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| 11:48 Uhr

Welche „Auslegeware“ für Stadion am Wasserturm?
Kunstrasen oder echtes Grün – Streit in Forst

 7400 Quadratmeter Kunstrasen wurden auf dem Fußballplatz am Turnerheim in Weißwasser verlegt. Schwerstarbeit leisteten die Mitarbeiter Ingo Glander und Sandro Garbow vom Allround Sportboden-System Berlin beim Ausrollen der langen Bahnen. In Forst wird derzeit noch über die künftige Spielfläche im Stadion am Wasserturm diskutiert.
7400 Quadratmeter Kunstrasen wurden auf dem Fußballplatz am Turnerheim in Weißwasser verlegt. Schwerstarbeit leisteten die Mitarbeiter Ingo Glander und Sandro Garbow vom Allround Sportboden-System Berlin beim Ausrollen der langen Bahnen. In Forst wird derzeit noch über die künftige Spielfläche im Stadion am Wasserturm diskutiert. FOTO: Rehle
Forst. Eine EU-Entscheidung könnte eines der wichtigsten Forster Sportstättenprojekte nachhaltig beeinflussen. Es geht um eine Grundsatzfrage. Befürworter und Kritiker bringen sich in Stellung. Von Sven Hering

„Nein, auf Kunstrasen spielt niemand gern. Schon wegen der Verletzungsgefahr.“ Klaus-Dieter Stenzel kennt die Bedenken vor allem der Freizeitkicker, wenn es um den umstrittenen Untergrund geht. „Kunstrasen ist viel stumpfer als Naturrasen, wenn man da mal hängen bleibt, kann das böse Folgen haben.“ Hautabschürfungen seien fast schon obligatorisch, ergänzt er.

So gehört Stenzel, der für die SPD in der Forster Stadtverordnetenversammlung sitzt, zu den vehementen Kritikern der Pläne, im neuen Stadion am Wasserturm einen Allwetterplatz – so die heute übliche Bezeichnung für die Kunstrasenfläche – anzulegen.

Jüngster Oberliga-Schiedsrichter

Stenzel ist dabei ein ausgewiesener Fußball-Fachmann. Im Jahr 1969 pfiff er als damals jüngster Oberliga-Schiedsrichter sein erstes Spiel in der Top-Liga der DDR. Es folgten 149 Begegnungen, später dann noch 29 Bundesliga-Einsätze auf Schalke, in Kaiserslautern oder Stuttgart. Auch international war er gefragt, vor allem sein Einsatz als Assistent in der Begegnung von Atletico Madrid gegen Manchester United ist ihm in Erinnerung geblieben.

Doch während diese Spiele in der Regel auf gepflegtem Naturrasen ausgetragen wurden, hat Stenzel auch andere Plätze kennengelernt. „Ich war viel in Berlin unterwegs, dort gibt es eine ganze Reihe von Kunstrasenplätzen“, berichtet er. „Doch besonders beliebt sind diese nicht.“

Hinzu kommt, dass die jüngste Debatte über ein mögliches (und dann wieder dementiertes) EU-Verbot von Spielflächen mit Granulat aus Mikroplastik für Verunsicherung gesorgt hat. Derzeit werden die kleinen Kügelchen, die als Füllmaterial auf den Kunstrasenplätzen verwendet werden, um gerade die Verletzungsgefahr zu verringern, untersucht. Erst wenn diese Ergebnisse vorlägen, soll es eine Empfehlung an die EU-Kommission geben.

Rathaus-Entscheidung steht noch aus

Im Forster Rathaus wird die Debatte allerdings gelassen gesehen. Noch sei keine Entscheidung über den künftigen Untergrund getroffen worden, heißt es aus der Verwaltung. Außerdem würden die Stadtverordneten mit einbezogen.

Das Votum von Klaus-Dieter Stenzel steht dabei bereits fest. Nicht nur wegen der Verletzungsgefahr. Er glaube, dass ein Naturrasen auf Dauer im Unterhalt die kostengünstigere Variante sei. „Natürlich muss man sich um ihn kümmern, aber auch ein Kunstrasenplatz braucht entsprechende Pflege, sonst ist er irgendwann nicht mehr zu gebrauchen.“

Doch komplett will sich Stenzel auch den Vorzügen eines Allwetterplatzes nicht verschließen. „Natürlich“, so sagt er, „bieten diese Plätze zum Beispiel im Winter die Möglichkeit, dort zu trainieren“, erklärt er. Deshalb wolle er den Allwetterplatz auch nicht generell verdammen. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir an anderer Stelle in der Stadt solch einen Platz anlegen – aber bitte nicht in unserer Hauptspielstätte im Stadion am Wasserturm.“

So sieht es auch Hans-Rainer Engwicht, der sich seit Jahren mit seiner Initiative Freunde des Stadions am Wasserturm für die Sanierung des Areals stark macht. „Wir benötigen keinen Hartplatz mittendrin“, hatte er gegenüber der RUNDSCHAU erklärt.

Für die Sanierung des Stadions in der Variante Allwetterplatz und der dazugehörigen Leichtathletikanlagen sind im Sportstättenkonzept der Stadt Forst rund eine Million Euro veranschlagt. Zusätzliche Freizeitsportanlagen wie eine Skateranlage oder ein Fitnessparcours schlagen laut Konzeption mit rund 282 000 Euro zu Buche. Der Neubau der Stadionbaracke ist mit rund 963 000 Euro eingepreist. Hinzu kommen Planungskosten für das gesamte Vorhaben in Höhe von rund 341 700 Euro.

Ein wenig Zeit bleibt der Stadt noch, um gemeinsam mit den Volksvertretern die beste Variante zu finden. Umgesetzt werden soll das Vorhaben in den Jahren 2021 und 2022. Auch der Landkreis Spree-Neiße ist mit einbezogen, weil das benachbarte Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium von den neuen Sportstätten profitieren soll.

 Zu der Zeit war Kunstrasen noch kein Thema: Der Forster Klaus-Dieter Stenzel (M.) leitete am 26. Juli 1978 bei einem Sportfest in Tettau ein Spiel der kubanischen Nationalmannschaft gegen Dynamo Dresden
Zu der Zeit war Kunstrasen noch kein Thema: Der Forster Klaus-Dieter Stenzel (M.) leitete am 26. Juli 1978 bei einem Sportfest in Tettau ein Spiel der kubanischen Nationalmannschaft gegen Dynamo Dresden FOTO: Steffen Rasche