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Forst
Der Eiskunstlauf und die Mütter

Sie haben über 200 Zuschauer im Forster Hof unterhalten: (von links) Yvonne Schulz, Christine Stüber-Errath, Alexandra Sell und Annekathrin Bürger.
Sie haben über 200 Zuschauer im Forster Hof unterhalten: (von links) Yvonne Schulz, Christine Stüber-Errath, Alexandra Sell und Annekathrin Bürger. FOTO: Angela Hanschke
Forst. Mehr als 200 Zuschauer hat der Film „Die Anfängerin“ in den „Forster Hof“ gelockt.

Viel Beisfall hat das Publikum am Samstagabend im großen Saal des „Forster Hof“ gespendet. Und zwar zuerst für Frank Prochnow von der CKS Vital GmbH, der die knapp 200 Kino- und Eislauffreunde auch im Namen des Veranstaltungshauses und des „Freundeskreis Forster Hof“ begrüßt. Er versichert: „Wir werden den „Forster Hof“ trotz des geschlossenen Restaurants weiter mit Leben füllen und wieder häufiger Filme zeigen.“

Mit der Sondervorführung des Films „Die Anfängerin“ haben die Veranstalter ein gutes Händchen bewiesen. Die Akteure des Abends sind Christine Stüber-Errath, die die Moderation übernimmt, die Regisseurin und Drehbuchautorin Alexandra Sell sowie die Forster Choreografin Yvonne Schulz und die DEFA-Legende Annekathrin Bürger, die sich noch gut an Gastspiele im Rosengarten während ihrer Senftenberger Theaterzeit erinnert.

„Ein grandioses, ein wunderschönes Sujet“ nennt die Regisseurin das Eiskunstlaufen. Marina Kielmann, die 1992 den Vizeeuropameistertitel errang, bezeichnet „Die Anfängerin“ als „ersten authentischen Film über den Eiskunstlauf“. Inzwischen läuft in den Kinos ein Film über die einstige Profiläuferin Tonya Harding. „Die Amerikaner haben es uns nachgemacht“, scherzt die Regisseurin, die es zum osteuropäischen Film zieht, selbstbewusst.

Sechs Jahre lang musste sie um die Finanzierung ihres Filmprojekts kämpfen. Auch die Vermarktung erweist sich als steiniger Weg. Im Mai wird er bei der WM im Hobbyeiskunstlauf in Oberstdorf gezeigt. Im Sommer wird die DVD zum Film erscheinen.

Ein Heimspiel ist die Veranstaltung für die gebürtige Forsterin Yvonne Schulz. Ihre Kindheit hat sie in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) verbracht. Als Vierjährige war sie in ihrer Kita bei einer Talent-Sichtung für den Eiskunstlauf entdeckt worden und hatte sich „im Leistungssport der DDR hochgearbeitet“ bis zur Teilnahme an der EM im Eistanzen 1994. „Sind die Trainer heute immer noch so streng wie im Film?“, fragt eine Zuschauerin. „Damals gab es einen Leistungsauftrag, und den Eiskunstläufern stand auch die Welt offen. Heute sind die Sportler nicht mehr so greifbar“, sagt sie. Dennoch gehöre zum Erfolg immer noch Disziplin.

„Dieser Sport kostet inzwischen auch viel Geld“, sagt Christine Stüber-Errath. Dadurch laste ein großer Erfolgsdruck auf den Kindern. Sie hat ihr „Olympiakleid“ von 1976 mitgebracht – wie alle ihre Kleider liebevoll geschneidert von ihrer Mutter, die während der Dreharbeiten verstarb. Ihr Filmkleid entstand wie das Kleid der Annebärbel in der Werkstatt der Berliner Textildesignerin Britta Gericke.

„Härte, Kälte und eine unglaubliche Schönheit“ zeichnen den Sport aus, ergänzt Alexandra Sell. Entstanden sei allerdings kein reiner Film übers Eiskunstlaufen, sondern ein Film über Mütter und Töchter, über die Erwartungen der Erwachsenen den Kindern gegenüber. Die Filmheldin Annebärbel, dargestellt von der Schauspielerin Ulrike Krumbiegel, lief 58-jährig die Kür ihres Lebens. Damit ging ein lebenslanger Traum in Erfüllung. Mut machen, um auch als älterer Mensch seine Träume zu leben, das ist die Botschaft. „Auch Aljona Savchenko hat an sich geglaubt und sich 34-jährig mit Bruno Massot ihren Traum vom Olympiasieg erfüllt und nun noch ihren sechsten WM-Titel draufgesetzt. Der französische Eislaufverein hatte sie als „zu alt“ eingeschätzt.

„Ich danke Alexandra Sell dafür, dass sie mir die Rolle der sturen und egozentrischen Mutter antrug. Mit 80 Jahren hat man beim Film eigentlich keine Chance mehr“, betont Annekathrin Bürger. Sie hofft, dass sich so manche Mutter in dieser Rolle im Film erkennt. „Seien Sie nachsichtig mit Ihren Töchtern und glauben Sie an Ihre Kinder“, appelliert sie an die Zuhörerinnen.

Im Saal sitzen auch Evelyn und André Schubert aus Chemnitz, die im Film an der Bande als Statisten mitwirken. „Damals entstand eine Freundschaft zu den Mitwirkenden, besonders zu Christine“, berichten sie. Begeistert vom Film und dem „Forster Hof“ war auch der vierfache Cottbuser Radsport-Weltmeister Lutz Heßlich. „Ein schöner Sport mit hübschen Mädchen“, urteilt er.