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| 01:37 Uhr

Forst kämpft um Tonnen alten Stahls

Schienenstrang mit Tücken – Jule-Gleis am Textilmuseum. Foto: Jan Selmons
Schienenstrang mit Tücken – Jule-Gleis am Textilmuseum. Foto: Jan Selmons FOTO: Jan Selmons
Forst. Mit einem Planungskonzept strebt die Stadt Forst eine Übereinkunft mit dem Brandenburgischen Amt für Denkmalpflege über die Zukunft der Jule-Gleise an. Das Konzept kategorisiert die Gleisreste nach der Möglichkeit, den als historisch wertvoll eingestuften alten Stahl aus den Straßen zu entfernen. Trotz des vorliegenden Papiers droht ein Ringen um jeden Zentimeter. Denn mancher Strang soll in die sanierte Straßen wieder eingebaut werden. Von Jan Selmons

Der Streit dreht sich um 14 Gleisabschnitte der früheren Forster Stadteisenbahn mit einer Gesamtlänge von 2,7 Kilometern. Davon ist der längste Abschnitt etwa 675 und der kürzeste 15 Meter lang. Mit dem Eintrag in die Denkmalliste im Jahr 2006 hatte der Streit zwischen der Stadt und dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege begonnen. Denn die Tonnen alten Stahls in den Straßen sind damit geschützt. Würden im Auftrag der Stadt von einer Firma die Schienen aus der Straße entfernt, käme dies der Zerstörung eines Denkmals gleich. Doch Straßen müssen gebaut werden.

Mit dem am Donnerstag im Bauausschuss vorgestellten Konzept will die Stadt einen Kompromiss mit den Denkmalbehörden finden. “Denn das Verfahren ruht derzeit nur„, sagt Verwaltungsvorstand Heike Baerwald. Für das Konzept hat ein Planungsbüro die Schienenabsschnitte kategorisiert und bewertet. Doch damit ist die Forster Jule noch nicht vom Gleis. Denn wenn Straßen mit Stadtbahn-Gleisen erneuert werden, wird erneut gefeilscht. Heike Baerwald: “Für jede Gleisanlage muss ein Antrag gestellt werden.„ Die Stränge sind folgendermaßen kategorisiert.

A-Abschnitte, bei denen die Schienen im Boden bleiben können, da dies besonders wichtige Abschnitte sind und die Straße nicht saniert werden muss.

B-Abschnitte, bei denen eine Herausnahme der Schienen wegen des Straßenbaus notwendig ist und die Schienen wieder verlegt werden.

C-Abschnitte, bei denen die Schienen durch eine Sanierung der Straße herausgenommen und auf Grund des Zustandes nicht wieder verlegt werden. Hier soll eine Kennzeichnung auf der neuen Straßendecke erfolgen.

D-Abschnitte, bei denen die Schienen durch eine grundhafte Sanierung der Straße herausgenommen und auf Grund des Zustandes nicht wieder verlegt werden und wo nach Dokumentation auf eine Kennzeichnung auf der neuen Straßendecke verzichtet wird.

Unter die Kategorie A fallen demnach die Gleise am Textilmuseum und in der Alexanderstraße. Allerdings sind fünf Teilstücke mit der Kategorie B bewertet worden. Dazu gehören die Gleise an der Heinrich-Werner-Straße, der Albertstraße, an der Max-Fritz-Hammer-Straße, Planckstraße und der Kirchstraße. Lothar Lischke (FDP) kann zunächst mit dem Konzept leben. “Wir sollten das Papier als Grundlage nehmen„, sagt der Stadtverordnete. Rainer Kliche (SPD) kritisiert den zunehmenden Papierkram, der zu bewältigen ist. Der Bauausschuss hat am Donnerstagabend für den Plan gestimmt.

Zum Thema:

Die Forster Stadteisenbahn war 1893 bis 1965 in Betrieb. Sie versorgte Fabrikhöfe der Tuchindustrie mit Rohstoffen. Das Schienennetz maß 24 Kilometer. Sie war auch zur Versorgung der städtischen Bevölkerung mit Braunkohle zuständig. Rollbockverfahren betrieben.Die einzige erhaltene Lok steht heute im Verkehrsmuseum Dresden.