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Fliegerbombe beschäftigt Forst

Forst. Am Donnerstagvormittag wurde die russische Fliegerbombe auf einem Grundstück in der nördlichen Forster Innenstadt gefunden. Wo genau, das gibt die Stadtverwaltung auf Wunsch des Grundstückseigentümers nicht bekannt. Katrin Kunipatz

Heike Korittke, Verwaltungsvorstand Bauen, bestätigt, dass sich die Fundstelle in der Nähe des Repo-Marktes an der Gubener Straße befindet. Sie selbst koordiniert seit Donnerstagabend alle Maßnahmen. Geschlafen habe sie deshalb in der Nacht zum Freitag kaum.

Klar ist: Die 100-Kilo-Bombe muss entschärft werden. Enrico Schnick vom Kampfmittelbeseitigungsdienst hat sie als Fliegerbombe mit intaktem Zünder identifiziert. "Grundsätzlich darf Abwurfmunition über 50 Kilogramm mit Zünder nicht transportiert werden", sagt der Sprengmeister. Und da beim Entschärfen vor Ort immer die Gefahr einer Explosion bestehe, dürfen sich in einem Radius von 1000 Metern keine Menschen aufhalten. Je nachdem wie dicht und hoch das Gelände bebaut ist, könne auch ein Umkreis von 500 Metern reichen, so Schnick.

Details zum Evakuierungsgebiet will die Stadtverwaltung Forst erst nach einer weiteren Krisensitzung am Samstag bekannt geben. Die betroffenen Bewohner sollen über die Medien und auch persönlich informiert werden, erläutert Heike Korittke.

Sicher ist, dass sich unter anderem das Krankenhaus Forst und zwei Seniorenpflegeheime innerhalb des gefährdeten Bereichs befinden. "Ziel der Stadt ist es deshalb die Evakuierung in Ruhe vorzubereiten", sagt Heike Korittke. "Die Einrichtungen müssen Zeit haben, die schwer kranken Patienten oder pflegebedürftigen Menschen anderweitig unterzubringen." Deshalb gibt es auch noch keinen Termin für die Entschärfung. Die Stadtverwaltung spricht lediglich von Mitte nächster Woche.

Von der Bombe selbst gehe keine Gefahr aus - wenn sie nicht bewegt oder belastet wird, schränkt Sprengmeister Enrico Schnick ein. Deshalb bleibt sie da, wo sie schon Jahrzehnte lag. Im Moment schützt eine Abdeckung die Munition und ganz besonders den Zünder vor Sonneneinstrahlung. Das Gelände um die Fundstelle ist abgesperrt und wird seit Donnerstagabend von Mitarbeitern der Stadtverwaltung bewacht, erläutert Heike Korittke. Dankbar ist sie für die hervorragende und stressfreie Zusammenarbeit mit dem Grundstückseigentümer: "Er ist trotz dieser besonderen Situation gelassen und hat unsere Mitarbeiter mit Kaffee versorgt."

Samstagmittag trifft sich der Krisenstab erneut im Rathaus. Auch Verwaltungsvorstand Sven Zuber, dessen Urlaub eigentlich erst am Montag endet, wird dann dabei sein. Er hat nach dem Granatenfund auf dem Lindenplatz und der Munitionssprengung auf der Deponie in diesem Jahr schon einige Erfahrung gesammelt, wie das Prozedere nach dem Fund von Weltkriegsmunition abläuft. Mit dabei sind bei dem Treffen außerdem Vertreter der freiwilligen Feuerwehr, des Landkreises Spree-Neiße, der Landes- und der Bundespolizei, des DRK und der Stadtwerke. Gemeinsam werden sie in Abstimmung mit den Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst die genauen Grenzen des Evakuierungsgebietes festlegen. Daraus ergibt sich die nötige Vorbereitungszeit, um die betroffenen Forster in Sicherheit zu bringen.

Heike Korittke ist wichtig, dass alles in Ruhe passiert. Die Entschärfung übernehmen Uwe Zierdt und Enrico Schnick, die bereits an den anderen Einsätzen in Forst beteiligt waren.

Zum Thema:
Die jetzt gefundene Bombe lag außergewöhnlich flach im Boden, erklärt Sprengmeister Enrico Schnick; weniger als zehn Zentimeter. Es ist nicht der erste Bombenfund: Im Januar 2013 mussten 500 Einwohner nach einem Bombenfund evakuiert werden. Die bislang größte Bombe wurde im Oktober 2001 an der Albertstraße gefunden: Zur Entschärfung der 250-Kilogramm-Bombe wurden weite Teile der Innenstadt gesperrt. Vorwiegend werden in Forst und Umgebung aber Granaten gefunden. Das liegt auch daran, dass Forst 1945 über Wochen Frontstadt gewesen ist.