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Firma stabilisiert im Untergrund

Mit der Sanierung des über 80 Jahre alten U-Bahn-Tunnels, durch den ab 2020 die U5 fahren soll, war die Forster DBS Spezialsanierung betraut.
Mit der Sanierung des über 80 Jahre alten U-Bahn-Tunnels, durch den ab 2020 die U5 fahren soll, war die Forster DBS Spezialsanierung betraut. FOTO: DBS
Forst. Mitten in der Stadt hat die DBS Spezialsanierung GmbH ihren Firmensitz. Einen Bagger, einen Betonmischer oder sonst einen Hinweis auf ihr Arbeitsgebiet sucht man an der Weinbergstraße vergeblich. Katrin Kunipatz

"Ein paar Maschinen stehen in einer Halle in Simmersdorf", erklärt Geschäftsführer Dietmar Schneider. "Aber die meisten sind auf den Baustellen überall in Deutschland unterwegs."

Die Sanierungsprojekte variieren zwischen klein und ganz groß. Zu den eher unauffälligen Baustellen gehören einige Straßenbrücken, die die DBS im Landkreis Spree-Neiße instand gesetzt hat. Autofahrer nehmen diese straßengleichen Brücken beim Passieren kaum war. Erst wenn die Bauwerke wegen einer aufwendigen Reparatur gesperrt werden müssen, erregen sie Aufmerksamkeit. Bevor es so weit kommt, sorgt die Forster Spezialbaufirma wieder für die nötige Stabilität.

Betonsanierungen laufen jedoch oft in deutlich größerem Stil ab. Diplom-Ingenieur Dietmar Schneider berichtet von der 250 Meter langen Brücke über den Focker Strom, die die Inseln Rügen und die Insel Ummanz verbindet. Teilweise gab es im Beton Hohlstellen, die bis auf die Bewehrung reichten. Entsprechend langwierig waren die Bauarbeiten, die erst in diesem Sommer abgeschlossen wurden.

Aber in den meisten Fällen ist nach der Sanierung von der Baustelle, an der die DBS gearbeitet hat, nichts mehr zu sehen. Aktuell arbeitet die DBS in Berlin beim Lückenschluss der U5 zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor mit. Aufgabe der Forster Betonspezialisten ist es, einen zweistöckigen Tunnel aus den 30er-Jahren zu sanieren. "Wir müssen Korrosion der vorhandenen Stahlträger verhindern und den Bereich zwischen den Trägern mit Spritzbeton schließen", erklärt Dietmar Schneider. Wenn später die U-Bahn zwischen Rotem Rathaus und Alexanderplatz durch diesen Tunnel fährt, wird kaum noch jemand nach dem Tunnelbauer fragen. Eine andere Herausforderung war eine 200 Meter lange Wand aus Spritzbeton bei Neupetershain. Sie stabilisierte den Hang, damit das Gelände um das Gut Geisendorf nicht in den Tagebau Welzow abrutschte. Sieben Meter weit reichen Anker ins Erdreich.

Um Projekte dieser Art umzusetzen, ist kompetentes Personal nötig. Aber den Beruf des Betonsanierers gibt es so nicht. Dietmar Schneider braucht Multitalente, die über technisches Wissen verfügen und gleichzeitig mit der Maurerkelle umgehen und Steine versetzen können. Seine Mitarbeiter sind Autoschlosser, Maurer, Betonfacharbeiter, Maler, Koch. Die DBS beschäftigt zurzeit nur sechs gewerbliche Arbeitnehmer, die wiederum auf den Baustellen weitere Subunternehmer anleiten.

Dietmar Schneider selbst hat an der Hochschule für Bauwesen in Cottbus studiert. Es folgte die Arbeit im Wohnungsbaukombinat, später wechselte er ins Bauamt Forst und zum Kreisbaubetrieb. Gemeinsam mit einem Partner machte er sich nach der Wende im Bereich Bautenschutz und Betonsanierung selbstständig. Diesem Arbeitsgebiet ist der heute 60-Jährige treu geblieben. Nur das unternehmerische Risiko gab er nach 17 Jahren ab. Seit 2007 ist seine Firma eine Tochter der DMI, einer deutsch-niederländischen Spezialbaufirma. So ergab sich für den Forster auch die Mitarbeit an internationalen Neubauprojekten, wie dem Malmö Citytunnel oder der Nordumfahrung in Stockholm.

Für das nächste Projekt verkürzen sich die Wege. Gebaut wird diesmal im Land Brandenburg, zehn Kilometer westlich von Müllrose. Die denkmalgeschützte Schleusenanlage an der Spree bei Neubrück soll rekonstruiert und saniert werden. An diesem Bauvorhaben arbeiten Mutter und Tochter zusammen. Die DMI Injektionstechnik stabilisiert den Untergrund und hebt die abgesackten Schleusenwände an, die DBS Spezialsanierungen reinigt das Mauerwerk, ersetzt und repariert die alten Klinkersteine. "Wir hoffen, das Projekt noch in diesem Jahr abschließen zu können", sagt Dietmar Schneider. Aber bei historischen Bauwerken könnten immer wieder Überraschungen auftauchen.