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Forst reißt weitere Wohnungen ab

Abriss in der Haagstraße läuft.
Abriss in der Haagstraße läuft. FOTO: Beate Möschl
Forst. Das Land Brandenburg hat seine Stadtumbaufördermittel umgewidmet. Nun wird die Wiederherrichtung leer stehender Wohnungen gefördert, um die Unterbringen von Flüchtlingen zu sichern. In Forst gibt es genug geeigneten leer stehenden Wohnraum. Deshalb geht hier auch 2016 und 2017 wie geplant der Abriss weiter. Beate Möschl

Von den derzeit rund 11 600 Wohnungen in Ein- und Mehrfamilienhäusern in Forst stehen mehr als 2000 leer, davon etwa 1000 bei der Forster Wohnungsbaugesellschaft (FWG). Vor diesem Hintergrund hat der Forster Bürgermeister Philipp Wesemann (SPD) schon im September bei einer Diskussionsrunde im ZAK-Verein zur Neugestaltung der Forster Innenstadt (Grüne Mitte) betont: Es gebe keine Notwendigkeit, ähnlich wie in Cottbus, einen Abrissstopp zu verhängen, um die Unterbringung von Flüchtlingen zu sichern.

Dennoch sind die Abrissblöcke nicht tabu. Nach Rücksprachen mit der Landesregierung und der Kreisverwaltung Spree-Neiße besteht Einigkeit darüber, dass in einigen perspektivisch zum Abriss vorgesehenen, leer stehenden Wohnungen vorübergehend Flüchtlinge untergebracht werden. Vor diesem Hintergrund hat Forst die Genehmigung erhalten, die bereits entkernten Wohnblöcke in der Haagstraße an der Ostseite des Marktes wie geplant 2015/16 abzureißen, bestätigt FWG-Geschäftsführer Uwe Engelmann. Auch dem für 2016/17 geplanten Abriss der nahezu leer stehenden Plattenbauten gegenüber dem alten Pflegeheim der Volkssolidarität Am Haag 25 bis 33 und 35 bis 39 sei stattgegeben worden. Damit gehen bis 2017 insgesamt noch mehr als 200 FWG-Wohnungen vom Markt.

Für die vorübergehende Unterbringung von Flüchtlingen mit Aufenthaltsstatus werden parallel dazu bei Bedarf Wohnungen in anderen leer stehenden Wohngebäuden hergerichtet. In Abstimmung mit dem Landkreis sind dafür 91 Wohnungen im Stadtgebiet ausgewählt worden. Wie Bürgermeister Wesemann in der Stadtverordnetenversammlung Anfang Dezember informierte, hat die FWG für alle 91 Wohnungen bereits Fördermittelzusagen bekommen. Das Land unterstützt die Herrichtung der Wohnungen zur Wiedervermietung mit einem Zuschuss von 70 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche - so wie bisher den Abriss von Wohnungen.

Bereits hergerichtet und an den Landkreis zur Vermietung übergeben wurden 20 Wohnungen in der Mühlenstraße 8 bis 16 an der Nordseite des Marktes.

Der eigentlich schon im Jahr 2013 zum Abriss vorgesehene Plattenbau ist auf Beschluss der Stadtverordneten stehen geblieben. Das sollte potenziellen Interessenten aus anderen Abrissblöcken eine Alternative bieten, am Markt wohnen zu bleiben. Das Angebot wurde "nicht in genügendem Maße angenommen", wie Engelmann sagt. Nun werden in zwei leer stehende Aufgänge des Blocks Flüchtlinge einziehen, die noch keinen Status haben. Deshalb sind hier auch Betreuungsleistungen nötig, die ein Betreiber für die Unterkunft übernehmen soll. Die Idee, den Gesellschafterzweck der Lausitz Klinik zu erweitern, sodass diese auch befugt ist, die Unterbringung von Flüchtlingen zu unterstützen, und die Unterkunft in der Mühlenstraße betreiben könnte, fand keinen Gefallen. Die Stadtverordnetenversammlung lehnte den Vorstoß Anfang Dezember mit einer knappen Mehrheit ab.

Zum Thema:
Die Stadt Forst hat in der Fortschreibung des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (Insek) bis 2020 den Rückbau von weiteren 254 Wohnungen im Bestand der FWG vorgesehen. Aufgrund negativer Bevölkerungsprognosen werden auch über das Jahr 2020 weitere Rückbaumaßnahmen erforderlich sein. Rückbaupotenziale werden unter anderem in der Rüdigerstraße und in der Max-Fritz-Hammer-Straße gesehen. Die Bevölkerungsschätzung das Landesamtes für Statistik Berlin-Brandenburg geht davon aus, dass 2030 in der Stadt Forst noch 14 910 Einwohner leben, für 2020 werden 17 328 Einwohner prognostiziert. Ende 2014 zählte die Rosenstadt 19 258 Einwohner. Die genannten Zahlen sind inklusive der Eingemeindungen und der in Forst untergebrachten Asylbewerber. Die Forster Wohnungsbaugesellschaft trägt die Hauptlast beim Abriss leer stehender Wohnungen in Forst. Sie hält einen Marktanteil von 20 Prozent am Forster Wohnungsmarkt. 1990 gehörten der FWG noch 5000 Wohnungen, damals hatte die Stadt Forst rund 27 000 Einwohner. Von den derzeit rund 3200 Wohnungen der FWG stehen rund 1100 leer. Das umfasst rund 62 200 Quadratmeter Wohnfläche. Weil sich die leeren Wohnungen über mehrere und zum Teil nur noch mit einer Handvoll Mieter bewohnte Wohnblöcke verteilen, fallen weiterhin Betriebskosten auch für leer stehende Wohnungen an. 2015 haben sich diese nach Angaben der FWG auf rund 550 000 Euro summiert. 2010 standen laut Erhebungen der Gruppe Planwerk 1850 von insgesamt 12 069 Wohnungen in Forst leer, Ende 2013 waren es 2175 von insgesamt noch 11 587 Wohnungen. (Leerstandsquote: 18.8 Prozent). Die höchsten Leerstände wurden in der Innenstadt registriert, konzentriert auf die Plattenbauten.