ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:23 Uhr

Kommunalwahl 2019
Letzte Chance für die Stadt Forst

 Zum Wahlforum waren am Sonntag die Bewerber um einen Sitz in der Forster Stadtverordnetenversammlung in den Forster Hof eingeladen. Das Interesse an der zweistündigen Veranstaltung war groß.
Zum Wahlforum waren am Sonntag die Bewerber um einen Sitz in der Forster Stadtverordnetenversammlung in den Forster Hof eingeladen. Das Interesse an der zweistündigen Veranstaltung war groß. FOTO: Sven Hering
Forst. Beim Wahlforum offenbaren die Bewerber für das Stadtparlament viele Gemeinsamkeiten. Von Sven Hering

Die Arme blieben unten. Als Moderator Andreas Wolff am Sonntag nach zwei Stunden Wahlforum im Forster Hof von den zahlreichen Gästen wissen wollte, wer sich denn noch unsicher sei, an welcher Stelle er sein Kreuz bei der anstehenden Kommunalwahl in zwei Wochen setzen werde, meldete sich niemand im Saal.

Doch was sagt das aus? Hatten sich die zehn Bewerber um einen Sitz im nächsteN Stadtparlament an diesem Vormittag vergeblich bemüht, noch Wähler auf ihre Seite zu ziehen? Waren ihre Argumente nicht überzeugend genug? Oder sind sich die Forster einfach schon sehr sicher, welche Vertreter sie künftig in der Kommunalpolitik sehen wollen – und fühlten sich durch das Forum in ihrer Entscheidung bestätigt?

Fakt ist: Die Diskussion verlief zum größten Teil ausgesprochen sachlich. Und in den Sachthemen offenbarten die Parteienvertreter oder Einzelbewerber erstaunlich viele Gemeinsamkeiten.

Das fing bei der eigenen Motivation an, sich politisch in der Heimatstadt zu engagieren. „Ich möchte, dass sich die Stadt gut entwickelt“, erklärte Jens-Holger Wußmann (CDU). „Die Stadt zukunftsfähig machen“, kündigte Norman Nowka (Bürger für die Lausitz) an. „Wir brauchen eine attraktive Innenstadt“, erklärte Hermann Kostrewa (SPD). „Nur eine starke Wirtschaft wird es schaffen, Zuzug zu fördern“, betonte Konstantin Horn (AfD).

Bewohner anlocken, Tourismus stärken, Unternehmen ansiedeln – „ich bin für die Vermarktung der Stadt wie ein Produkt“, erläuterte Einzelbewerber Helmut Fleischhauer. „Schöner und lebenswerter“ will Thomas Friedrich (Piraten) die Stadt gestalten. Ihm schwebt zudem kostenloses WLAN an markanten Orten der Stadt wie im Ostdeutschen Rosengarten oder im Schwimmbad vor.

An die Eigenverantwortung appellierte Robert Schichor (Bündnis 90/Die Grünen). „Entscheidend ist, dass wir hier vor Ort ganz klare Ideen haben und nicht auf die Landespolitik schauen“, betonte er. Die Schwachen der Gesellschaft nicht aus dem Blick verlieren – das forderte Cornelia Janisch (Die Linke). Sie regte zudem die schrittweise Einführung einer kostenlosen Schulspeisung in der Stadt an.

Konkret wurde auch Jeff Staudacher (FDP). Es könne nicht sein, dass Forster Senioren mehrere Jahre auf eine altersgerechte Wohnung warten müssten. Hier setze er große Hoffnung in die neue Geschäftsführerin der Forster Wohnungsbaugesellschaft Dagmar Klinke, die vor wenigen Tagen ihre Arbeit aufgenommen hat.

Das war ein Punkt, den auch die anderen Kandidaten aufnahmen. „Aufzüge oder auch ein Portier, der sich um Anliegen der Mieter kümmert, das sind Dinge, die notwendig sind“, betonte CDU-Mann Wußmann.

Thomas Engwicht (Gemeinsam für Forst) verwies allerdings auch auf den hohen Schuldenberg der Stadt. Mit rund 40 Millionen Euro steht Forst in der Kreide. „Dieser Berg darf nicht weiter wachsen“, forderte er. Aus eigener Kraft werde Forst eine Entschuldung allerdings nicht schaffen, betonte Norman Nowka.  „Es muss deshalb ein Entschuldungsprogramm geben, wie es das Land für die kreisfreien Städte aufgelegt hat“, regte er an.

Einig waren sich die Bewerber schließlich auch in der Frage, dass künftig noch stärker gemeinsam im Sinne der Stadt agiert werden müsse. „Eine gute Idee ist eine gute Idee, egal wo sie herkommt“, so Konstantin Horn. „Wir wollen Forst voranbringen, das Gemeinsam ist uns dabei bisher zu kurz gekommen“, sagte Thomas Engwicht. Gemeinsam mit der Verwaltung um eine gute Sache zu kämpfen, das müsse das Ziel sein, betonte Helmut Fleischhauer.

Die nächste Bewährungsprobe wird dabei nicht lange auf sich warten lassen. Jeff Staudacher verwies auf den anstehenden Strukturwandel und die dabei in Aussicht gestellten finanziellen Hilfen. Diese möglicherweise letzte Chance müsse die Stadt Forst zwingend nutzen. „Wenn wir das nicht schaffen“, so erklärte er, „werden wir als Region abgehängt.“

 Die Kandidaten für einen Sitz in der Forster Stadtverordnetenversammlung mit den beiden Moderatoren Saskia Stahn und Andreas Wolff.
Die Kandidaten für einen Sitz in der Forster Stadtverordnetenversammlung mit den beiden Moderatoren Saskia Stahn und Andreas Wolff. FOTO: Sven Hering