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Feldforschung bei Forst wird für Unis immer interessanter

Mit Spezialtechnik untersuchen Studenten der Universität Hohenheim in einem Gehölzstreifen der Forst die Kohlendioxidaufnahme der Pflanzen in dem Gehölzstreifen.
Mit Spezialtechnik untersuchen Studenten der Universität Hohenheim in einem Gehölzstreifen der Forst die Kohlendioxidaufnahme der Pflanzen in dem Gehölzstreifen. FOTO: BTU/Maik Veste
Forst. Die Agroforst-Flächen bei Forst entwickeln sich immer stärker auch zu einem Magneten für Wissenschaftler. Diese Woche haben gleich zwei Gruppen Feldforschung betrieben. Jürgen Scholz

Seit Pfingsten haben sich auf den Gehölz-Feld-Flächen der Agrargenossenschaft Forst bei Sacro Studenten der Universität Hohenheim aufgehalten. Mit Spezialgeräten haben sie unter anderem gemessen, in welchen Pflanzenbestandteilen wie viel Kohlendioxid aufgenommen und verarbeitet wird. Das hat - natürlich auch in Zusammenhang mit dem Faktor Licht - Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum und damit auf optimale Wuchsbedingungen in den Gehölzstreifen, so Dr. Maik Veste von der BTU Cottbus-Senftenberg, der auch Lehrbeauftragter für Pflanzenökologie an der Uni bei Stuttgart ist. Um diese Ergebnisse überhaupt erzielen zu könne, haben die Hohenheimer Studenten spezielle Fotosynthese-Messgeräte mitgebracht, die in Cottbus sonst nicht zur Verfügung stünden, so Veste. Die Kooperation zwischen Cottbus und Hohenheim selbst besteht schon seit vier Jahren.

Nach Einschätzung von Veste werden die Agroforstflächen der Agrargenossenschaft Forst bei Sacro zunehmend interessanter für Forschende in diesem Bereich. Das liege unter anderem auch daran, dass dort Langzeitbeobachtungen möglich sind. An anderen Standorten müssen Versuchsflächen an die Verpächter zurückgegeben und die Gehölzstreifen wieder beseitigt werden. Die Infrastruktur, die die Agrargenossenschaft Forst biete, sei schon etwas Besonderes, betont Veste und hervorgehoben, dass auch deshalb das Projekt Bestandteil des Verbundprogramms "Signal" des Bundesforschungsministeriums ist.

Ab Donnerstag wird die nächste Uni auf den Flächen an der Neiße aktiv. Die Studenten aus Göttingen werden die Auswirkungen der Gehölzstreifen auf das Mikroklima untersuchen. Erste Forschungsergebnisse hatten gezeigt, dass die Pappel- und Robinienstreifen durch ihre windbremsende Wirkung unter anderem das Austrocknen des Bodens verlangsamen können.

Der Agroforst-Ansatz geht davon aus, dass eine Mischung von Feld- und Gehölzelementen auf einer Landwirtschaftsfläche unter anderem Bodenerosion vermindert, aber auch Stickstoffeinträge ins Wasser verringern könnte. Dazu kommen positive Auswirkungen auf Artenvielfalt und Landschaftsbild. Bislang ist eine solche Kombination aber nur in sehr beschränkten Umfang mit wenigen Gehölzarten oder überhaupt nicht in der Landwirtschaftsförderung vorgesehen. Damit kostet jedes Gehölz auf dem Feld die Bauern Geld.

Da die EU-Agrarpolitik ab dem Jahr 2020 einen neuen Rahmen erhalten soll, wird derzeit mit Hochdruck geforscht. Damat sollen auch Entscheidungsträger mit entsprechendem Datenmaterial versorgte werden. Theoretisch wäre eine Berücksichtigung von Agroforst-Flächen zwar bereits jetzt möglich, allerdings fehlen bislang dafür die Richtlinien für die entscheidenden Verwaltungen und landwirtschaftspolitische Grundsatzentscheidungen.

Mehr zum Thema Agroforst im RUNDSCHAU-Online-Dossier www.lr-online.de/agroforst