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| 18:44 Uhr

Erste Messe in der Sprache der Nachbarn
Forst Heimat für polnische Katholiken

Es gibt wieder Kinder in der katholische Kirchgemeinde Forst: Die Eltern von Szymon, Patryk, Lena, Finn, Esmeralda (vorn), Martyna und Amelia (hinten) stammen zum Teil aus Polen.
Es gibt wieder Kinder in der katholische Kirchgemeinde Forst: Die Eltern von Szymon, Patryk, Lena, Finn, Esmeralda (vorn), Martyna und Amelia (hinten) stammen zum Teil aus Polen. FOTO: Schwester Victoria
Forst. Erstmals wird am Sonntag in Forst eine Heilige Messe in polnischer Sprache gefeiert. Von Katrin Kunipatz

Es gibt wieder mehr Kinder in der katholischen Kirchgemeinde. Insgesamt 24 Schüler zwischen der ersten und zehnten Klasse besuchen bei Schwester Victoria den Religionsunterricht. Als sie vor drei Jahren kam, waren es gerade mal 14 Kinder. Im Gemeindehaus an der Herz-Jesu-Kirche sitzen sie an den Tischen, hören die Geschichten, reden. Spielerisch geht es vor allem bei den Jüngsten zu, so die Gemeindereferentin. Ein entscheidender Grund – die Kinder lernen noch Deutsch. Tatsächlich haben 21 ihrer 24 Schüler polnische Wurzeln, so Schwester Victoria. „Polnische Familien ziehen nach Deutschland, um hier zu arbeiten und zu leben“, berichtet sie. Dementsprechend gehen die Kinder in Forst zu Schule. Der katholische Religionsunterricht gehört selbstverständlich dazu. 197 der 580 in Forst gemeldeten Katholiken sind zugezogene Polen.

Schwester Victoria sieht in diesen jungen Familien eine große Chance für die katholische Kirchgemeinde, aber auch für die Stadt Forst. „Die Familien wollen sich einbringen, bei den Arbeitseinsätzen oder dem Gemeindefest sind sie dabei“, sagt sie. Seit Langem gibt es sogar wieder Ministranten. Jedoch ist die Sprachbarriere groß. Während die Kinder in der Schule schnell Deutsch lernen, falle es den Eltern schwerer. Sie hätten weniger Gelegenheit, weil im Umfeld meist polnisch gesprochen wird. „Doch Sprache ist Heimat“, sagt Schwester Victoria.

Um den aus Polen zugezogenen Katholiken in der Fremde ein Stück Heimat zu bieten, entschieden sich Pfarrer Daniel Laske und Schwester Victoria am kommenden Sonntag erstmals in Forst eine Heilige Messe in polnischer Sprache zu feiern. Kaplan Adam Kazmierski wird diese Aufgabe übernehmen. Er stammt aus der Diözese Breslau und ist im Moment im sächsischen Wittichenau eingesetzt.

Es ist aber nicht nur die Sprache, bei der sich deutsche und polnische Katholiken unterscheiden, hat Schwester Victoria festgestellt. Zwar gebe es ein römisch-katholisches Brauchtum, aber in Details weichen Rituale voneinander ab. So sei in Deutschland die Handkommunion üblich. In Polen dagegen empfangen die Katholiken die geheiligten Gaben von Brot und Wein in den Mund. „Andererseits kennen die polnischen Kinder den Adventskranz, das Christkind oder St Martin nicht.“ In ihrem Ursprung seien es protestantische Traditionen, die in Deutschland von der katholischen Kirche übernommen wurden und heute selbstverständlich sind. Dafür verehrt man in Polen andere Heilige. „Ich brauche ein weites Herz und bin offen für die anderen Traditionen“, sagt die Gemeindereferentin. Der Lernprozess bringe beide Seiten zueinander.