ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:57 Uhr

Anwohner beklagen Lärm und Pöbeleien
Ordnungsamt Forst auf Alkohol-Streife

 In den Abendstunden gibt es vor einem Einkaufsmarkt im Forster Stadtzentrum immer wieder Ärger über die Missachtung des Alkoholverbots.
In den Abendstunden gibt es vor einem Einkaufsmarkt im Forster Stadtzentrum immer wieder Ärger über die Missachtung des Alkoholverbots. FOTO: Sven Hering
Forst. Es wird gepöbelt und getrunken. Lautstarke Unterhaltungen bringen die Bewohner der Forster Innenstadt um den Schlaf. Die Verwaltung hat angekündigt, darauf zu reagieren. Das lässt sie sich sogar einiges kosten. Von Sven Hering

Am Wochenende ist es besonders schlimm. Alkohol, lautstarke Unterhaltungen, mitunter auch Pöbeleien – und dazu auch noch permanentes Hundegebell. „Freitag, Samstag, Sonntag – das geht manchmal bis nach Mitternacht“, schildert ein Anwohner der Cottbuser Straße am RUNDSCHAU-Reportertelefon die Situation in der Forster Innenstadt. „Mit geöffneten Fenstern ist das kaum auszuhalten“, ergänzt der Senior. „Doch wer will schon bei dieser Wärme die Fenster die ganze Zeit geschlossen halten?“

Mit der warmen Jahreszeit hat Forst ein altes Problem zurück. Trinker, die sich zum Beispiel vor einem großen Einkaufsmarkt im Stadtzentrum versammeln. Passanten fühlen sich unwohl, Anwohner gestört.

Straftaten wurden aufgedeckt

Ein Problem, dem die Stadt bereits seit einiger Zeit mit einem Alkoholverbot begegnen will. Seit April ist es in der Innenstadt wieder untersagt, in der Zeit von 18 bis 24 Uhr Alkohol zu trinken. Die Störungen durch Trinker vor dem Einkaufsmarkt hatten sich im vergangenen Jahr mit Beginn der warmen Jahreszeit dermaßen verschärft, dass die Stadt beim Forster Revierleiter der Polizei Amtshilfe beantragen musste. Platzverweise wurden ausgesprochen, Straftaten wie Gewalt oder Raub aufgedeckt. Die Umsetzung eines ganztägigen Alkoholverbotes war der Stadt vom Landkreis Spree-Neiße untersagt worden, nachdem es einen Einwand eines Bürgers wegen Eingriffs in seine Grundrechte gegeben hatte.

Jetzt reagiert die Stadt mit einer zusätzlichen Maßnahme auf das Problem. Das Ordnungsamt soll durch einen Außendienst-Mitarbeiter aufgestockt werden. Dafür wurden zusätzliche Mittel im Haushalt eingestellt. „Wir wollen damit die Möglichkeit haben, künftig noch verstärkt Kontrollen durchzuführen“, sagt Jens Handreck, Verwaltungsvorstand für Finanzen und Sicherheit im Forster Rathaus. Das bedeutet, dass die städtischen Mitarbeiter bis 22 Uhr vor allem in der Innenstadt unterwegs sein können. In Zweierteams. „Einzelstreifen möchte ich nicht“, sagt Jens Handreck und ergänzt: „Ich habe eine Fürsorgepflicht für meine Mitarbeiter.“ Das bedeute auch, das die Stadt in besonders schwierigen Fällen natürlich die Polizei zur Unterstützung anfordern werde. Handreck hätte am liebsten regelmäßige Kontrollgänge gemeinsam mit der Polizei.

Forst ist ein schwieriges Pflaster

Momentan sichern die Ordnungsamtsmitarbeiter eine Kernzeit von 7 bis 20 Uhr ab. Je nach Situation sind sie auch am Wochenende oder abends länger unterwegs. Etwa 70 bis 80 Prozent ihrer Arbeit sei Ermittlungsarbeit draußen, hatte einer von ihnen, Steffen Haufe, im vergangenen Jahr dem Finanzausschuss berichtet. „Forst ist durch den Alkohol und die Drogen schon ein schwieriges Pflaster“, sagte er. „Teilweise sind wir auch halbe Sozialarbeiter, müssen schlichten oder vermitteln.“ Bei der Durchsetzung der Platzverweise hinsichtlich des Alkoholverbots hätten sie schon mehrfach Vollzugshilfe von der Landes- und Bundespolizei erhalten. „Auch mit der Cottbuser Bereitschaftspolizei arbeiten wir gut zusammen“, so Steffen Haufe.

Ihr neuer Kollege oder die neue Kollegin wird allerdings erst am 1. November einsteigen. Noch bis zum 9. August läuft die Bewerbungsfrist. Die Ausschreibung macht deutlich, dass dieser Job kein Zuckerschlecken ist: Erwartet werden eine gute körperliche und mentale Verfassung, um Konfliktsituationen zu bewältigen und eine hohe Belastbarkeit. Der Umgang mit den städtischen Angestellten werde immer respektloser, wissen diese zu berichten. „Neben verbalen Attacken wird gerempelt, auch das Smartphone wurde uns schon aus der Hand geschlagen“, berichtete Haufes Kollege Olaf Krüger.

Klare Grenzen für Beamte

Jens Handreck verweist darauf, dass seinen Mitarbeitern bei ihrer Außendiensttätigkeit klare Grenzen gesetzt sind. „Wir sind nicht die Polizei“, so der städtische Odnungsamtschef. So würden sie darauf achten, dass Gesetze wie die Stadtordnung, die Hundehaltungsverordnung oder das Landesimmissionsschutzgesetz eingehalten werden. Bei Verstößen würden Platzverweise erlassen, in anderen Fällen Verwarngelder verhängt. Der Außendienst darf zudem nur im ruhenden Verkehr (zum Beispiel Einhalten der Parkordnung) eingreifen, für den fließenden Verkehr (wie Fahrradfahrer auf der falschen Seite) ist die Polizei zuständig.

Für das, was seine Mitarbeiter täglich auf den Straßen der Stadt leisten, hat Handreck großen Respekt. „Ich denke, das ist schon beispielgebend“, sagt er.