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Forst sagt Riesen-Frühjahrsputz wegen Brand in Brozek ab

Am Dienstagmorgen war beim Blick von Forst (Mexico) iin Richtung Keune eine Smogglocke über der Landschaft - "und so hat es auch gestunken", so RUNDSCHAU-Leser Heinz-Peter Bischoff!
Am Dienstagmorgen war beim Blick von Forst (Mexico) iin Richtung Keune eine Smogglocke über der Landschaft - "und so hat es auch gestunken", so RUNDSCHAU-Leser Heinz-Peter Bischoff! FOTO: Bischoff
Forst. Der für heute geplante traditionelle Frühjahrsputz in Forst findet nicht statt. Stadtteilmanagerin Kathleen Hubrich erfuhr von dieser Entscheidung der Stadtverwaltung am Dienstagnachmittag und versuchte, die beteiligten Schulen und Kindergärten zu unterrichten. Katrin Kunipatz und Jürgen Scholz

Über 500 Teilnehmer hatten sich angemeldet. Nur in Noßdorf wird die Putzaktion, mit Schülern, Kindergartenkindern, Vereinen und Flüchtlingen wie geplant stattfinden, teilt Kathleen Hubrich mit. Grund für die Absage durch die Stadt ist die Geruchsbelästigung, die ausgehend vom Brand in der polnischen Recyclingfirma in Brozek mal mehr und mal weniger stark in Forst zu spüren ist. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass zum Zeitpunkt der Aktion eine Beeinträchtigung der Luft vorliegt. Deshalb wird der Frühjahrsputz auf einen noch nicht benannten späteren Termin verschoben.

Die Absage der Aktion ist eine logische Konsequenz. Bereits am Dienstag hatte die Stadtverwaltung den Kindergärten und Schulen in Forst empfohlen, die Kinder drinnen und die Fenster geschlossen zu halten. Lageabhängig sollen die Einrichtungen selbst entscheiden, wann die Schüler die Pausen wieder im Freien verbringen können, teilte Verwaltungsvorstand Sven Zuber mit. Diese Anweisung habe auch heute Bestand.

Die Rede ist von einer Vorsichtsmaßnahme. Denn konkrete Fakten zu den Stoffen im Qualm, die bei einigen Forstern Reizungen der Augen und Husten verursachen, gibt es sechs Wochen nach Ausbruch des Brandes noch nicht. Die Ergebnisse der Luftanalysen, die am 13. und 14. März in Forst und Groß Bademeusel vorgenommen wurden, liegen nunmehr vor, teilt die Kreisverwaltung mit. Über die Inhalte soll am Mittwochnachmittag informiert werden. Bisher hatte der Landkreis nur auf die Messergebnisse der polnischen Behörden verwiesen.

Laut diesen Dokumenten erfolgte die Luftmessung zwischen dem 23. Februar und 9. März. Mittels Sammelbehältern wurde etwa 100 Meter vom Brandort herabfallender Staub analysiert. Laut dem angesetzten Richtwert aus dem Jahr 2012 sollte die Staubbelastung am Tag nicht höher als 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft sein. Die Staubbelastung überschritt an sieben Tagen die Schwelle von 300 Mikrogramm, an sieben Tagen waren es mehr als 200 Mikrogramm und an drei Tagen wurden mehr als 50 Mikrogramm ermittelt. Bei Kadmium wurde mit 7,4 Nanogramm in der ersten Woche eine Überschreitung des Grenzwertes von fünf Nanogramm festgestellt. Für Benzopyren, das als giftig und umweltgefährlich gilt, liegt der Grenzwert bei einem Nanogramm. Er wurde mit 13,3 Nanogramm und 21,9 Nanogramm deutlich überschritten ( www.lr-online.de/brozek ).

Der Gefahrgutexperte der brandenburgischen Landesfeuerwehr, Alexander Trenn, weist darauf hin, dass die Grenzwerte für einzelne Stoffe nicht immer aussagekräftig genug sind: "Die entstehenden Gemische sind oft gefährlicher und können Reizungen auslösen, ohne dass die Grenzwerte für einzelne Substanzen überschritten sein müssen."

Die Forster Bürger sorgen sich weiterhin. Enger geworden sind die Verbindungen zu polnischen Aktivisten. Auch heute will man sich wieder um 18 Uhr vor der Stadtkirche treffen.

Zusätzlich zur Demonstration haben mehrere Forster angekündigt, bei der Staatsanwaltschaft Cottbus Anzeige wegen des Verdachts auf illegalen Müllexport zu erstatten. Stadtverordneter Thomas Burchardt erklärte gegenüber der RUNDSCHAU, dass er die Strafanzeige am Dienstag unterschrieben und abgeschickt habe.

Zum Thema:
Heute um 16.30 Uhr will der Landkreis Spree-Neiße bei einer öffentlichen Pressekonferenz über die Messergebnisse der Ergo-Umwelttechnik informieren. Interessierte Bürger können teilnehmen. Informieren werden auch Vertreter des Landesumweltamtes, des Ministeriums des Innern und des Gesundheitsministeriums.RUNDSCHAU-Anfragen beim Landkreis Spree-Neiße zur Einordnung der Messergebnisse der polnischen Umweltbehörden blieben am Dienstag unbeantwortet.