In die zweite Runde geht die diesjährige Lausitziale auf ihrer Tour durch die Region. Unter dem Titel "Wandel und Veränderung" gastiert sie am Mittwoch, 27. April,um 19 Uhr im Packschuppen Welzow. Dazu erläutert Holger Fahrland vom Organisations-Team: "Es war ja ohnehin unser Anliegen, die Lausitziale über Spremberg hinaus bekannt zu machen." So bringt die Lausitziale im Packschuppen die Menschen aus Welzow und Haidemühl mit ihrer eigenen Geschichte in Berührung: Schließlich steht Welzow wie keine andere Stadt der Lausitz für eine Landschaft im Umbruch, wie Holger Fahrland anmerkt. "Jahrzehntelanger Braunkohleabbau hat bizarre Landschaft geformt" - und diese seien wie die Menschen geprägt von tiefen Narben, die noch Jahrzehnte heilen müssen.

Drei Filme entstanden in den Jahren von 2002 bis 2009, die allesamt auf dem Programm des Abends im Packschuppen stehen. Den Auftakt bildet das Werk "Leben in Haidemühl - unruhige Jahre" von Regisseur Kurt Tetzlaff. Darauf folgt "Welzow - ein Sommermärchen in der Lausitz", gedreht von Thomas Kuschel. Zum Abschluss des Abends zeigt das Lausitziale-Team "Haidemühl - Willkommen und Abschied", wiederum von Kurt Tetzlaff. Beide Regisseure werden im Packschuppen dabei sein und die Fragen der Zuschauer beantworten, ebenso Fritz Barber von der Produktionsfirma Filmart.

Die Filme beleuchten die Schicksale von Familien, die aufgrund der Tagebaue ihre Heimat verschwinden sahen. Holger Fahrland sagt: "Das geht einem schon sehr nah, weil man gewissermaßen in eine gewachsene Struktur einsteigt, die später nicht mehr existiert." Auch der Filmclub in Welzow besitzt nach den Worten des Lausitziale-Mitarbeiters Schätze auf Zelluloid: Dessen Mitglieder haben historische Aufnahmen aus der Region gesammelt, die nach der Gründung der DDR entstanden. "Durch die vielen Filmmitschnitte aus dem Alltag der Menschen, vom Fasching, den Einschulungen, den vielen Festen, entsteht das Bild einer Gemeinschaft, in dem sicher auch ein nostalgischer Faktor mitschwingt", erläutert Holger Fahrland. "So will die Lausitziale eine Brücke zwischen Spremberg und Welzow bauen, zwei Städten, die schon aufgrund ihrer Geschichte untrennbar miteinander verknüpft sind."

Die Produktionsfirma Filmart mit Sitz in Potsdam hat unterdessen Teile aus dem Dokumentarstreifen-Fundus der Defa übernommen. Daraus entstand laut Holger Fahrland "die kühne Idee", dieses Archiv in die Spremberger Region zu holen. "Darüber beraten wir gerade", erläutert er. "Wenn uns das wirklich gelingen sollte, hätten wir eine riesige Sammlung vor Ort, die uns weiteren Aufschluss über die Historie unserer Heimatorte bringen könnte." Ohnehin passe dieser Plan in das Konzept der Lausitziale-Veranstalter, die den Gedanken verfolgen, ein Film- und Medienbüro in Spremberg zu etablieren.

Als nächste Station nach dem Welzower Packschuppen haben sich die Organisatoren die Kulturfabrik in Hoyerswerda ausgesucht. Dort werden sie am 23. Juni gastieren: Kameramann Andreas Köfer stellt Filme vor, die von Studenten geschaffen wurden. Am 26. September kehrt die Lausitziale zurück nach Spremberg. Im Suhler Klubhaus präsentieren Zeitzeugen seltene Filmdokumente aus Schwarze Pumpe, und Herausgeberin Kristina Stella stellt das Buch "Erzählungen aus Schwarze Pumpe" von Siegfried Pitschmann vor.

Zum Thema:
Karten für die Lausitziale sind jeweils im Vorverkauf in der Tourist-Info Spremberg (Am Markt 2, Telefon 03563 4530) und an den jeweiligen Abendkassen erhältlich. Am gestrigen Dienstag folgte parallel zur Veranstaltungsreihe der Auftakt für den zweiten Jahrgang der Filmschule. Unter Anleitung des Kameramannes Andreas Köfer werden Schüler in einem zehnmonatigen Kurs an die Gestaltung fiktionaler Kurzfilme herangeführt.