(sh) Fast schon beiläufig hatte Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (CDU) den eigentlich spannendsten Punkt von der Tagesordnung streichen lassen. Die für Dienstag im Kreistag geplante Wahl eines dritten Beigeordneten fiel aus. Kurze Begründung Altekrügers: Die beiden favorisierten Kandidaten hätten kurzfristig ihre Bewerbungen zurückgezogen, in der Schnelle der Zeit sei es ihm nicht möglich gewesen, einen adäquaten Ersatzvorschlag zu machen. Punkt. Akte geschlossen. Vorläufig. Und möglicherweise sogar für immer.

„Das ist ein Stück aus dem Tollhaus“, sagt der SPD-Unterbezirkschef Ulrich Freese zu diesem Vorgang. „Ich bin maßlos enttäuscht“, ergänzt Freese, der Altekrügers Begründung nicht akzeptieren will. Laut Freese habe es durchaus geeignete Kandidaten – und vor allem auch Kandidatinnen – für diese Position gegeben. „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“, so Freese.

Denn die Sitzung des Kreistages am Dienstag war die letzte Gelegenheit, um diese Personalie noch durch den alten Kreistag klären zu lassen. Mit den Stimmen von SPD, Linken und Freien Bürgern hatte der Kreistag  Ende des vergangenen Jahres einen Antrag durchgesetzt, künftig einen dritten Beigeordneten im Forster Kreishaus zu installieren. Die CDU und auch Altekrüger selbst waren dagegen. Der Landrat fürchtete höhere Kosten und betonte, er wolle die aktuelle Struktur gern beibehalten.

Freese wiederum hatte sich in den vergangenen Wochen dafür stark gemacht, den Beigeordnetenposten mit einer Frau zu besetzen. „Im Zeitalter von Geschlechtergerechtigkeit fordere ich den Landrat des Spree-Neiße Kreises auf, eine Frau als neue Beigeordnete vorzuschlagen“, hatte er Im Februar gefordert. In dieser Woche ergänzte der SPD-Mann, dass sich gut ausgebildete Frauen, die für eine solche Führungsfunktion geeignet seien, auf für diese Stelle beworben hätten.

Nun wird die Entscheidung in den dann neu gewählten Kreistag mitgenommen. Und möglicherweise wieder gekippt – je nachdem, wie sich die politischen Kräfteverhältnisse nach der Wahl darstellen.