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| 18:17 Uhr

Eisenbahn
Forst feiert seine „Schwarze Jule“

Eine Überraschung für die Besucher: Jessica I. und die Showgruppe „Ravenchild“ in ihren endzeitlich anmutenden Kostümen enthüllten gemeinsam einen Waggon der auf Rollböcke aufgesetzt ist.
Eine Überraschung für die Besucher: Jessica I. und die Showgruppe „Ravenchild“ in ihren endzeitlich anmutenden Kostümen enthüllten gemeinsam einen Waggon der auf Rollböcke aufgesetzt ist. FOTO: Thoralf Haß
Forst. Aktionstag im Stadtgebiet mit Eröffnung der Sonderausstellung und Filmpremiere.

„Ihr habt heute eine tolle Show gemacht“, lobte Christian Menzel, akademischer Mitarbeiter im Lehrstuhl Eisenbahnwesen an der BTU Cottbus und erklärter Liebhaber der Forster Stadteisenbahn, am späten Abend die Organisatoren vom Museumsverein Forst für die vorangegangenen Stunden. Anlässlich des 125jährigen Jubiläums der Gründung der Forster Stadteisenbahn, im Volksmund manchmal liebevoll, manchmal ehrfürchtig „Schwarze Jule“ genannt, gab es einen zweigeteilten Aktionstag im Forster Stadtgebiet.

Schwarzen Jule feiert 125 Jahre FOTO: Thoralf Haß

Eröffnet wurde das Fest um 11Uhr in der Halle des Feuerwehrgerätehauses Mitte. Hier steht das einzig verbliebene Objekt der Begierde vieler Eisenbahn-Fans, Historiker, Technik-Freaks und natürlich auch der Forster – die Original-Lok der Stadteisenbahn mit der Betriebsnummer 36. Erbaut wurde das Ungetüm im Jahr 1893, dem Gründungsjahr der Forster Bahn.

In Anwesenheit der Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek und der Forster Rosenkönigin Jessica I. begrüßte Kristian Schmidt, Vereinsvorsitzender des Museumsverein der Stadt Forst, zahlreiche Forster und Gäste der Stadt. Viele Eisenbahn-Liebhaber aus Nah und Fern nahmen den Weg nach Forst, um sich die seltene Gelegenheit der öffentlichen Präsentation der Jule nicht entgehen zu lassen. „Ich appelliere an die Forster Stadtverordneten, ihren Beschluss aus dem Jahre 2016 schnellstmöglich umzusetzen, damit dieses Provisorium ein Ende hat“, so Schmidt in seiner Rede. Die Lok sei nur eine Leihgabe des Dresdner Verkehrsmuseums, befristet auf zunächst 15 Jahre mit der Vereinbarung, die Lok einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Von diesen 15 Jahren sind bereits sechs Jahre ins Land gegangen, ohne dass sich an der Ausgangslage etwas geändert habe.

Auch Simone Taubenek stieß in ihren Grußworten in die gleiche Kerbe und will sich dafür stark machen, dass die Jule endlich einen würdigen Platz für eine ständige Präsentation bekommt. Dazu möchte sie auch das Land Brandenburg und den Bund ins Boot holen. „Die Jule ist eine Bereicherung für die Region und könnte ein Anziehungsmagnet für die Stadt werden“, so Taubenek.

Am Nachmittag verlagerte sich das Geschehen ins Brandenburgische Textilmuseum. Auf dem Hof des Museums hatte der Verein die erste Überraschung vorbereitet: Jessica I. und die Showgruppe „Ravenchild“ in ihren endzeitlich anmutenden Kostümen enthüllten gemeinsam einen Waggon, der auf Rollböcke aufgesetzt ist. Eindrucksvoll und verständlich lässt sich so das Prinzip der Rollbock-Technologie veranschaulichen.

Im Treppenhaus des Museums warteten unterdessen die ersten Besucher auf die Eröffnung der neuen Sonderausstellung „125 Jahre Forster Stadteisenbahn“. Gezeigt werden neben Schautafeln mit vielen Fotos, Gleisplänen und den Vorschlägen zum Aus- bzw. Umbau des Museum auch Original-Zubehör wie eine Signalglocke oder die große Bahnhofsuhr. Hingucker besonders für die kleinen Besucher sind die Modellbahnanlagen. Dabei zog vorallem der Nachbau des ehemaligen Stadtbahnhofes die Blicke auf sich. „Bis kurz vor Ausstellungsbeginn haben wir noch an den Modellen gewerkelt damit es authentisch aussieht“, so Volker Böhme vom Modellbahnclub Forst.

Besonders groß war der Andrang auf die Premiere des Filmes „Die Schwarze Jule – eine Eisenbahnlegende aus Forschte“. Nicht alle Zuschauer fanden in dem kleinen zum Kinosaal umgerüsteten Raum einen Platz. Viel Lob von den Zuschauern gab es nach der Premiere. „Der Film ist einmalig schön“, hörten die Filmemacher nach der Vorführung immer wieder. Viele bedankten sich auch dafür, dass die Geschichte der Jule für die nachfolgenden Generationen filmisch aufgearbeitet und somit konserviert wurde.

Sehr zufrieden mit der Resonanz zeigte sich am Abend Museumsvereinschef Kristian Schmidt. „Ich denke, es war ein gelungener Aktionstag mit vielen Höhepunkten. Der Zuspruch und das Lob der vielen Gäste freut uns natürlich sehr. Nur leider haben wir keinen unserer Stadtverordneten unter den Besuchern entdecken können“, bedauert Schmidt das geringe Interesse seitens der Abgeordneten für dieses Unikat der Forster Industriegeschichte.

(Haß)