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| 13:07 Uhr

Paint the Park Jam
Forst als heimliche Künstlerstadt

Die lange Hauszeile der Firma Mrose verschönerte „The Buddysteam“ aus Berlin.  Abstrakte Formen verbinden sich harmonisch mit Maske und Rosen.
Die lange Hauszeile der Firma Mrose verschönerte „The Buddysteam“ aus Berlin. Abstrakte Formen verbinden sich harmonisch mit Maske und Rosen. FOTO: Margit Jahn
Forst. 50 Sprayer schufen im und am ehemaligen Park 7 neue Bilder. Diese sind jetzt für ein Jahr dort zu sehen.

Neben dem 1. Forster Kunstsymposium 2013, das Bildhauer von nah und fern angezogen hatte, waren es an diesem Wochenende erneut die Sprayer, die aus ganz Deutschland zum „Paint the Park Jam“ Nummer 5 angereist waren. Ein heißes Wochenende haben sie sich ausgesucht. Gut zum Trocknen der Farben. Anstrengend, wenn die große zu besprühende Freifläche in der knallen Sonne lag.

Sebastian Heinrich, der sich um das Areal des ehemaligen „Park 7“ in Abwesenheit des Eigentümers Peter Finkenstaedt kümmert, hatte alle Hände voll zu tun, um für die Bilder von oben eine Foto-Flugdrohne startklar zu machen. Schließlich soll so ein besonderes Event in Schritten dokumentiert werden. Heinrich sagt: „Das ehemalige Park 7 Gelände ist im Umbruch. Jetzt wird wieder etwas für die Jugend getan“. Pläne gebe es reichlich, im nächsten Jahr soll ein neues Café eröffnet werden, wo früher Konzerte stattgefunden haben. Aber jetzt standen die Künstler mit ihren unzähligen Spraydosen und ihrem Tatendrang erst einmal im Mittelpunkt. Es galt die großen grau vorgestrichenen Flächen auf dem weiträumigen Gelände und entlang der Mauer der Parkstraße, mit Fantasie künstlerisch zu füllen.

Die Organisation der Veranstaltung obliegt Sebastian Reichert. Der gebürtige Forster, der jetzt in Cottbus wohnt, erzählt, dass sich 50 Sprayer aus Berlin, Potsdam, Bielefeld, Dresden, Leipzig und Cottbus für dieses Event angemeldet haben. Die Sprayer nennen sich Maler, Künstler oder eben Sprayer. Fast allen ist zu eigen, dass sie kaum namentlich erwähnt werden wollen. Wenn, dann nur mit ihrem Künstlernamen. Sebastian Reichert selbst ist der einzige Sprayer aus Forst. „Es gibt keine große Graffitszene in Forst. Die Leute ziehen weg und nachwuchstechnisch ist nicht viel vorhanden“. Über die sozialen Medien kommt und bleibt man in Kontakt. Die am Wochenende zur Verfügung stehende Fläche bleibt wie die Jahre zuvor für circa ein Jahr so stehen und kann besichtigt werden.

Auf die Frage, was die „Paint the Park Jam“ so besonders macht, sagt er: „Für die Sprayer das Gelände an sich. So eine große Anzahl an Fläche ist rar“. Besonders stolz ist er, dass er 100 Spraydosen der Firma „Loopcolors“ gesponsert bekommen hat. Ein gedrehtes Video vom vergangenen Jahr hat er dafür hingeschickt. Das befand die Firma für klasse und sponserte 50 schwarze und 50 weiße Dosen, die eine willkommene Bereicherung für die Sprayer waren. Zuvor gesponserte Gelder der Stadt und der Stadtwerke sind unter anderem für die graue Grundierung der Flächen genutzt worden.

Maik, aus Bielefeld angereist und das vierte Mal in Forst dabei, hat sein Bild im Stil von Alfons Mucha, dem Repräsentanten des Jugendstiles begonnen. „Ich weiß noch nicht, wo es hingeht“, sagte er während seiner Arbeit. „Ich male jetzt versehentlich meine Freundin“ – stellt er fest, als das Bild immer deutlicher wird. Auch sie ist brünett und trägt gern ein Kopftuch, wie seine Dame an der Wand. Er hat erstmals den Jugendstil mit Graffiti verbunden. „Der Versuch kann auch fehlschlagen“, sagt er. Aber am Ende des Tages prangt ein großes Kunstwerk vom Giebel und nach Fehlschlag sieht es definitiv nicht aus. Circa zehn Dosen benötigt er im Verlauf des Tages. Man beginnt mit der Schrift, es folgt die restliche Freifläche und dann die Farbe, so der Künstler. Von Improvisation ist die Rede.

„Mücke32“ so sein Künstlername, aus Potsdam, sprayt in Blau, Beige und Grau. Sein abstrakter Schriftzug sieht wie unterschiedlich große Kugeln oder Steine aus. Er erklärt: „Buchstaben werden in Gebilden abstrahiert“. Bosar, Südkoreaner aus Berlin, arbeitet an einem weithin sichtbaren Teufel. Stefan Thomas und Mike Prominsky aus Braunschweig haben sich am Hausgiebel am Mühlgraben für das Motiv eines Webstuhles entschieden. Die beiden reizt es, sich „gegenseitig wegzudominieren“, also gleichzeitig am gleichen Objekt zu arbeiten. „The Buddysteam“ aus Berlin ist für die lange Hauszeile der Firma Mrose zuständig. Gelb, Grau und Braun dominiert hier die Wand. Abstrakte Formen werden harmonisch mit Maske und Rosen verbunden. Nach dem langen Tag erwartete die Künstler, aber auch alle Besucher „Pump up the Jam“. Diverse Bands aus Forst, Berlin, Guben oder Kiel sorgen für den musikalischen Tagesausklang.