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| 18:55 Uhr

Bombenentschärfung in Forst
„Hochachtung vor den Sprengmeistern“

 Die Sprengmeister Enrico Schnick (l.) und Mario Büchner vom Kampfmittelbeseitigungsdienst präsentieren die 250-Kilogramm-Bombe nach der Entschärfung. Der Blindgänger war am Montagnachmittag bei den Tiefbauarbeiten für eine Tagespflege für Senioren entdeckt worden.
Die Sprengmeister Enrico Schnick (l.) und Mario Büchner vom Kampfmittelbeseitigungsdienst präsentieren die 250-Kilogramm-Bombe nach der Entschärfung. Der Blindgänger war am Montagnachmittag bei den Tiefbauarbeiten für eine Tagespflege für Senioren entdeckt worden. FOTO: LR / Steffi Ludwig
Forst. Wie eine russische Fliegerbombe, gefunden am Montag im Ortsteil Horno, für eineinhalb Tage das Leben in Forst durcheinanderwirbelte. Von Steffi Ludwig

Der Aussage von Klaus Greschke (70) aus Horno konnten am Dienstagnachmittag wohl alle Forster zustimmen: „Ich habe größte Hochachtung vor den Sprengmeistern!“ Gegen 14 Uhr hatte er diesen Satz gesagt, als er gemeinsam mit seiner Frau Ilona im Ausweichquartier in der Turnhalle der Gutenberg-Oberschule saß, Suppe löffelte und Kreuzworträtsel löste. Am Montagabend hatte er im Videotext von der Bombe gelesen – und dann gestaunt, dass der 1000-Meter-Sperrkreis auch ihn betrifft. „Solche Bomben können eine unheimliche Druckwelle auslösen“, weiß er. Angst um sein Haus habe er nicht, meint er, aber Risse könnten schon entstehen. „Aber wir müssen es nehmen, wie es kommt – und drücken die Daumen.“

Offenbar erfolgreich: Denn um 16.25 Uhr vermeldete der einminütige Dauerton der Feuerwehr-Sirene offiziell, dass die Entschärfung der Bombe erfolgreich war und die 1500 evakuierten Bewohner nun wieder in ihre Häuser können. Die Sprengmeister Enrico Schnick und Mario Büchner vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg hatten es wieder einmal geschafft und die Bombe unschädlich gemacht. In sengender Hitze präsentierten sie ihr Werk.

Und das war diesmal außergewöhnlich groß: Denn es handelte sich um eine russische 250-Kilogramm-Fliegerbombe. Zum Vergleich: Die vor zwei Jahren in der Gubener Straße gefundene Bombe war ein 100-Kilogramm-Fabrikat. „Für mich ist das die erste Bombe diesen Ausmaßes“, sagte Truppführer Mario Büchner, der bereits seit 35 Jahren Bomben entschärft. „Für Forst ist solch eine große Bombe recht selten.“ Die Entschärfung sei jedoch recht schnell gegangen, in rund 50 Minuten war die Sache erledigt. Da der Zünder in einem nicht so guten Zustand gewesen sei, hätten die Sprengmeister ihn herausgedreht und dann gesprengt. Bürgermeisterin Simone Taubenek (parteilos) überreichte beiden ein Rosenbier und den Dank der Forster.

Vorausgegangen war eine schnell ins Leben gerufene Evakuierungsaktion, die am Montagabend gegen 21.30 Uhr vom Verwaltungsstab verkündet worden war. Rund 330 Kräfte von Feuerwehr über DRK bis hin zur Bundes- und Landespolizei waren am Dienstag dann seit dem frühen Morgen im Einsatz, um die Ausweichquartiere einzurichten, Menschen dorthin zu transportieren, Straßen zu sperren, Essen auszugeben und vieles mehr.

Ein großer Akt war auch die vollständige Evakuierung der Lausitz Klinik, die nach Auskunft des Geschäftsführers Hans-Ulrich Schmidt durch die vielen Helfer jedoch hervorragend funktioniert habe. Von den 124 Patienten, die am Montag im Krankenhaus lagen, waren 77 in die Mehrzweckhalle verlegt worden, die wie ein Lazarett eingerichtet wurde. 15 Ärzte, 30 Pflegekräfte und 13 Mitarbeiter vom Rettungsdienst kümmerten sich um sie, sämtliche Technik wie Sauerstofftechnik und Medizin standen bereit, so Schmidt. Einige schwere Fälle waren in andere Krankenhäuser verlegt und leichtere Fälle notentlassen worden.

Die Entschärfung der Bombe hatte sich jedoch um eine reichliche Stunde verzögert, da nicht alle Einwohner rechtzeitig den Sperrkreis verlassen hatten.

 Auf dem Parkplatz Karlstraße war der Bereitstellungsraum eingerichtet. Rettungskräfte von DRK, Johannitern, Feuerwehr und Taxiunternehmen aus Spree-Neiße und Cottbus transportierten Pflegebedürftige zu Unterkünften.
Auf dem Parkplatz Karlstraße war der Bereitstellungsraum eingerichtet. Rettungskräfte von DRK, Johannitern, Feuerwehr und Taxiunternehmen aus Spree-Neiße und Cottbus transportierten Pflegebedürftige zu Unterkünften. FOTO: LR / Steffi Ludwig
 Klaus und Ilona Greschke aus Horno warteten im Ausweichquartier in der Turnhalle der Oberschule in der Bahnhofstraße auf die Entschärfung der Bombe. Die Turnhalle war als offizielles Ausweichquartier angeboten worden.
Klaus und Ilona Greschke aus Horno warteten im Ausweichquartier in der Turnhalle der Oberschule in der Bahnhofstraße auf die Entschärfung der Bombe. Die Turnhalle war als offizielles Ausweichquartier angeboten worden. FOTO: LR / Steffi Ludwig
 Auf dem Parkplatz in der Karlstraße wurde der Bereitstellungsraum eingerichtet. Rettungskräfte vom DRK, Johanniter und Taxiunternehmen aus ganz Spree-Neiße transportieren von hier aus Pflegebedürftige zu Unterkünften.
Auf dem Parkplatz in der Karlstraße wurde der Bereitstellungsraum eingerichtet. Rettungskräfte vom DRK, Johanniter und Taxiunternehmen aus ganz Spree-Neiße transportieren von hier aus Pflegebedürftige zu Unterkünften. FOTO: LR / Steffi Ludwig
 Die beiden haben die Riesen-Bombe unschädlich gemacht: Enrico Schnick (l.) und Mario Büchner vom Kampfmittelbeseitigungsdienst mit dem 250-Kilogramm-Blindgänger.
Die beiden haben die Riesen-Bombe unschädlich gemacht: Enrico Schnick (l.) und Mario Büchner vom Kampfmittelbeseitigungsdienst mit dem 250-Kilogramm-Blindgänger. FOTO: LR / Steffi Ludwig
 Klaus und Ilona Greschke aus Horno warteten im Ausweichquartier in der Turnhalle der Oberschule in der Bahnhofstraße auf die Entschärfung der Bombe. Die Turnhalle war als offizielles Ausweichquartier angeboten worden.
Klaus und Ilona Greschke aus Horno warteten im Ausweichquartier in der Turnhalle der Oberschule in der Bahnhofstraße auf die Entschärfung der Bombe. Die Turnhalle war als offizielles Ausweichquartier angeboten worden. FOTO: LR / Steffi Ludwig