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| 16:39 Uhr

125 Jahre Stadteisenbahn
Zum Jule-Jubiläum gibt es eine Zeitreise durch Forst

Uwe Zeihser präsentieren die DVD und Frank Junge den Kalender zum Jubuiläum. Anhand von einem Güterwagen sowie von Rollböcken soll  auf dem Museumshof demonstriert werden, wie normale Güterwaggons auch auf den Kleinbahngleisen durch die Stadt gerollt werden konnten.
Uwe Zeihser präsentieren die DVD und Frank Junge den Kalender zum Jubuiläum. Anhand von einem Güterwagen sowie von Rollböcken soll auf dem Museumshof demonstriert werden, wie normale Güterwaggons auch auf den Kleinbahngleisen durch die Stadt gerollt werden konnten. FOTO: Thoralf Haß
Forst. Vor 125 Jahren ging die nahezu einzigartige Stadteisenbahn in Betrieb. Am Samstag wird gefeiert. Und einige Enthusiasten lassen sie filmisch lebendig werden. Von Thoralf Haß

Die Forster Stadteisenbahn, im Volksmund „Schwarze Jule“ genannt, kann auf eine 125-jährige Tradition zurückblicken: Am 31. Mai 1893 wurde die Stadteisenbahn feierlich eingeweiht und belieferte mehr als 70 Jahre lang die Forster Fabriken mit Kohle und anderen Rohstoffen, transportierte die hergestellten Waren sowie angefallene Abfälle ab und wurde zur Trümmerbeseitigung nach Kriegsende eingesetzt. Übrig geblieben ist von dieser einmaligen logistischen Lösung das europäisch nahezu einmalige Ensemble von Teilen des denkmalgeschützten Betriebsbahnhofes, 14 unter Schutz gestellte Gleisabschnitte mit insgesamt 2,7 Kilometern Gesamtlänge der 1000 mm Spurweite, eine noch teilweise erhaltene ehemalige Industriestruktur und die 1893 gebaute Lok Nr. 36.

Der Museumsverein der Stadt Forst nimmt das Jubiläum zum Anlass, diesen zeitlichen Abschnitt der Forster Stadt- und Industriegeschichte besonders zu würdigen. Im März 2017 bildete sich unter der Obhut des Museumsvereins eine Arbeitsgruppe, die Ideen für eine fachlich fundierte Aufarbeitung der Betriebsabläufe der Stadteisenbahn sammeln sollte.

Angedacht war zunächst eine Art virtueller Zeitstrahl, der im Museum die wichtigsten Zeitabschnitte der Stadteisenbahn verbildlichen sollte. Dazu wurde im Stadt- und Kreisarchiv nach Dokumenten und historischen Fotos recherchiert, ebenso wurden Heimatforscher angesprochen, die ihre Sammlungen nach einmaligen Exponaten durchforsten sollten. Schnell wurde jedoch klar, dass das angesammelte Material viel umfangreicher ist, als Platz für den Zeitstrahl zur Verfügung steht. Die AG unter Leitung von Uwe Zeihser suchte nach Alternativen und brachte die Idee einer filmischen Dokumentation ins Spiel.

„Wir wollten einen kleinen Film von etwa 30 Minuten Länge herstellen“, sagt Uwe Zeihser. Dazu sollten alte Gleispläne abgefahren werden, der jetzige Zustand gefilmt und später mit historischen Aufnahmen verglichen werden. Kameramann und Drehbuchautor Frank Junge, bekannt für seine „Forst von Oben“-Videos, tüftelte ein wenig am Computer, wie sich historische und heutige Aufnahmen miteinander verbinden lassen. Seine Idee der Überblendtechnik sorgte innerhalb der Arbeitsgruppe für Erstaunen. Auf Probeaufnahmen konnte man die „Schwarze Jule“ von damals im Stadtbild von Heute erkennen.

Aber wie sollte man den Forstern diese Aufnahmen zugänglich machen? Schnell war man sich innerhalb der achtköpfige Arbeitsgruppe einig, eine Chronik über die vergangenen 125 Jahre zu erstellen und das vorhandene Bildmaterial als Film auf eine DVD zu pressen. Aus den ursprünglichen 30 Minuten Film wurden erst 45, letztendlich 60 Minuten Sendezeit. So konnten auch die gefilmten Interviews mit Zeitzeugen untergebracht werden.

Kristian Schmidt, Vereinsvorsitzender des Museumsvereins, behielt während der Produktionsphase des Filmes die Kosten und den Zeitplan im Auge und gab auch die Richtung vor: „Wir wollten keine weitere Folge von ,Eisenbahn-Romantik‘, wie sie oft im Nachtprogramm der Dritten Programme läuft, machen, sondern einen Film, der die Geschichte der Jule und die ihrer Heimatstadt in den Vordergrund stellt.“

In elf Kapiteln wird der Zuschauer auf eine Zeitreise mitgenommen durch 125 Jahre Forster Industriegeschichte. Die Betriebsabläufe des Stadtbahnhofes werden genauso erläutert wie die Arbeitsschritte zur Inbetriebnahme einer Lok vor der Abfahrt zu den Fabrikanschlüssen. Ehemalige Mitarbeiter der Stadteisenbahn erzählen Anekdoten aus ihrem Berufsleben. Gleichzeitig ist das Projekt der Filmemacher auch eine filmische Stadtrundfahrt durch das heutige Forst.

Aufgeräumt wird dabei auch mit einigen Mythen rund um die Schwarze Jule, auch eher Unbekanntes wird ins Gedächtnis gerufen wie zum Beispiel der Forster Trümmerberg, an den sich kaum noch einer erinnert.

Stolz sind Uwe Zeihser und sein Team, dass es gelungen ist, einmalige und bisher unveröffentlichte Filmaufnahmen der Forster Stadteisenbahn zeigen zu können. „Familie Zerbock stellte uns aus ihrem privaten Archiv Filmmaterial von der letzten Fahrt der Jule 1965 zur Verfügung“, verweist  Uwe Zeihser auf eine von vielen Überraschungen, die der Film für den Betrachter bereithält. Kristian Schmidt ergänzt: „ Es ist kein Film nur für Eisenbahn-Liebhaber, sondern auch ein Film für die Forster. Viele Orte, die im Film gezeigt werden, erkennt man wieder, wenn auch aus ungewöhnlicher Perspektive.“ So ist der Film nicht nur Zeit-, sondern auch Heimatgeschichte.

Am Textilmuseum Forst steht einer der Rollböcke. der Bahn. Am Samstag soll gezeigt werden, wie sie benutzt wurden.
Am Textilmuseum Forst steht einer der Rollböcke. der Bahn. Am Samstag soll gezeigt werden, wie sie benutzt wurden. FOTO: Museumsverein Forst
Auf provisorisch verlegten Schienen wurde die alte Lok in ihre vorrübergehende Unterkunft bei der Feuerwehr buxiert. Dort steht die Leihgabe aus dem Dresdner Verkehrsmuseum immer noch provisorisch. Am Samstag ergibt  sich aber wieder die Möglichkeit, sie aus der Nähe anzuschauen und erklären zu lassen.
Auf provisorisch verlegten Schienen wurde die alte Lok in ihre vorrübergehende Unterkunft bei der Feuerwehr buxiert. Dort steht die Leihgabe aus dem Dresdner Verkehrsmuseum immer noch provisorisch. Am Samstag ergibt sich aber wieder die Möglichkeit, sie aus der Nähe anzuschauen und erklären zu lassen. FOTO: Jan Selmons
Auch der vom ehemaligen Stadteisenbahner Richard Zerbock gefertigte Jule-Nachbau auf Trabi-Basis wird am Wochenende wieder seine Runden drehen. Mit dem Gefährt wurden auch die neuen Aufnahmen für die DVD in der Stadt gemacht.
Auch der vom ehemaligen Stadteisenbahner Richard Zerbock gefertigte Jule-Nachbau auf Trabi-Basis wird am Wochenende wieder seine Runden drehen. Mit dem Gefährt wurden auch die neuen Aufnahmen für die DVD in der Stadt gemacht. FOTO: Hennig
125 Jahre Schwarze Jule in Forst/Lausitz
125 Jahre Schwarze Jule in Forst/Lausitz FOTO: LR
Titelbild der DVD "Die Schwarze Jule - Auf den Spuren der Eisenbahnlegende aus Forschte"
Titelbild der DVD "Die Schwarze Jule - Auf den Spuren der Eisenbahnlegende aus Forschte" FOTO: Museumsverein / Thoralf hass