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| 15:39 Uhr

Seniorengerechte Stadt?
Forst kämpft mit dem Älterwerden

 Mittelinseln, wie hier in Forst direkt an der Post, sollen gerade älteren Fußgängern das Überqueren der Straßen erleichtern.
Mittelinseln, wie hier in Forst direkt an der Post, sollen gerade älteren Fußgängern das Überqueren der Straßen erleichtern. FOTO: Sven Hering
Forst. In Forst fehlen altsgerechte Wohnungen. Senioren müssen noch besser vor Kriminalität geschützt werden. Das sind zwei Themen, die die Forster Bürgermeisterin mit dem Seniorenbeirat diskutiert hat. Von Sven Hering

Die erste Hürde machte die Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek (parteilos) schon vor der Veranstaltung ausfindig: Die Türen des Kompetenzzentrums, in dem an diesem Tag der Seniorenbeirat seine Mitgliederversammlung abhielt und die Bürgermeisterin als Ehrengast eingeladen war, öffneten sich nicht automatisch. Für die Rathauschefin war das zwar kein Problem. Für Leute, die auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind, schon. Und so nutzte Simone Taubenek dann wenig später vor versammelter Runde dieses Beispiel für eine Bestandsaufnahme: Es gebe noch sehr viel zu tun, um Forst zur seniorengerechten Stadt umzubauen. Die Herausforderungen seien immens. Und das 40-Millionen-Euro-Loch im städtischen Haushalt nicht unbedingt förderlich, lautete ihre Analyse.

Helmut Ließ, Vorsitzender des Seniorenbeirats, warnte dann auch vor überzogenen Erwartungen. „Wir können ja nicht die ganze Stadt umbauen lassen. Da muss ein vernünftiger Kompromiss gefunden werden“, sagte er.

Ein Ansatz: „Wir versuchen, Barrierefreiheit immer dann umzusetzen, wenn im Rahmen von Sanierungen oder Instandsetzungen Straßen und Gehwege neu gestaltet werden“, erklärte die Bürgermeisterin. Mittelinseln seien zum Beispiel eine gute Lösung, um älteren Menschen das Überqueren von stark frequentierten Straßen zu erleichtern.

Damit war die Forster Rathauschefin auch schon bei einem wichtigen Punkt – dem Verkehr: „Es gibt immer wieder punktuell Bereiche, in denen sich Autofahrer nicht an die Regeln halten. Auch Senioren sind darunter“, stellte sie fest. Eigene Beobachtungen schilderte die Verwaltungschefin ebenfalls: „Gerade vor Physiotherpiepraxen sehe ich häufig Senioren, bei denen ich mich frage, ob sie noch in der Lage sind, ein Fahrzeug zu führen.“ Es gebe  dazu keine gesetzlichen Regelungen, aber die Möglichkeit der freiwilligen Entscheidung. Simone Taubenek kündigt an: „Im Rahmen unseres Verkehrssicherheitstages im Mai werden wir dazu einige Angebote machen.“

Kriminalität: Senioren sind besonders häufig Opfer von Straftaten. Vor allem der Enkeltrick ist weit verbreitet. Das war keine neue Erkenntnis, die den Mitgliedern des Seniorenbeirats vermittelt wurde. Die Ausmaße dann aber vielleicht schon: „Manchmal“, so verriet die Bürgermeisterin und ehemalige Polizistin, „geht es dabei um bis zu 100 000 Euro Schaden.“ Die Polizei habe deshalb die Geldinstitute gebeten, bei ungewöhnlich hohen Summen, die von älteren Menschen abgehoben werden sollen, die Gründe zu hinterfragen. „Den Senioren kann ich bei solchen Anrufen nur raten: Telefonhörer auflegen!“

 Die Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek (l.) war der Einaldung des Seniorenbeirats um dessen Vorsitzenden Helmut Ließ (r.) gefolgt.
Die Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek (l.) war der Einaldung des Seniorenbeirats um dessen Vorsitzenden Helmut Ließ (r.) gefolgt. FOTO: Sven Hering

Wohnen: Der Bedarf an altersgerechtem Wohnraum in Forst ist hoch – und wird in den nächsten Jahren noch deutlich wachsen. Helmut Ließ schilderte ein Beispiel: „Wer in der Banane (gemeint ist die DRK-Wohnanlage an der Groeschke-Straße/Mattig-Weg) eine Wohnung haben möchte, der muss sich auf Wartezeiten von bis zu vier Jahren einstellen.“ Simone Taubenek sieht hier eine enorme Herausforderung: „Wir müssen neue Konzepte angehen, Förderprogramme abrufen“, betonte sie. „Und wir dürfen die Ortsteile nicht vergessen.“