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Forst erhielt vor 80 Jahren ein Gesundheitsamt

Das Alte Amt in der heutigen Planckstraße vor der Vernichtung durch Granaten.
Das Alte Amt in der heutigen Planckstraße vor der Vernichtung durch Granaten. FOTO: Kundisch
Forst. In loser Folge berichtet Gerd Kundisch über Personen, Orte und Bauten der Stadt Forst sowie der Region und erinnert an wichtige Ereignisse in der Geschichte. Heute schreibt er über das erste staatliche Gesundheitsamt. gdk1

Das Reichskabinett verabschiedete im Juli 1934 ein Gesetz zur Vereinheitlichung des Gesundheitswesens, welches zur Folge hatte, dass mit Wirkung vom 1. April 1935 in der Stadt Forst ein staatliches Gesundheitsamt einzurichten ist. Diesem Amt stand ein Amtsarzt vor, der in den Staatsdienst aufzunehmen war. Dies bedeutete den Einstieg in die Erb- und Rassenpflege der Nationalsozialisten. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes wirkten darüber hinaus auch eheberatend, und das Amt diente der "gesundheitlichen Volksbelehrung, der Schulgesundheitspflege, der Mütter- und Kinderberatung, der Fürsorge für Tuberkulose, für Geschlechtskranke, körperlich Behinderte, Sieche und Süchtige. . ." Weitere vertrauensärztliche Tätigkeiten, besonders auf dem Gebiet der Sozialversicherung, kamen hinzu. Das staatliche Gesundheitsamt erhob Gebühren, der Stadtkreis Forst hatte zu den Kosten der Unterhaltung und Einrichtung beizutragen. Im Forster Tageblatt hieß es hierzu, die Gesundheitsämter "sollen den Staat in die Lage versetzen, alle seine Maßnahmen zur Volksgesundung auf zuverlässige und objektive ärztliche Feststellungen zu gründen".

Vor 80 Jahren wurde die Stadt Forst auch Eigentümer des Museums. Auf der Grundlage eines am 18. August 1932 geschlossenen Vertrages zwischen der Stadt und dem "Verein für Heimatkunde" fand im Dezember 1934 eine Hauptversammlung statt, in der nochmals auf das Vertragswerk eingegangen wurde.

Dem Vertrag nach wurden bereits ab dem 1. April 1932 die im Museum untergebrachten Gegenstände leihweise dem Magistrat zur Verfügung gestellt. Drei Jahre später gingen die musealen Stücke einschließlich der Bücherei in das Eigentum der Stadtgemeinde über. Ausschlaggebend für die Übereignung vor 80 Jahren war, wie die Stadt in der vorangegangenen Zeit "über dem Museum gewaltet hat. Es wurde erinnert an den Tag der Eröffnung des Museums in den elf Räumen im Alten Amt im Gegensatz zum alten Museum mit nur drei Räumen im Schloss und hingewiesen auf die bisher vom Magistrat gemachten Aufwendungen, die dem Verein aus eigenen Mitteln unmöglich gewesen wären." Im Museum waren damals mehr als 800 Gegenstände untergebracht, die zur vorgeschichtlichen Sammlung und rund 350Gegenstände die zur naturgeschichtlichen Sammlung zählten. Hinzu kam eine umfangreiche Bibliothek mit alten Bibeln, Gesangbüchern sowie über 100 Jahre alte Geschichts- und Geografiebücher. Im April 1945, fielen die Ausstellungsstücke und dasGebäude Granaten zum Opfer. Übrig blieb eine Ruine, die 1963 zu einem Pflegeheim ausgebaut wurde.