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| 16:57 Uhr

Forst
Netzwerk soll in Forst für ein besseres Bienenumfeld sorgen

Sabine Lindner brinbt plakativ einen Rasenmäher als Insekten-Nahrungs-Killer ins Forum ein –.sowie kleine Tiere im Kescher als Anschauung.
Sabine Lindner brinbt plakativ einen Rasenmäher als Insekten-Nahrungs-Killer ins Forum ein –.sowie kleine Tiere im Kescher als Anschauung. FOTO: Margit Jahn
Forst. Erstmals treffen sich Imker, Naturschützer, Bauern und Vertreter der Stadt zu einem lokalen Naturgipfel. Ziel ist eine engere Zusammenarbeit. Von Margit Jahn

Der erste lokale Naturgipfel hat am Mittwochabend zahlreiche Interessierte ins Kompetenzzentrum Forst gelockt. In einer offenen und sehr sachlichen Gesprächsrunde ging es darum, wie in der Stadt Zeichen auch für Artenvielfalt und gegen Insektensterben gesetzt werden können.

Andreas Kählig von Imkerverein Forst klärte die Gäste über die dramatische Situation der Imker auf. Uwe Kohn vom Bezirksverband der Gartenfreunde stellte die Sichtweise der Kleingartenfreunde dar, und die Stadtverwaltung hat einen Plan vorgelegt, welche Grünflächen in der Stadt nicht mehr intensiv gepflegt werden sollten, sondern als Blühwiesen stehen bleiben können. Rosengarten-Parkmanager Stefan Palm und Ralph Scheel von der in Forst beheimatete Naturschutzorganisation F.A.W.N. trugen mit ihren Erfahrungen zum Diskurs bei. Jeff Staudacher , Moderator und „Enkel eines Imkers“, wie er sagte, wird sich als Lehrer besonders dieses Themas annehmen.

„Man ist aufgewacht“, sagte Sabine Lindner als Gastgeberin in ihrer Begrüßung. Durch unzählige Artikel und Reportagen würden die Menschen derzeit mit dem dramatischen Überlebenskampf der kleinen Insekten, besonders aber mit den für die Menschen überlebenswichtigen Bienen aufgeklärt. Mit Schlagworten warfen die Zuschauer Aspekte ein, die auf einer Pinnwand gesammelt wurden. „Wir brauchen Vielfalt statt Einfalt“. „Wo sind die Blüten?“, „Wir verlieren unsere Identität und Heimat“, waren einige der Schlagworte.

Giftspritze und Rasenmäher contra blühende Landschaften? Beides zerstöre die Lebensgrundlage für die nächsten Generationen, betonte Sabine Lindner. „Wir wollen ins Gespräch kommen, was wir in Forst besser machen können.“ Sie präsentierte ein Schild mit der Aufschrift: „Hier blüht es für Bienen, Hummeln und Co!?“ Es könne in der Stadt für mehr Akzeptanz, aber auch Motivation sorgen, blühende Wiesen als Nahrungsangebot für Insekten stehen zu lassen.

Nachdenklich stimmte die Aussage von Andreas Kählig vom Imkerverein Forst: „Die Leute stellen Insektenhotels auf, haben Koniferen im Garten und kurz gemähtes Gras – wovon sollen die Insekten leben?“ Von der Bienenhaltung auf dem Balkon, wie es in Städten Mode werde, hält er nichts. „Die bändigen Sie nicht – und den Zorn der Nachbarn möchten Sie auch nicht erleben.“ Bienenvölker gehörten in eine Fachhand mit entsprechendem Umfeld. Diskutiert wurde über riesige Mais-Felder für Biogasanlagen. Aus Sicht von Kählig gibt es Alternativen, die seien nur etwas aufwendiger. Auch der Anbau der „gelben Pest“ – Raps – habe keinen Nektar-und Pollenwert. Die Bienen geben diese Informationen als Botschaft in ihr Volk weiter, und somit sei ein Besuch mit anderen angebauten Pflanzen in einer späteren Jahreszeit ausgeschlossen, erläutert Kählig, was die Monokulturen für Folgen über ihren Anbau hinaus haben.

Als „Vermaisung der Landschaft“ gelten die einseitig angebauten Flächen, so der promovierte Biologe und CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Schulze, der auf Felder von 11,5 Hektar verweist; vor zehn Jahren seien es 1,5 Hektar gewesen. Hier wird von einer „aufgeräumten Landschaft“ gesprochen. „Als Landwirt herausgefordert“ fühlte sich Bernd Starick von der Bauern AG Neißetal. „Mir ist der Bauer ein Stück zu weit am Pranger. Wir produzieren für den Markt, den globalen Markt mit Nachfrage und müssen konkurrenzfähig bleiben.“ Ein Landwirt ernähre statistisch betrachtet 120 Menschen. Das erfordere einfach einen hohen Grad an Intensivierung. Auf der anderen Seite habe die Bauern AG mit Kindern und Familien auch kleine Blühwiesen angelegt, der jederzeit besichtigt werden können. Um nicht unnötig Pflanzenschutz anzuwenden, sei man auch stets auf der Suche nach gesunden, krankheitsresistenten Pflanzen, betonte Starick. Dabei ist Brandenburg derzeit das einzige Bundesland , welche „Blühstreifen“ nicht fördere. Die Bauern AG haben, durch einen Beitrag in einer Imkerzeitschrift angeregt, statt 50 Eichen 50 Winterlinden gepflanzt.

Imker Uwe Tzscheppan aus Guben verwies auf Bestäubungsprämien, die es noch in der DDR gegeben habe. Er fürchtet: „Wir werden die Bienen verlieren. Wir brauchen Pollen. Pollen sind das Kraftwerk des Lebens.“ Der Gubener lobte den Ansatz des Abends: Es sei „hervorragend was Sie hier in Forst tun“. Denn die Natur sei durch die Verschiebung der Vegetationszeit von circa vier bis sechs Wochen im Dauerstress. „Es ist eine ökologisch-soziale Katastrophe, und viele Betriebe müssen schließen.“ Es sei kein fairer Wettbewerb mehr.

Erika Kärgel vom Imkerverein appellierte dringend, erst nach der ersten Blüte zu vertikulieren, damit die erste Nahrung nicht weg sei.Traurig sei auch, das nicht nur die Bienen aussterben, auch die „Spezies der Imker stirbt aus“.Der Altersdurchschnitt liegt bei circa 60 Jahren. Hier fehlt dringend Nachwuchs.“

Ziel der Veranstaltung war, das sich ein Netzwerk in Forst gründet. Der Anfang ist getan.