die quer über das Gelände des Recyclingunternehmens verläuft. Beim jüngsten Brand musste diese abgeschaltet werden. Die Flammen drohten die Kabel zu beschädigen und darüber hinaus musste die Sicherheit der Feuerwehrleute während der Löscharbeiten gewährleistet werden. Durch die Abschaltung waren die Stadt Forst und umliegende Gemeinden für Stunden vom Stromnetz gekappt.

Nicht der erste Zwischenfall auf dem Gelände. Bereits im Jahr 2010 hatte sich ein ähnliches Szenario ereignet. Auch damals war Abfall in Brand geraten. Über Lautsprecherwagen und Radiomeldungen hatte die Netzgesellschaft Forst-Lausitz die Forster Einwohner gebeten, mit Wasser sparsam umzugehen, Licht und elektrische Geräte am besten gar nicht einzuschalten. Der Stromversorger envia Netz und der Stromabnehmer, die Netzgesellschaft Forst-Lausitz, schmiedeten sofort einen Notfallplan. Über zwei 20-kV-Mittelspannungsleitungen wurde für Forst eine Art Bypass gelegt. Außerdem fuhr die Netzgesellschaft im Umspannwerk Forst Notstrom-Aggregate hoch.

Ähnlich ist auch diesmal reagiert worden. Schrittweise sei nach dem Abschalten der Hauptleitung die Ersatzleitung, die aus Döbern und Guben kommt, in Betrieb genommen worden. „Das passiert allerdings nicht auf Knopfdruck sofort, sondern sukzessive, praktisch Trafo für Trafo“, erklärte Stadtwerke-Chef Wolfgang Gäbler.

Haupstromleitung verlegen wäre Millionenvorhaben

Thomas Winkler schilderte im Rahmen der Stadtverordnetenversammlung mehrere mögliche Konsequenzen aus dem jüngsten Vorfall. So könnte die Leitung, die quer über das Betriebsgelände verläuft, entweder erhöht oder verlegt werden. Allerdings wäre das ein Millionen-Vorhaben. Möglicherweise müsse man sich aber auch Gedanken über die Betriebserlaubnis für das Gewerbe machen.

Für die Forster Stadtverordneten war diese Auswertung unbefriedigend. „Das ist für mich nicht akzeptabel“, sagte Thomas Jaehn (Freunde der Demokratie). Der Mediziner schilderte ein Problem des jüngsten Ausfalls: So hätten Patienten über mehrere Stunden ihre Sauerstoffgeräte in ihren Wohnungen nicht nutzen können. Im schlimmsten Fall hätten diese im Krankenhaus versorgt werden müssen.

Dort funktionierte der Betrieb zum größten Teil reibungslos. Die Klinik ist mit einem Notstromaggregat ausgestattet, das bei Bedarf anspringt. Nur ein paar Komfortbereiche blieben ohne Strom, so konnte zum Beispiel kein Fernsehen geschaut werden, verriet Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt. Für 30 Stunden Notstromversorgung reiche der Diesel in den Tanks. Lediglich die Heizung und das Warmwasser fielen kurzzeitig aus. Das Heizhaus sei nach dem Stromausfall nicht gleich wieder hochgefahren, so Stadtwerke-Chef Gäbler.

Für die Zukunft nicht genug

Doch wie ist die Stadt Forst vor einer Wiederholung des Blackouts geschützt? Diese Frage stellte sich Linke-Fraktionschef Ingo Paeschke: Das, was heute vorgestellt wurde, sei für die Zukunft nicht ausreichend, erklärte er. „Und es gibt derzeit nicht mal den Ansatz, darüber nachzudenken. Das ist für mich unverständlich“, so seine Einschätzung.

Zumindest eine kurzfristige Maßnahme konnte Winkler verkünden: Im Forster Wasserwerk werde künftig ein Notstromaggregat installiert, das sich bei Stromausfall automatisch einschaltet.

 Schön bunt sieht der Anbau der Heizinsel in der Haagstraße, gestaltet vom Grafikkünstler Maik Enge, aus. Doch ohne Strom funktioniert auch die Wärmeversorgung nicht.
Schön bunt sieht der Anbau der Heizinsel in der Haagstraße, gestaltet vom Grafikkünstler Maik Enge, aus. Doch ohne Strom funktioniert auch die Wärmeversorgung nicht. FOTO: LR / Steffi Ludwig