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| 02:36 Uhr

Feinrechen filtert Haare aus Abwasser

Teamleiter Sven Seidel deutet auf einen der beiden neuen Feinrechen, der in wenigen Wochen Haare aus dem Abwasser fischen wird.
Teamleiter Sven Seidel deutet auf einen der beiden neuen Feinrechen, der in wenigen Wochen Haare aus dem Abwasser fischen wird. FOTO: kkz
Forst. Die Bauarbeiten in der Kläranlage Forst sind fast beendet. Für rund 2,55 Millionen Euro wird die mechanische Reinigung erneuert. Grobrechen und Sandfang werden modernisiert, ein Feinrechen und der Fettfang kommen neu dazu. Katrin Kunipatz

Die frostigen Temperaturen verzögern in diesen Tagen die Bauarbeiten an der Forster Kläranlage. Kabel können nicht gezogen und die Außenverkleidung nicht am Neubau montiert werden, erläutert Sven Seidel. Er ist Teamleiter in der Kläranlage und betreut die Erneuerung der mechanischen Reinigungsstufe.

Anfang März vergangenen Jahres war mit den Bauarbeiten begonnen worden. Voraussichtlich Ende April dieses Jahres soll die neue mechanische Reinigungsstufe in Betrieb gehen. Der alte Sandfang, der seit 1974 in Betrieb ist, hat dann ausgedient. Er entspricht nicht mehr dem Stand der Technik. Die ungenügende mechanische Reinigung sorgt für Probleme im übrigen Teil der Anlage.

Entstanden ist ein neues Technikhaus, an dessen Front nach der Inbetriebnahme drei Schneckenpumpen das Schmutzwasser nach einer ersten Reinigung auf dem erneuerten Grobrechen zum Feinrechen befördern. Diese Anlage ist ganz neu. Nur drei Millimeter breit sind die Spalten, zwischen denen das Wasser hindurchfließt. "Vor allem Haare sollen hier herausgewaschen werden", sagt Sven Seidel. "Sie bilden sonst sogenannte Verzopfungen, die die Belüftungselemente im Belebungsbecken der Kläranlage verstopfen." Hinzu kam, dass der seit 1974 in Betrieb befindliche Sandfang ineffektiv arbeitet. "Er wird durch einen bereits fertiggestellten neuen belüfteten Sand- und Fettfang ersetzt", erklärt der Teamleiter. Die Luft sorgt dafür, dass Fett im Abwasser nach oben aufsteigt, mit einem Räumschild von der Wasseroberfläche geschoben und separat entsorgt werden kann. Der Sand sinkt auf den Boden, wird abgesaugt und gewaschen. "Die abgewaschenen organischen Bestandteile sind in der biologischen Reinigung nötig und der Sand selbst wird als Streu- oder Bausand normal entsorgt", so Sven Seidel. Die neue Technik soll den Einsatz der Industrietaucher überflüssig machen, die einmal im Jahr die Belüftungselemente in den Belebungsbecken von Verzopfungen befreiten und abgesetzten Sand vom Boden der Becken saugten.

Investieren muss die Stadt Forst für die Erneuerung der gesamten mechanischen Reinigung 2,55 Millionen Euro. "Die Kosten liegen 250 000 Euro über dem Plan", sagt der Technische Werkleiter Frank Przychodzki. Als Grund nennt er Preissteigerungen beispielsweise bei den Maschinenteilen. Einen Teil der Kosten tragen die Bürger. Um rund 30 Cent pro Kubikmeter erhöhen sich die Abwassergebühren.

Zum Thema:
In der Kläranlage Forst wird das Schmutzwasser der Stadt und der Ortsteile gereinigt. Ausgelegt ist die Anlage für 30 000 Einwohnerwerte. Angeschlossen sind 21 000 Einwohnerwerte. Seit 1999 sind die Belebtbecken in Betrieb. Der alte Langsandfang stammt von 1974. Eine Kläranlage gibt es in Forst seit 1914. Täglich erreichen 2500 bis 2700 Kubikmeter Schmutzwasser die Kläranlage. Im vergangenen Jahr wurden rund 875 000 Kubikmeter Abwasser gereinigt.