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| 02:33 Uhr

Fischadler, Seeadler, Solarpark

Jäger Andreas Wachtel verliert durch den Bau einer Solaranlage bejagbare Fläche.
Jäger Andreas Wachtel verliert durch den Bau einer Solaranlage bejagbare Fläche. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Kahsel. Der Jäger Andreas Wachtel hat sein Revier in Kahsel. Er sorgt sich um die majestätischen Vögel, deren Brutplätze er gefährdet sieht. Annett Igel-Allzeit

Seit vielen Jahren brüten die Fischadler bei Kahsel. Andreas Wachtel zeigt über das Feld hinter der Bauernstube zur großen Freileitung und zählt: "Eins, zwei, drei - dort auf dem vierten Mast haben sie ihren Horst." Seit 16 Jahren ist der 40-jährige Kahseler Jäger. Das Gebiet, auf dem er seine zehn Kanzeln verteilt hat und das er hegt und pflegt, hat schon sein Vater gejagt und die Fischadler beobachtet. Doch nun soll mitten auf seiner Jagdpacht auf einem Plangebiet von 14 Hektar der Solarpark Kahsel entstehen.

Der Ortsbeirat, der für die Entscheidungsfindung eine Meinungsumfrage gestartet hatte, sprach sich in einer schriftlichen Stellungnahme gegen das Vorhaben aus. Die Gemeindevertretung Neuhausen/Spree hat den Aufstellungsbeschluss trotzdem einstimmig gefasst. Die Träger öffentlicher Belange können gehört werden.

Ob er sich vom Fischadler Hilfe gegen das Vorhaben erhofft? "Noch mehr helfen könnte uns der Seeadler", sagt Andreas Wachtel. Während der Fischadler ausschließlich von Fisch lebt, jagt der Seeadler hier. "Früher hatte er im Wald auch zwei Horste", weiß der Jäger. Die sind aber verschwunden. Wo der Seeadler jetzt brütet, haben die Jäger noch nicht entdeckt. Das Seeadler-Weibchen, das Wachtel wieder öfter sieht, sei auffällig groß. Während es Fischadler auf eine Flügelspannweite von bis zu 1,74 Meter bringen, liegt die Spannweite der ausgewachsenen Seeadler zwischen 1,93 bis 2,44 Metern.

Kommt der Solarpark, wird Wachtels bejagbare Fläche kleiner, bestätigt Dieter Perko (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Neuhausen/Spree und zugleich Jagdvorsteher des Jagdbezirkes Drieschnitz-Kahsel. Insgesamt wird der 965 Hektar große Jagdbezirk - die Mindestgröße gemeinschaftlich genutzter Jagdbezirke in Brandenburg liegt bei 500 Hektar - nicht arg geschmälert. Aber rechtlich hadern die Jäger bundesweit seit Jahren mit Solarparks auf ihren Pachtflächen. Das reicht von der Tatsache, dass der Solarpark eingezäunt wird, über die Debatte um eine Verringerung der Pachtzins bis zum Auseinanderfallen von Jagdbezirken, weil sie der Mindestgröße bei besonders großen Solarparks nicht mehr entsprechen. Hase, Fuchs, Flugwild und durchaus auch Schalenwild sind zwischen den Modulen durchaus zu finden. Aber schießen wird der Jäger dort nicht, weil er die Solaranlage nicht beschädigen möchte. Bestenfalls eine Fallenjagd ist mal angebracht. "Mäuse", so Dieter Perko, "finden sich oft reichlich auf diesen Flächen."

Andreas Wachtel liebt seine Pacht. "Es ist ein Hochwildrevier, weil auch Rotwild dabei ist." Der Vater hatte ihn schon als Kind mit in den Wald genommen. "Sehen sie die drei Rehe? Früher waren es mehr am Tag. Wir merken deutlich, dass der Wolf da ist. Die Wildschweine bilden größere Rotten." Mächtig aufgewühlte Stellen liegen beiderseits der Fahrradstraße. Aber auch die zwei Schwäne, die ganze Tage auf dem Feld verbringen, "fressen so viel wie ihr Hälse lang sind", sagt. Der Fuchs ist da, der Dachs, der Marderhund. Und oben kreisen öfter Milane, Bussarde, der Habicht, die Wiesenweihe. Mehr Kraniche kann er beobachten, den Schwarzstorch sucht er nach seiner Sichtung 2014/2015, Weißstörche kommen vorbei, brüten aber - im Gegensatz zu fast allen anderen Ortsteilen von Neuhausen/Spree - in Drieschnitz-Kahsel nicht.

Ob der Solarpark noch in diesem Jahr gebaut wird, weiß auch Dieter Perko nicht: "Die Träger öffentlicher Belange sind zu hören. Ich weiß nicht, wie lange die Behörden brauchen." Meist ziehen die Fischadler ein Junges pro Jahr auf. "Mehr schaffen sie nicht", weiß Andreas Wachtel aus den vielen Jahren, "ich denke, dass nicht der Solarpark sondern die Bauphase die Vögel massiv stören wird. Aber vielleicht beginnen sie erst im Herbst, wenn der Jungvogel schon fast flügge ist."

Wieder blinzelt der 40-Jährige über das Feld. Auch er darf fünf Monate lang im Umkreis des Fischadlerhorstes nicht schießen. "Aber es ist so imposant, wenn sie mit einem Fisch im Schnabel über einen hinwegfliegen."