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| 14:24 Uhr

Abschied von der „Höllen-Piste“
Guiseppe Atzeni sagt „Tschüss!“

9. Dernycup in Forst FOTO: Margit Jahn
Forst. Beim Dernycup in der Forster Innenstadt wurde wieder spannender Sport geboten.

Es war der erste kleine Abschied auf der „Hölle von Forst-Piste“. Der Abschied von einem Ausnahme-Sportler, aber auch einem „Prinz Charming“, der er für die Forster gewesen ist: Guiseppe Atzeni bestritt am Pfingstsonnabend inmitten von 16 Gespannen sein letztes Dernyrennen in der Forst Innenstadt unter frenetischem Jubel und so manch einer heimlichen Träne im Knopfloch. Erfreute der Schweizer, der so eng mit Forst verbunden ist, doch die Forster seit Jahren mit hochprofessionellem Radsport, aber auch einer sehr sympathischen Art, die ihn schnell zum Publikumsliebling machte. Und er lieferte bis zum Schluss ein packendes Rennen.

Er habe sich etwas geschont für das Steherrennen am Sonntag, antwortete er lächelnd auf die Frage, was er sich für den Wettkampf auf der Rennbahn vorgenommen habe. Auf alle Fälle lud er am Ende alle Zuschauer zu einer großen Party mit Freibier nach dem Rennen ein, was jubelnd und unter großem Applaus angenommen wurde.

Das Rennen am Samstag war an Spannung nicht zu überbieten. Paul Schubert, 19 Jahre und im Rollstuhl sitzend, ist seit vielen Jahren begeisterter Radsportfan, mit Mutter und Oma immer dabei und verpasst kein Rennen. Er sagte: „Ich fand das Rennen, gerade die Schlussphase, sehr spannend, weil gefühlt gab es in jeder Runde Positionswechsel. Man wusste nie, wer liegt jetzt vorne, wenn sie auf die Start-Ziel-Linie eingebogen sind.“ Am Ende ließ er sich mit Guiseppe Atzeni fotografieren und sagte ihm, das er ihm viel Glück für den Sonntag wünschte. „Es hat Spaß gemacht, ihm bei den Rennen, die er gefahren ist, zuzuschauen.“ Fairerweise sagte Schubert dann: „Ich als Forster muss aber natürlich unseren Lokalmatador Stefan Schäfer unterstützen. Sehr schade fand ich, das der englische Fahrer Matt Gittings nach seiner Radpanne nicht mehr zum Zuge gekommen ist.“ Er hatte Probleme mit den Bremsen, musste im ersten Lauf aufhören und kam im zweiten Rennen mit dem Ersatzrad nicht klar.

Karin Menzel vom PSV 1893 Forst war am Ende begeistert vom guten Wetter für Sportler und Zuschauer, aber auch vom „Fette-Reifen-Rennen“ des Nachwuchses zu Beginn des Nachmittages. „63 Mädchen und Jungen bis elf Jahre wollten in diesem Jahr dabei sein – an Nachwuchs mangelt es also nicht. Bleibt zu hoffen, dass die Kinder auch an nicht so guten Tagen durchhalten und ihr Hobby nicht vorschnell aufgeben, auch wenn es mal ein paar Blessuren gibt, wie für zwei kleine Radler am Nachmittag, die mit ihrem Rad gestürzt sind.“

Der „große Nachwuchs“ konnte sich auch beim Rennen beweisen. „Vom gerade 19-jährigen Jonas Onnecken aus Forst, der sein erstes Dernyrennen bestreitet, bis zu Franz Schiewer, dem Doppel-Europameister der Steher, über Stefan Schäfer, der die Forster Runde komplett macht, war spannender Sport zu erleben. Nicht zu vergessen Giuseppe Atzeni, der sich vom internationalen Renngeschehen verabschiedet“, zog Karin Menzel ein Fazit.

 Für Guiseppe Atzeni (2. v. r.) reichte es hinter Schrittmacher Thomas Baur bei seinem letzten Start in Forst für den 3. Platz, hinter den Duos Franz Schiewer/Gerd Gessler (M.) und Reinier Honig/Matte Pronk.
Für Guiseppe Atzeni (2. v. r.) reichte es hinter Schrittmacher Thomas Baur bei seinem letzten Start in Forst für den 3. Platz, hinter den Duos Franz Schiewer/Gerd Gessler (M.) und Reinier Honig/Matte Pronk. FOTO: Margit Jahn

Zwischen den Dernyrennen gingen die Hobbyfahrer mit 20 Runden an den Start und lieferten ebenfalls ein spannendes Rennen. Sieger war der junge Florian Podlesch, der erst seit einem Jahr dabei ist, aber scheinbar ganz wie sein Vater hohe Ziele hat.

Weitere eiserne Radsportfans am Straßenrand waren Marlies und Anita Krüger. Mutter und Tochter lassen kein Rennen aus, während die Männer zu Hause sind. „Hier treffen wir viele Bekannte, die wir Jahrelang kennen“, so ein wichtiger Beweggrund für Marlies Krüger, immer dabei zu sein. „Hier ist alles schön, weil es gut gemischt ist“, fügt Mutter Anita begeistert hinzu.

Daneben stehen Karl Lauterbach (16) und Zoe Dittmann (16). „Wir sind nicht direkt wegen des Dernyrennens hier, sondern wegen eines Freundes“, sagt Karl. Und dieser Freund ist Florian Podlesch. Offensichtlich hat das Daumendrücken und Anfeuern der beiden Freunde geholfen. „Wenn meine Eltern auf die Rennbahn gegangen sind, sind wir mitgegangen, das ist ja schon Tradition in Forst“, sagt Florian überzeugt. Wem er den Sieg wünscht? „Ich bin neutral, möchte zu Forst stehen. Aber cool waren immer Guiseppe Atzeni und seine pinken Anzüge. Deshalb habe ich ihn auch gefeiert.“

9. Dernycup in Forst FOTO: Margit Jahn
(M. Jahn)