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| 15:13 Uhr

Mafia-Krieg in der Rosenstadt?
Ein Monat nach dem Doppelmord

 In dem kleinen, unscheinbaren Haus in der Forster Amtsstraße kamen zwei Männer am 13. Mai gewaltsam ums Leben. Was hinter dem Doppelmord steckt, ist auch vier Wochen später noch unklar.
In dem kleinen, unscheinbaren Haus in der Forster Amtsstraße kamen zwei Männer am 13. Mai gewaltsam ums Leben. Was hinter dem Doppelmord steckt, ist auch vier Wochen später noch unklar. FOTO: LR / Bodo Baumert
Die Fakten sind rar, die Gerüchte zahlreich. Auch die Zahl der Spuren ist laut Ermittler groß. Von Bodo Baumert und Daniel Schauff

Einen Monat ist es her, dass zwei Menschen mitten in Forst erschossen wurden.

„Das ist abgeflacht“, sagt eine Forsterin, die sich mit vielen Leuten in der Stadt unterhält, immer versucht, auf dem Laufenden zu bleiben. Gemeint ist die Diskussion über die Tat, die sich am 13. Mai in der Rosenstadt ereignet hat. Nein, ein Thema sei das mittlerweile nicht mehr, sagt sie, ohne ihren Namen unbedingt in der Zeitung lesen zu wollen.

Keine Gefahr für Forster

Forsts Bürgermeisterin Simone Taubenek (parteilos) bestätigt die Beobachtungen der Forsterin. Nein, Stadtgespräch ist der Doppelmord mittlerweile nicht mehr, sagt sie. Wohl aber spüre sie eine Neugierde bei den Forstern, was denn nun wirklich hinter dieser Tat steckt. Waren es Mafia-Morde? Hat die Balkan-Mafia tatsächlich in Forst ihre Drogengeschäfte durchgeführt? Der Fall, sagt Taubenek, komme ihr vor wie ein „extraterritorialer“, einer, der gar nicht in die kleine, fast beschauliche Amtsstraße im Forster Zentrum passt. Ein Verbrechen aus einer anderen Welt. „Vielleicht“, sagt die Bürgermeisterin, „sind Täter und Opfer nur zufällig in Forst aufeinandergetroffen.“ Sie betont noch einmal: Für Forster habe zu keiner Zeit Gefahr bestanden.

Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, nach außen dringt derweil nur wenig. Klar ist: Zwei Männer wurden erschossen, wer die beiden Männer sind, weiß die Staatsanwaltschaft, gibt die Identitäten aber weiterhin nicht preis. Nahe des Tatorts wurden zudem Schusswaffen gefunden. Ob sie die Tatwaffen sind, steht noch nicht fest. Die Strafverfolgungsbehörden gehen allerdings davon aus, so die Staatsanwaltschaft Cottbus.

Keine Infos zu einem möglichen Schwerverletzten

Eine Bestätigung, dass es neben den beiden Toten auch noch einen Schwerverletzten gegeben hat, gibt es vonseiten der Staatsanwaltschaft nicht. „Dazu sage ich nichts“, bekräftigt Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon in dieser Woche gegenüber der RUNDSCHAU.

Auch dafür, dass sich zwei weitere Personen am Tatort befunden haben sollen, als die Polizei am frühen Morgen des 13. Mai dort eintraf, gibt es nicht. Die beiden Personen sollen bei Eintreffen der Beamten geflohen sein. Medienberichte aus Montenegro haben in den vergangenen Wochen für Gesprächsstoff in Forst gesorgt. Ihnen zufolge handelt es sich bei den Toten um Mitglieder der so genannten Kotor-Mafia. Demnach seien die beiden Toten Mitglieder einer von zwei verfeindeten Gruppen innerhalb der Balkan-Mafia. Sogar Namen der Toten nennen die montenegrischen Medien. Kommentieren will das die Staatsanwaltschaft nicht, verweist einerseits auf ermittlungstaktische Gründe, andererseits auf den Persönlichkeitsschutz der Angegriffenen.

Gute Gründe fürs Schweigen

Auch die Bürgermeisterin will der Staatsanwaltschaft nicht die Pistole auf die Brust gesetzt wissen. Wenn die Staatsanwaltschaft keine Auskunft gebe, habe das gute Gründe, sagt sie.

Was die Staatsanwaltschaft jedoch bestätigt: In dem versteckt gelegenen Gebäude in der Amtstraße sei eine Cannabisplantage entdeckt worden. Offenbar wurden dort Drogengeschäfte getätigt. Anwohner sagen gegenüber der RUNDSCHAU, dass rund um das Gebäude regelmäßig in den Nachtstunden Autos vorgefahren seien, junge Männer mit Kapuzen seien gesichtet worden. „Selbst wenn man so was sieht, sagt man doch nichts“, sagt die gut informierte Forsterin. Da sei die Sorge um die eigene Unversehrtheit eben zu groß. Laut Staatsanwaltschaft war in dem Gebäude eine Marihunana-Ernte von rund 20 Kilogramm in Bearbeitung. Zur Orientierung: ein Gramm Marihuana wird im Straßenhandel mit rund acht bis zehn Euro bewertet.

Viele Spuren sind auszuwerten

Aufrecht erhalten bleibt die Suche der Ermittler nach einem hellen Pkw, der in der Nacht vom 13. Mai zwischen drei und sechs Uhr in Forst oder auf dem Weg nach Berlin gesichtet worden sein könnte. Hinweise können an die Polizeidirektion Cottbus geleitet werden.

Bis allerdings Klarheit herrscht, was genau in der Mainacht in der Amtsstraße geschehen ist, wird noch viel Wasser die Neiße hinab fließen. Die Zahl der Spuren, so Bantleon, sei sehr groß.

Was wir wissen, was wir nicht wissen: eine aktuelle Aufstellung von RUNDSCHAU-Redakteur Bodo Baumert finden Sie bei LR online