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| 14:55 Uhr

Besuch aus Potsdam in Forst
Was mit dem „vielen Geld“ passiert

 Vor dem Flachwaggon mit der Rollbocktechnologie im Innenhof des Textilmuseums: Bauministerin Kathrin Schneider, dahinter verdeckt Kulturministerin Martina Münch, Museumsleiterin Michaela Zuber, Museumsvereinschef Kristian Schmidt und Bürgermeisterin Simone Taubenek (v.l.).
Vor dem Flachwaggon mit der Rollbocktechnologie im Innenhof des Textilmuseums: Bauministerin Kathrin Schneider, dahinter verdeckt Kulturministerin Martina Münch, Museumsleiterin Michaela Zuber, Museumsvereinschef Kristian Schmidt und Bürgermeisterin Simone Taubenek (v.l.). FOTO: LR / Steffi Ludwig
Forst. Bau- und Kulturministerin informieren sich im Textilmuseum über Umbau und geben Tipps. Von Steffi Ludwig

Der Satz ist augenzwinkernd gemeint, aber auch ehrlich: „Was machen Sie mit dem vielen Geld?“, fragte die brandenburgische Bauministerin Kathrin Schneider (SPD) am Dienstagnachmittag. Gemeinsam mit Kulturministerin Martina Münch (SPD) besuchte sie das Brandenburgische Textilmuseum Forst – denn das Potsdamer Kabinett weilte an diesem Tag in Forst.

„Die 2,6 Millionen Euro sind ja wirklich ein Glücksfall für Forst“, sagte Kathrin Schneider und wurde lachend von der Forster Bürgermeisterin zurechtgewiesen: „Die 2,6 Millionen Euro waren für das Rad- und Reitstadion.“ Bei so viel Geld könne man schon mal durcheinanderkommen, meinte Taubenek. Denn Forst hatte Anfang April zunächst 7,42 Millionen Euro Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus 2018/19“ für das Textilmuseum erhalten und wenige Tage später 2,6 Millionen Euro für das Rad- und Reitstadion.

Nach einem Rundgang durch die Tuchmacherschauwerkstatt mit Webstühlen, Krempelmaschinen und vielem mehr schauten sich die beiden Ministerinnen den Innenhof des Museums an. Hier hatte der Museumsverein einen Flachwaggon, der einst als Werksbahnwagen im Harz gelaufen war, aufgearbeitet und zum 125. Jubiläum der Stadteisenbahn „Schwarze Jule“ im Vorjahr auf die ebenfalls erworbenen Rollböcke aufgesetzt. So soll das Prinzip der Rollbock-Technologie veranschaulicht werden, mit dem die „Schwarze Jule“ funktionierte.

Denn für die Lok der „Schwarzen Jule“, derzeit noch untergebracht im Feuerwehrgerätehaus Mitte, soll auf dem Innenhof ein neues Gebäude errichtet werden – ein Teil der Pläne für Umgestaltung und Weiter­entwicklung. Dafür sollen die bestehenden Garagen abgerissen werden, erläuterte Bauverwaltungsvorstand Heike Korittke. Dafür gebe es auch die Genehmigung der Denkmalschutzbehörde, da das gesamte Ensemble, auch der Innenhof, unter Denkmalschutz stehen. Zudem solle das Gebäude entlang der Bahnlinie wieder errichtet werden, wo auch der künftige Eingang des Museums eingerichtet werden soll. Problem sei noch, dass das Gelände an das Bahngelände grenze und hier noch Absprachen nötig seien.

Das große Gebäude des bisherigen Museums solle erhalten bleiben, erklärt Korittke. Denn neben der Schwarzen Jule soll auch das Archiv verschwundener Orte, bisher in Horno untergebracht, ins Museum einziehen. „Wir wollen ein modernes Museum haben, das den bautechnischen Anforderungen entspricht“, so Korittke. Inklusive Eigenmittel habe die Stadt 8,7 Millionen Euro zur Verfügung.

Momentan würden Schadstoffprüfungen durchgeführt. Bis Ende Mai sollte die Leistungsphase zwei, also die Vorplanung mit Kostenschätzung, fertig sein, und bis Ende des Jahres die Ausführungsplanung, sodass dann die Baugenehmigung an den Landkreis eingereicht und die Ausschreibungen gestartet werden können. Also sei ein Baustart vor 2021 wahrscheinlich nicht drin. Aber auch Bauministerin Schneider plädierte dafür, sich für die Planung Zeit zu nehmen.

Sie empfahl zudem, beim Ausstellungskonzept eine Verbindung zum Geopark Muskauer Faltenbogen zu ziehen. Denn, wie Verwaltungsvorstand Sven Zuber noch einmal darstellte, soll das Museum künftig einen regionaleren Fokus bekommen und neben der Textilindustrie und der Stadt- und Regionalgeschichte auch die Umbrüche der Region, unter anderem durch den Braunkohleabbau, einbeziehen. Auch die Verbindungen zu Polen sollen eine Rolle spielen. Der Landesmuseumsverband habe zudem vorgeschlagen, das Mammut von Klinge im Museum zu zeigen. Eine Nachbildung stehe im Forster Kreishaus. Landrat Harald Altekrüger (CDU), ebenfalls vor Ort, betonte jedoch schmunzelnd, das Mammut nicht hergeben zu wollen.

Auf jeden Fall brauche das Museum dann mehr als die derzeitigen rund 7000 Besucher jährlich und auch mehr aus ganz Brandenburg, sagte die Bürgermeisterin mit Blick darauf, dass auch die brandenburgische Bildungsministerin einmal das Textilmuseum besuchen solle.  

Kulturministerin Martina Münch empfahl, das neu aufgelegte Lausitz-Programm für den Strukturwandel zu nutzen, wo auch Kulturprojekte gefördert werden können. Auch das Interreg 5c-Programm sei geeignet, um Veranstaltungen mit den polnischen Partnern zu finanzieren.

 Vor dem Flachwaggon mit der Rollbocktechnologie im Innenhof des Textilmuseums: Bauministerin Kathrin Schneider, dahinter verdeckt Kulturministerin Martina Münch, Museumsleiterin Michaela Zuber, Museumsvereinschef Kristian Schmidt und Bürgermeisterin Simone Taubenek (v.l.).
Vor dem Flachwaggon mit der Rollbocktechnologie im Innenhof des Textilmuseums: Bauministerin Kathrin Schneider, dahinter verdeckt Kulturministerin Martina Münch, Museumsleiterin Michaela Zuber, Museumsvereinschef Kristian Schmidt und Bürgermeisterin Simone Taubenek (v.l.). FOTO: LR / Steffi Ludwig