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| 13:21 Uhr

Konzert
Klangteppich als Musik-Reise

 Die Berliner A-Capella-Gruppe Aquabella begeisterte in Forst.
Die Berliner A-Capella-Gruppe Aquabella begeisterte in Forst. FOTO: Margit Jahn
Forst. Die A-cappella-Gruppe Aquabella begeisterte in der Forster Stadtkirche St. Nikolai. Von Margit Jahn

Wie ein zartes Meeresrauschen haben am Sonnabend Abend der liebliche Gesang sowie die anmutigen Bewegungen und Gesten der vier Damen der Berliner A-cappella-Gruppe Aquabella gewirkt. Jedes Lied, jede Welle kam sanft daher, nahm ihren Anlauf, umarmte die Zuhörer, zog sich zurück, um danach wieder erneut durch das Kirchenschiff zu rollen. Diese unglaubliche Stimmenpräsenz ließ auch die Gäste in den letzten Bankreihen bei jeder neu anrollenden Woge die Luft anhalten.

Pfarrer Christoph Lange begrüßte zuvor die Zuschauer zu einem weiteren Konzert der Reihe „Forster Kirchenmusik“ und kündigte sie „als eine der besten A-cappella-Gruppen Deutschlands“ an. So fröhlich und bunt wie ihre Kleidung war, so erfrischend und bunt war ihr Repertoire. „Wir singen heute Lieder, die uns am liebsten sind, die uns am Herzen liegen. Wir haben die schönsten Lieder herausgesucht“, sagte Bettina Stäbert.

„Jubilee“ heißt ihr aktuelles Programm. „Katerino Mome“, ein bulgarisches Lied, machte den Auftakt, bevor es nach Brasilien mit „Mas que nada“ und Kuba mit „Chan Chan“ ging. Er erklangen Lieder aus fast allen Kontinenten, immer mit einer kurzen Erklärung und Übersetzung davor.

Nachdem die professionell ausgebildeten Sängerinnen 2017 ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum gefeiert hatten, stellten sie die besten Lieder der vergangenen sechs Konzertprogramme zusammen. Die Zuhörer konnten auch in Forst die Lieder in 20 gesungenen Sprachen genießen. Hebräisch mit „Im nin alu“, Algerisch mit „Aicha“ oder Spanisch mit „Hijo de la Luna“. Es folgte die musikalische Reise nach Finnland, Schweden, Afrika und Japan.

Dass das, was dabei so lieblich und leicht daher kam, harte Arbeit ist, verriet Bettina Stäbert nach dem Konzert: „Wenn jemand zur Probe kommt und nicht geübt hat – dann wird das Lied nicht gesungen.“  Schließlich haben sie den Anspruch, die Lieder so original in der Muttersprache zu singen wie möglich. Sie reisen viel in der Welt umher und sammeln überall neue Lieder. Lieder, die berühren oder in einzigartigen Sprachen gesungen werden. Wird ein Lied in einem Land eingesungen, wird es mit einem Muttersprachler anschließend immer noch abgesprochen, um eventuelle Fehler in der Aussprache zu korrigieren.

Sieben Sängerinnen sind sie insgesamt, jeweils zu viert in wechselnden Besetzungen gestalten sie etwa 40 Konzerte im Jahr. In Forst waren dabei: Nina Rotner aus Slowenien als Sopranstimme, Nadja Dehn, die in Südafrika aufgewachsen ist, mit tiefer Altstimme, Bettina Stäbert, die eine Ausbildung in Schauspiel und Gesang hat, mit Mezzosopranstimme und Anett Levander mit swingender Altstimme. Unterstützend und auf den Punkt gespielt begleiteten sich die vier Musikerinnen mit Rahmentrommel, Tamborello, Pandeiro (Rahmentrommel mit Schellenkranz), Kastagnetten und spanischem Cajon.

Egal ob das Lied von der Sandsieberin oder das Lied vom sehnlichen Wunsch nach einem Kind, alle Lieder wurden mit emotionalen Gesten, teils sanft wiegend oder kraftvoll mit Elan untermalt. Schwungvoll, zart oder leise war oft der Einzelgesang, wobei die restlichen Musikerinnen einen traumhaften Background-Gesang dazu boten. Ob sängerisch oder schauspielerisch – jedes Lied war eine neue Überraschung, die die Zuhörer in eine kleine Zeit-Weltreise trug.

Am Ende, scherzte Chorleiterin Bettina Stäbert, stellen sich die Zuschauer immer die Frage: „Können die Mädels auch deutsch singen?“ Ja, können sie. Als Zugabe gab es „ein schönes deutsches Volkslied“, wie sie scherzhaft anmoderierten. Überraschung, wer sich zu früh gefreut hatte, denn es erklang „Du hast den Farbfilm vergessen“ von Nina Hagen, auf ihre eigene Art und Weise arrangiert. Eine weitere Zugabe war das südafrikanische Lied „Thula“ mit seinen wiegenden Bewegungen. Das wurde erst am 1. Mai neu ein geprobt. Überhaupt war der 1. Mai ein arbeitsreicher Tag für die Profi-Sängerinnen. Von 10 bis 20 Uhr wurde am neuen Programm gefeilt, und statt der geplanten einstündigen Pause waren es am Ende nur zehn Minuten, die sie sich gegönnt haben. Eine Disziplin, die man der Leichtigkeit auf der Bühne gar nicht anmerkt.

Um Farben ging es auch bei den kleinen Gastgeschenken, die Pfarrer Christoph Lange am Ende austeilte. „Das hatten wir ja auch noch nicht, dass die Geschenke, in diesem Falle die Geschenktüten, an unseren Kostümfarben orientiert sind“, so eine verblüffte, und für große Lacher sorgende Bettina Stäbert. Als sehr sympathisch werden die Forster Zuschauer dieses quirlige und erstklassige Quartett in Erinnerung behalten.

 Die Berliner A-Capella-Gruppe Aquabella begeisterte in Forst.
Die Berliner A-Capella-Gruppe Aquabella begeisterte in Forst. FOTO: Margit Jahn