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Forst geschnitzt und gemalt

Das monumentale Holzrelief "Forst (Lausitz) vor 1945" von Max Wahnberger bildet das Zentrum der Sonderausstellung im Brandenburgischen Textilmuseum Forst. Auch zeitgenössische Werke sind zu sehen.
Das monumentale Holzrelief "Forst (Lausitz) vor 1945" von Max Wahnberger bildet das Zentrum der Sonderausstellung im Brandenburgischen Textilmuseum Forst. Auch zeitgenössische Werke sind zu sehen. FOTO: Steffi Ludwig
Forst. Eine neue Sonderausstellung im Forster Textilmuseum zeigt Werke aus der Kunstsammlung des Hauses. Autoren sind Künstler, die in der Rosenstadt geboren sind oder dort zeitweise gelebt haben – wie der Berliner Maler Otto Nagel. Steffi Ludwig

Schon wegen seiner Größe bildet es das Zentrum der Ausstellung, das monumentale Holzrelief mit der Stadtansicht von Forst vor 1945. Geschaffen von Max Wahnberger, der nach einer Kriegsverletzung aus dem Ersten Weltkrieg mit dem Schnitzen angefangen hatte, zeigt es ein prachtvolles Panorama der Rosenstadt.

Gleich nebenan geht es heutiger zu: "Forschte Helau" grüßt ein farbenfroher Clown, den der Forster Maler Manfred Gebhardt (81) 2011 geschaffen hat. Daneben zeigt das Bild "Froschbrunnen mit Gast ", wie die beliebte Skulptur im Forster Rosengarten, die im August 2016 abgeschlagen worden war, nach ihrer Sanierung bald wieder aussehen wird. Das Bild ist ebenfalls von Gebhardt, der auch zur Ausstellungseröffnung gekommen ist. Er gehörte damals neben Erwin Kurtze und Jürgen Roy zu den sogenannten Donnerstagsmalern, der Arbeitsgemeinschaft "Bildende Kunst" des Kulturbundes der DDR, berichtet Museumsleiterin Michaela Zuber in ihrer Eröffnungsrede.

Wie viele Künstler es gibt, die mit Forst durch Geburt, spätere Lebensabschnitte oder bestimmte Motive in Verbindung stehen, könne sie nicht genau beziffern, so Michaela Zuber. Zunächst habe sie 30 auf ihrer Liste gehabt, die Zahl sei jedoch immer mehr gestiegen. Und es gebe auch jede Menge weißer Flecken.

Denn das alte Forster Museum aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg habe nur einen kleinen Bestand an Kunstwerken gehabt, der auch mehr oder weniger unversehrt den Krieg überstanden habe. Ebenfalls nur recht wenig Kunstwerke existierten aus der Zeit zwischen 1950 und 1989. Die größte Bereicherung habe die Kunstsammlung erst nach 1989 erlebt, da sich einerseits die Stadt und die Abgeordneten zum Museum und dessen Ausbau bekannt hätten, so Michaela Zuber.

Zudem sei es dann einfacher geworden, an historische Kunstwerke heranzukommen, auch durch die modernen Medien. Und nicht zuletzt gebe es seit einigen Jahren Sponsoren, die größere Ankäufe - wie zum Beispiel die Sammlung mit Werken von Richard Flockenhaus - unterstützt haben. Der Forster Museumsverein habe sich außerdem das Ziel gesetzt, auch Werke von zeitgenössischen Forster Künstlern anzukaufen.

Die neue Ausstellung soll ein Querschnitt dessen sein, was im Kunstmagazin des Textilmuseums verborgen ist. Zu sehen sind unter anderem Werke von Willi Jennrich, dessen Tochter 2006 dem Museum den gesamten verbliebenen künstlerischen Nachlass vermachte. Oder von Carl Sellge, der sich wie mit seinem "Klatschmohn" (Tuschezeichnung von 1900) auf Blumengemälde spezialisiert hat und damit bereits 1913 bei der Rosen- und Gartenausstellung (Ruga) in Forst vertreten war.

Aber auch eher ungewöhnliche Künstler, die mit Forst nicht sofort verbunden werden, wie der Berliner Maler Otto Nagel, sind ausgestellt. Denn er und seine Frau seien wegen seines Widerstands gegen die Nationalsozialisten in Berlin Repressalien ausgesetzt gewesen und hätten so von 1943 bis 1945 in Forst Unterkunft gefunden. "Auf diese Weise entstanden auch Bilder mit Forster Motiven", so Michaela Zuber.

Das Forster Kunstmagazin sei nun keinesfalls leer, sagte die Museumsleiterin - solch eine Art Ausstellung könnte durchaus wieder stattfinden. Allerdings sei ein Teil der Bilder in einem schlechten Zustand, weshalb Spenden, die bei der Ausstellung zusammenkommen, für die Restaurierung eines oder mehrerer Kunstwerke genutzt werden sollen.

Geöffnet: Die Sonderausstellung ist bis zum 25. Juni im Forster Textilmuseum zu sehen. Danach ist eine Ausstellung zu Selbstgemachtem aus DDR-Zeiten geplant. Geöffnet ist das Museum dienstags bis donnerstags von 10 bis 17 Uhr und freitags bis sonntags und feiertags von 14 bis 17 Uhr.