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| 09:52 Uhr

Ein Gebäude für die „Schwarze Jule“
Das soll im Forster Textilmuseum alles entstehen

 So sieht eine Perspektive des Museumshofes des Brandenburgischen Textilmuseums aus, die das Planungsbüro Dr. Krekeler entworfen hat. Links ist das neue Gebäude zu sehen, in dem die „Schwarze Jule“ stehen soll. Rechts daneben im hinteren Bereich soll der neue Haupteingang sein.
So sieht eine Perspektive des Museumshofes des Brandenburgischen Textilmuseums aus, die das Planungsbüro Dr. Krekeler entworfen hat. Links ist das neue Gebäude zu sehen, in dem die „Schwarze Jule“ stehen soll. Rechts daneben im hinteren Bereich soll der neue Haupteingang sein. FOTO: Dr Krekeler Generalplaner GmbH
Forst. Mit den 7,4 Millionen Euro vom Bund ist das Textilmuseum in Forst zu einem Premiumprojekt des Städtebaus aufgestiegen. Jetzt wurde erstmals vorgestellt, was auf dem Forster Komplex alles entstehen soll. Von Steffi Ludwig

Nicht nur in Forst hatte man im April gestaunt, als das Brandenburgische Textilmuseum für 7,4 Millionen Euro Förderung aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ ausgewählt wurde – und damit für die dritthöchste ausgegebene Summe. Damit ist das Textilmuseum ein Premiumprojekt des Städtebaus: Die Plakette, die die Stadt vor zwei Wochen bekam, soll nach Absprache mit der Denkmalbehörde am Museum angebracht werden, sagte Bauverwaltungsvorstand Heike Korittke im Bauausschuss der Stadtverordnetenversammlung.  

Dort stellte das Planungsbüro Dr. Krekeler Generalplaner GmbH, das die europaweite Ausschreibung gewonnen hatte, auch den Stand der Arbeiten vor. Ein Jahr sehr intensive Planungszeit liege hinter dem Büro, sagte Dr. Achim Krekeler, der sich für Forst freue, „dass Ihnen dieser Coup gelungen ist“. Es sei eine umfangreiche Bestandsaufnahme vor Ort gemacht worden, bei der auch besonders Fragen der Statik eine Rolle spielten. Nun sei der Vorentwurf erarbeitet worden, den Projektleiter Stefan Gubelt vorstellte.

Was soll entstehen?

Der Hof, um den das Ensemble der denkmalgeschützten Fabrikgebäude von 1897 gruppiert ist, soll mehr in den Fokus rücken: Links sei ein neues Gebäude geplant, in dem die Lok der Stadteisenbahn „Schwarze Jule“ stehen soll. Hinten mittig, ebenfalls in dem neuen Gebäude, soll der Haupteingang liegen, so Stefan Gubelt. Die alten Schienen sollen durch neue ergänzt werden. Durch eine Einfachweiche auf dem Hof könne die „Schwarze Jule“ dort auch rangieren. Zudem sei ein grauer Belag für einen barrierefreien, etwa zwei Meter breiten Weg über das Kopfsteinpflaster geplant.

Direkt vor dem Haupteingang solle ein Baum gepflanzt werden. Der derzeit am Gebäude befindliche Aufzug solle abgebrochen und nach innen verlegt werden. Zudem sei eine Aufstockung des Heizhauses und des Nebengebäudes geplant, so Gubelt.

So wurde ein logischer Rundgang durch alle Gebäude auf zwei Etagen entwickelt, um das ganze Gebäudeensemble zu nutzen. Denn in das neue Textilmuseum soll auch das Archiv verschwundener Orte einziehen. Zudem soll es neben der Stadt- und Regionalgeschichte sowie einer Natur- und Umweltausstellung auch die Geschichte der Textilindustrie und der Braunkohleförderung in der ganzen Region dokumentieren – um einen größeren Fokus zu setzen.

Wie sind die Kosten aufgeteilt?

Die grobe Kostenschätzung ohne Ausstattung betrage 8,24 Millionen Euro, so Heike Korittke. Gefördert werde zu 90 Prozent in Höhe von rund 7,42 Millionen Euro. Die restlichen zehn Prozent in Höhe von 824 000 Euro, verteilt auf fünf Jahre, müsse die Stadt tragen. Die Mittel für die ersten Planungen standen bereits im Haushalt 2018/19 zur Verfügung, so die Stadtverwaltung.

Wie geht es weiter?

Laut Heike Korittke sei für den Fördermittelbescheid noch eine baufachliche Prüfung notwendig. Diese erfordere die weiteren Planungsstufen der Leistungsphasen 3 und 4 (Entwurfs- und Genehmigungsplanung), mit denen das Planungsbüro Dr. Krekeler beauftragt wird.

Einen Beschluss dazu muss der Hauptausschuss fällen, der Bauausschuss empfahl es einstimmig. Die Stadtverordnetenversammlung muss über die kommunalen Eigenanteile und die Ermächtigung von Bürgermeisterin Simone Taubenek, den Zuwendungsantrag zu stellen, entscheiden. Auch hier gab der Bauausschuss grünes Licht. 2023 soll der Um- und Ausbau fertig sein.  

Was sagt der Bauausschuss?

Gerade zu baulichen Gegebenheiten gab es einige Anmerkungen. Thomas Engwicht (Gemeinsam für Forst) kritisierte den Abbruch des Aufzuges, da dieser ein zeitgeschichtliches Dokument sei. Hermann Kostrewa (SPD) stellte unter anderem die Frage, ob der Veranstaltungsraum auch extern zu nutzen sei. Chris Jaschan (AfD) fragte, ob ein Museumscafé geplant sei. Dies verneinte Heike Korittke, es sei eine mobile Versorgung geplant. Der sachkundige Einwohner Marko Lindner-Flegel regte an, gerade bei Veranstaltungen den Eintritt weiterhin im vorderen Bereich zu kassieren.

Diese und weitere Anregungen bat der Ausschuss, bei der Planung zu berücksichtigen. Stefan Palm, Werkleiter des Eigenbetriebes Kultur, Tourismus, Marketing, bemerkte zum Ausstellungskonzept, dass dieses der bisherige Stadtarchivar Dr. Jan Klußmann erarbeite. Klußmann hat die neugeschaffene Stelle als Koordinator für das Textilmuseum seit Juli inne, kann diese jedoch erst ab 1. Oktober vollumfänglich antreten, weil die neue Leiterin des Stadtarchivs erst dann einsteigt.

 So sieht eine Perspektive des Museumshofes des Brandenburgischen Textilmuseums aus, die das Planungsbüro Dr. Krekeler entworfen hat. Links ist das neue Gebäude zu sehen, in dem die „Schwarze Jule“ stehen soll. Rechts daneben im hinteren Bereich soll der neue Haupteingang sein.
So sieht eine Perspektive des Museumshofes des Brandenburgischen Textilmuseums aus, die das Planungsbüro Dr. Krekeler entworfen hat. Links ist das neue Gebäude zu sehen, in dem die „Schwarze Jule“ stehen soll. Rechts daneben im hinteren Bereich soll der neue Haupteingang sein. FOTO: Dr Krekeler Generalplaner GmbH