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Forst beendet Sorbendiskussion

Forst wird wohl nicht Teil des angestammten Siedlungsgebietes der Sorben/Wenden. Zumindest die Verwaltung sieht keinen Anlass.
Forst wird wohl nicht Teil des angestammten Siedlungsgebietes der Sorben/Wenden. Zumindest die Verwaltung sieht keinen Anlass. FOTO: dpa
Forst. Mit einer Stellungnahme ans Landeskulturministerium will Forst klarmachen, dass es keinen Anlass zu einer Aufnahme ins sorbisch/wendische Siedlungsgebiet gibt. Das Papier sorgt im Stadtparlament für Diskussionen. Daniel Schauff

Nahezu verhallt sind die lauten Argumente der Stadtverordneten für und wider einen Beitritt Forsts zum sorbisch/wendischen Siedlungsgebiet. Dennoch mussten sich die Vertreter im Stadtparlament gestern erneut mit der Frage der sorbisch/wendischen Spuren in der Rosenstadt beschäftigen. Die Stellungnahme der Verwaltung an das Kulturministerium Brandenburgs stand auf der Tagesordnung. Das Ministerium hatte diese eingefordert, nachdem der Rat für Angelegenheiten der Sorben/Wenden eigenständig einen Aufnahmeantrag für Forst beim Land eingereicht hatte.

Im Mai hatten sich die Stadtverordneten bei Weitem nicht eindeutig, aber klar mit 16 zu zwölf Stimmen gegen den Beitritt Forsts zum angestammten Siedlungsgebiet ausgesprochen. Warum es in der Rosenstadt keine ausreichenden Spuren sorbisch/wendischer Kultur gebe, erläutert nun eine 23-seitige Stellungnahme, ausgearbeitet vom Leiter des Stadtarchivs Jan Klußmann. "Sehr sauber" beurteilte sie am Freitag CDU-Fraktionschef Jens-Holger Wußmann. Seine Fraktion hatte im Mai den Antrag gestellt, dass sich Forst gegen eine Aufnahme im Siedlungsgebiet ausspricht.

Für Irritationen sorgte die Vorlage der Stellungnahme allerdings bei Ingo Paeschke (Linke). Er wollte wissen, ob der Bürgermeister als Verwaltungschef nun seine Meinung geändert habe. In der Anfangsdiskussion hatte sich Philipp Wesemann (SPD) klar für einen Beitritt Forsts ausgesprochen, jetzt lege er eine Stellungnahme vor, die genau das Gegenteil beinhalte. Wesemann verwies darauf, dass er damit den Auftrag der Stadtverordneten erfülle. Wußmann bekräftigte, dass sich der Bürgermeister damit dem Willen der Stadtverordneten-Mehrheit unterwerfe und somit richtig handele. Auch der Versammlungsvorsitzende Dietmar Tischer (CDU) sah kein Problem darin, dass Stellungnahme der Verwaltung und politische Meinung des Stadtchefs auseinandergehen. "Der Bürgermeister handelt damit als Verwaltungsbeamter", bekräftigte Tischer.

Thomas Burchardt (Wir für Forst) äußerte sich kritisch zu der vom Archivleiter verfassten Stellungnahme. Darin heißt es sinngemäß, dass ein "ministerieller Oktroi", ein aufgezwungenes Gesetz also, schlecht geeignet sei, um eine Stadt und die Bürger von der Zugehörigkeit zu den Sorben/Wenden zu überzeugen. "Geeignete Werbemaßnahmen" wären hingegen zielführender gewesen. Burchardt sieht darin den Aufruf zur Korruption und "institutionellen Rassismus". Klußmann wehrte sich dagegen und berief sich auf die Bekenntnisfreiheit. Es sei die Aufgabe des Interessenvertreters, für einen Beitritt zum Siedlungsgebiet zu werben. Der einmalige Besuch der Domowina-Regionalsprecherin Ute Henschel in der Stadtverordnetenversammlung reiche dafür nicht aus.

Thomas Jaehn (FDP), von Beginn an erklärter Gegner einer Aufnahme Forsts ins sorbisch/wendische Siedlungsgebiet, wandte sich direkt an Burchardt: "Wir wollen die Zweisprachigkeit nicht", sagte er. Nur ein Bruchteil der Forster bekenne sich zum Sorbentum. "Damit müssen sie sich abfinden", sagte Jaehn.

Die von Archivleiter Jan Klußmann erarbeitete Stellungnahme der Stadt Forst geht nun ans Ministerium. Für Forst ist damit die Diskussion um den Beitritt zum Siedlungsgebiet vorerst beendet. Wie aber das Ministerium mit der Stellungnahme umgeht, bleibt am Freitag in der Stadtverordnetenversammlung noch offen.