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| 14:45 Uhr

Interesse für die Forster Historie
Geschichte in jüngeren Händen

 Kathleen Hergesell in der neuen Sonderausstellung, die am Sonntag eröffnet wird. Im Vordergrund eine große Reisetruhe des ehemaligen Sacroer Postillions Gottfried Semisch, im Hintergrund viele Fotos und Dokumente zur Forster Postgeschichte.
Kathleen Hergesell in der neuen Sonderausstellung, die am Sonntag eröffnet wird. Im Vordergrund eine große Reisetruhe des ehemaligen Sacroer Postillions Gottfried Semisch, im Hintergrund viele Fotos und Dokumente zur Forster Postgeschichte. FOTO: LR / Steffi Ludwig
Forst. Kathleen Hergesell leitet seit Kurzem den Heimatverein Forst-Nord. Sonntag Sonderausstellung. Von Steffi Ludwig

Kathleen Hergesell hält es bei ihrem Credo mit dem Spruch, den in abgewandelter Form schon einige Dichter benannt haben: Nur wer wisse, wie die Vergangenheit war, könne auch die Gegenwart verstehen und in die Zukunft schauen. Die 45-Jährige leitet seit November 2018 den Heimatverein Forst-Nord – und hat gerade mit dem 89-jährigen Gründer des Dorfmuseums Sacro, Reinhard Natusch, die aktuelle Sonderausstellung zur Forster Postgeschichte vorbereitet. Am Sonntag wird sie eröffnet.

„Wir wollten uns damit den Protesten der Bevölkerung zur Schließung der Post anschließen“, so Natusch, der bis vor einiger Zeit den Heimatverein selbst leitete. Am 19. Juni war das ehemalige Kaiserliche Postamt in der Berliner Straße geschlossen worden. Auch der gestandene Postgeschichtler Natusch hatte sich an diesem Tag noch einen Letzttag-Stempel geben lassen – und in seinem umfangreichen Archiv nach Wissenswertem zur Forster Posttradition gekramt. So hat er beispielsweise eine Postkutschentour mittels Belegen nachgestellt, die vom ehemaligen Postamt in der Gubener Straße unter anderem nach Drebkau oder Pförten verlief. Als „Sacroer Schatz“ bezeichnet er eine alte Reisetruhe, die dem Sacroer Gottfried Semisch gehört hat – der 1840 als Postillion in Forst tätig war.

Parallel laufen bereits die Vorbereitungen für die Museumsnacht im September, für die Kathleen Hergesell die Idee hatte, etwas zum Thema „Geburten auf dem Land“ vorzubereiten. Sie schaffte einen alten Arzneischrank heran und nutzte ihre Kontakte zu verschiedenen Medizinern. Zudem wurde eine ehemalige Hebamme, die fast 80 ist, gefunden, die über die damaligen Zeiten berichten kann.

Auch die Idee einer Weihnachtsausstellung hat die neue Vereinschefin, um das Dorfmuseum etwas aus dem Winterschlaf zu holen. Besonders wichtig sei ihr jedoch das Vorhaben, etwas mehr Geselligkeit und Gemeinschaft in den Heimatverein Forst-Nord zu bringen. Dafür ist nach der Sommerpause eine Gesprächsrunde angedacht, in der Wünsche und Ideen besprochen werden sollen, kündigt die 45-Jährige an, die ihr Amt von Wilfried Britze übernahm, der den Verein zeitweise leitete.

Im Verein ist die Naundorferin, die aus Cottbus stammt, erst seit etwa vier Jahren. Und der Beweggrund für den Eintritt war etwas kurios: „Meine Tochter sollte in der Schule eine Facharbeit über Naundorf schreiben. Und zu wem sollte man sonst gehen als zu Reinhard Natusch“, berichtet sie schmunzelnd. Sie befasste sich etwas näher mit dem Dorfmuseum und füllte dann auch gern den Aufnahmeantrag  aus, den ihr Natuschs Tochter Simone, ebenfalls Vereinsmitglied, überreichte.

„Ich habe mich schon immer stark für die Vergangenheit interessiert, war beispielsweise in der Schulzeit in der Geschichts-AG“, erzählt Kathleen Hergesell. Nun führt sie den 26-köpfigen Heimatverein, der die nördlichen Ortsteile Briesnig, Sacro und Naundorf umfasst. Und hofft unter anderem auf eine noch engere Zusammenarbeit mit dem Gut Neu Sacro. Dessen Vertreter ist Mitglied im Verein. Und zweimal wurden 2018 bereits auf Anregung des Dorfmuseums historische Gerichte in der Gutsküche gekocht.

 Kathleen Hergesell in der neuen Sonderausstellung, die am Sonntag eröffnet wird. Im Vordergrund eine große Reisetruhe des ehemaligen Sacroer Postillions Gottfried Semisch, im Hintergrund viele Fotos und Dokumente zur Forster Postgeschichte.
Kathleen Hergesell in der neuen Sonderausstellung, die am Sonntag eröffnet wird. Im Vordergrund eine große Reisetruhe des ehemaligen Sacroer Postillions Gottfried Semisch, im Hintergrund viele Fotos und Dokumente zur Forster Postgeschichte. FOTO: LR / Steffi Ludwig